Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung – Resti­tu­ti­ons­an­sprü­che und Amts­haf­tung

In den Schutz­be­reich der nach § 1 Abs. 2 GVO bestehen­den, der Siche­rung des Unter­las­sungs­an­spruchs nach § 3 Abs. 3 VermG die­nen­den Amts­pflicht, eine Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung (nur) unter den dort näher bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen zu ertei­len, ist nur der mate­ri­ell resti­tu­ti­ons­be­rech­tig­te Antrag­stel­ler ein­be­zo­gen.

Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung – Resti­tu­ti­ons­an­sprü­che und Amts­haf­tung

Die Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung nach der Grund­stücks­ver­kehrs­ord­nung dient der Siche­rung des Unter­las­sungs­an­spruchs aus § 3 Abs. 3 VermG und damit der Siche­rung eines öffent­lich­recht­li­chen Resti­tu­ti­ons­an­spruchs [1]. Zu die­sem Zweck gel­ten das Gebot des § 3 Abs. 3 VermG, den Resti­tu­ti­ons­an­spruch nach­hal­tig beein­träch­ti­gen­de Rechts­hand­lun­gen (ins­be­son­de­re Ver­äu­ße­rung des Ver­mö­gens­werts und Ein­räu­mung ding­li­cher Rech­te) zu unter­las­sen, und das Ver­bot der Ertei­lung einer Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung nach § 1 GVO bereits dann, wenn – nicht offen­sicht­lich unbe­grün­de­te (vgl. § 1 Abs. 2 Satz 2 GVO) – Resti­tu­ti­ons­an­sprü­che ange­mel­det wor­den sind, die noch zu prü­fen sind und deren Berech­ti­gung daher noch nicht fest­steht. Auf die sach­li­che Begründ­etheit des ange­mel­de­ten Anspruchs kommt es inso­fern nicht an [2]. Wür­de das Unter­las­sungs­ge­bot erst gel­ten, wenn der Resti­tu­ti­ons­an­spruch des Antrag­stel­lers fest­steht, könn­te dies in zahl­rei­chen Fäl­len zu spät und das Recht des Resti­tu­ti­ons­be­rech­tig­ten nach­hal­tig beein­träch­tigt sein.

Aus dem unab­hän­gig von der mate­ri­el­len Berech­ti­gung des Antrag­stel­lers zeit­lich schon mit dem Resti­tu­ti­ons­an­trag ein­set­zen­den Unter­las­sungs­ge­bot nach § 3 Abs. 3 VermG – und dem sei­ner Siche­rung die­nen­den Erfor­der­nis einer Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung – folgt indes nicht, dass jeder Antrag­stel­ler, des­sen ange­mel­de­ter Resti­tu­ti­ons­an­spruch nicht offen­sicht­lich unbe­grün­det ist, unab­hän­gig von sei­ner mate­ri­el­len Resti­tu­ti­ons­be­rech­ti­gung in den Schutz­be­reich von § 3 Abs. 3 VermG und der Grund­stücks­ver­kehrs­ord­nung ein­be­zo­gen ist.

Sinn und Zweck des Unter­las­sungs­ge­bots nach § 3 Abs. 3 VermG ist es, die Posi­ti­on des resti­tu­ti­ons­be­rech­tig­ten Antrag­stel­lers mög­lichst wir­kungs­voll zu schüt­zen [3]. Ziel ist mit­hin der Schutz des Resti­tu­ti­ons­be­rech­tig­ten und sei­nes Anspruchs [4], nicht hin­ge­gen, einen nicht resti­tu­ti­ons­be­rech­tig­ten Antrag­stel­ler zu schüt­zen. Zwar löst auch der Antrag des letz­te­ren, soweit er nicht offen­sicht­lich unbe­grün­det ist, das Unter­las­sungs­ge­bot aus und ver­hin­dert auch sein Antrag die Ertei­lung einer Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung. Dar­aus folgt jedoch nicht die Ein­be­zie­hung sei­ner – außer­halb des Ver­mö­gens­ge­set­zes und von Resti­tu­ti­ons­an­sprü­chen lie­gen­den – Ver­mö­gens­in­ter­es­sen in den Schutz­be­reich des § 3 Abs. 3 VermG und der Grund­stücks­ver­kehrs­ord­nung.

Etwas ande­res ergibt sich – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Dres­den [5] – auch nicht aus der [6]. Die­se betrifft ledig­lich die Mit­tei­lungs­pflicht nach § 31 Abs. 2 Satz 1 VermG der nach §§ 24, 25 VermG zustän­di­gen Behör­den, die (bereits) durch einen Resti­tu­ti­ons­an­trag nach § 30 VermG aus­ge­löst wird und nicht die Berech­ti­gung des Antrags zur Vor­aus­set­zung hat. Die vom OLG Dres­den her­an­ge­zo­ge­ne Text­stel­le der BGH-Ent­schei­dung betraf dem­entspre­chend nur die – in der unter­blie­be­nen Mit­tei­lung nach § 31 Abs. 2 Satz 1 VermG lie­gen­de – Amts­pflicht­ver­let­zung und nicht den Schutz­be­reich der ver­letz­ten Amts­pflicht. Letz­te­rer war zwei­fels­frei betrof­fen, da dem dor­ti­gen Klä­ger ein Resti­tu­ti­ons­an­spruch zustand [7]. Das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den hat die Aus­füh­run­gen des Bun­des­ge­richts­hofs zu einer Amts­pflicht­ver­let­zung mit­hin im Sin­ne einer Aus­sa­ge zum Schutz­be­reich von § 31 Abs. 2 Satz 1 VermG miss­ver­stan­den.

Auch ergibt sich aus dem Urteil des V. Zivil­se­nats vom 15.04.1994 [8] nicht, dass § 1 Abs. 2 GVO jeden schützt, der einen – nicht offen­sicht­lich unbe­grün­de­ten – Resti­tu­ti­ons­an­trag gestellt hat. Die Ent­schei­dung des V. Zivil­se­nats betrifft allein die Vor­aus­set­zun­gen von § 3 Abs. 3 VermG und § 1 Abs. 2 GVO, nicht hin­ge­gen den Schutz­be­reich die­ser Nor­men. Aus ihr folgt nicht, dass der­je­ni­ge, der durch die Stel­lung eines nicht offen­sicht­lich unbe­grün­de­ten Antrags die Wir­kun­gen der vor­ge­nann­ten Nor­men aus­löst, bereits in Fol­ge sei­ner for­ma­len Rechts­po­si­ti­on in deren Schutz­be­reich ein­be­zo­gen ist. Der fak­ti­sche Schutz, den auch der nicht resti­tu­ti­ons­be­rech­tig­te Antrag­stel­ler bis zur Ent­schei­dung über sei­nen Antrag genießt, ist viel­mehr nur ein „Reflex“ und eine not­wen­di­ge Fol­ge der Geset­zes­sys­te­ma­tik, die – vor­über­ge­hend – auch den Nicht­be­rech­tig­ten fak­tisch schüt­zen muss, um einen wir­kungs­vol­len Schutz des Berech­tig­ten zu errei­chen.

Eine Ein­be­zie­hung des Antrag­stel­lers in den Schutz­be­reich der vor­ge­nann­ten Nor­men käme zwar in Betracht, wenn der Schutz­be­reich auch auf das betref­fen­de Grund­stück bezo­ge­ne Ansprü­che – etwa sol­che eines Erben – außer­halb des Ver­mö­gens- und Resti­tu­ti­ons­rechts umfas­sen wür­de. Hier­von kann indes nicht aus­ge­gan­gen wer­den. § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 GVO setzt zur Ertei­lung einer Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung das Feh­len eines Antrags nach § 30 Abs. 1 VermG bezie­hungs­wei­se die bestands­kräf­ti­ge Ableh­nung eines sol­chen Antrags oder sei­ne Rück­nah­me vor­aus. Das Unter­las­sungs­ge­bot des § 3 Abs. 3 Satz 1 VermG ist an das Vor­lie­gen eines Antrags nach § 30 VermG geknüpft. Dar­aus wird der beson­de­re, auf Resti­tu­ti­ons­be­rech­tig­te begrenz­te Schutz­zweck die­ser bei­den Nor­men deut­lich. Er umfasst die – mate­ri­el­le – Rechts­po­si­ti­on des Klä­gers nur, wenn und soweit sie durch das Ver­mö­gens­ge­setz geschützt wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Novem­ber 2014 – III ZR 494/​13

  1. vgl. Ent­wurf des Regis­ter­ver­fah­rens­be­schleu­ni­gungs­ge­set­zes, BT-Drs. 12/​5553 S. 156; BVerw­GE 143, 1 Rn. 18; OVG Ber­lin, VIZ 1997, 655, 656 mwN; OVG Frank­furt an der Oder, VIZ 2002, 40, 42[]
  2. BGH, Urteil vom 15.04.1994 – V ZR 79/​93, BGHZ 126, 1, 9[]
  3. BGH, Urtei­le vom 17.06.2004 – III ZR 335/​03, VersR 2005, 1732; und vom 24.02.2011 – III ZR 95/​10, VersR 2011, 672 Rn. 7, 11[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 17.06.2004; und vom 24.02.2011, jeweils aaO; vgl. fer­ner Unter­rich­tung der Bun­des­re­gie­rung zum Gesetz zur Rege­lung offe­ner Ver­mö­gens­fra­gen als Anla­ge zum Eini­gungs­ver­trag, BT-Drs. 11/​7831 S. 4[]
  5. OLG Dres­den, Urteil vom 18.10.2013 – 1 U 485/​12[]
  6. BGH, Urteil vom 12.07.2012 – III ZR 104/​11, VersR 2012, 1436 Rn. 17 ff[]
  7. BGH aaO Rn. 23[]
  8. BGH, Urteil vom 15.04.1994, aaO[]