Die unge­naue Bezeich­nung der Pacht­flä­che im Pacht­ver­trag

Dem Schrift­form­be­dürf­nis eines Land­pacht­ver­tra­ges unter­liegt der gesam­te Ver­trags­in­halt ein­schließ­lich aller Ver­ein­ba­run­gen, die Bestand­teil des Pacht­ver­tra­ges sein soll­ten. Hier­zu gehört die voll­stän­di­ge Bezeich­nung der Ver­trags­par­tei­en, des Pacht­ge­gen­stan­des, der Pacht­zeit und der Höhe der Pacht. Ergibt sich aus der im Pacht­ver­trag ent­hal­te­nen Bezeich­nung für einen Drit­ten nicht, wel­che kon­kre­ten Grund- bzw. Flur­stü­cke als Pacht­flä­che gemeint sind, genügt der Ver­trag nicht dem Schrift­form­erfor­der­nis.

Die unge­naue Bezeich­nung der Pacht­flä­che im Pacht­ver­trag

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines von den Erben des Ver­päch­ters gekün­dig­ten Land­pacht­ver­tra­ges ent­schie­den und gleich­zei­tig das erst­in­stanz­li­che Urteil des Amts­ge­richts Ibben­bü­ren bestä­tigt. Die Klä­ger ver­lan­gen als Erben des im Jah­re 2012 ver­stor­be­nen Ver­päch­ters vom beklag­ten Päch­ter aus Hörstel die Her­aus­ga­be einer in Hörstel gele­ge­nen land­wirt­schaft­li­chen Acker­flä­che mit einer Grö­ße von ca. 13 ha. Der Beklag­te hat­te die Flä­che im August 2001 vom Ver­päch­ter für 12 Jah­re gepach­tet. In dem Pacht­ver­trag hat­ten die Ver­trags­par­tei­en den Gegen­stand des Pacht­ver­tra­ges tabel­la­risch beschrie­ben und in der Spal­te Gemein­de “Hörstel” ein­ge­tra­gen, in der Spal­te Wirt­schafts­art und Lage “Acker”, die Spal­te Grund­buch­mä­ßi­ge Bezeich­nung, Flur und Flur­stück unaus­ge­füllt gelas­sen und in der Spal­te Grö­ße “13 ha” ange­ge­ben. Unter Bezug­nah­me auf die Ver­trags­ur­kun­de des Jah­res 2001 hat­ten sie den Ver­trag im August 2011 zunächst um 19 Jah­re ver­län­gert und dann im Janu­ar 2012 noch ein­mal bis zum 30.09.2043, jeweils unter Bei­be­hal­tung der übri­gen Ver­ein­ba­run­gen des Ver­tra­ges aus dem Jah­re 2001. Nach dem Tode des Ver­päch­ters kün­dig­ten die Klä­ger das Pacht­ver­hält­nis zum 30.09.2014 und ver­lan­gen die Her­aus­ga­be des Pacht­ge­gen­stan­des zum die­sem Zeit­punkt, was der Beklag­te unter Hin­weis auf die aus sei­ner Sicht wirk­sam ver­ein­bar­te Pacht­zeit bis zum 30.09.2043 ablehnt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­ge­führt, dass der Ver­trag aus dem Jah­re 2001 ein Land­pacht­ver­trag sei, der nach dem Gesetz der Schrift­form bedür­fe, weil er über einen Zeit­raum von mehr als 2 Jah­ren geschlos­sen wor­den sei. Schrift­form­be­dürf­tig sei der gesam­te Ver­trags­in­halt ein­schließ­lich aller Ver­ein­ba­run­gen, die Bestand­teil des Pacht­ver­tra­ges sein soll­ten. Hier­zu gehö­re die voll­stän­di­ge Bezeich­nung der Ver­trags­par­tei­en, des Pacht­ge­gen­stan­des, der Pacht­zeit und der Höhe der Pacht. Dabei genü­ge die Bezeich­nung des Pacht­ge­gen­stan­des nur dann der Schrift­form, wenn sich für einen Drit­ten aus der Ver­trags­ur­kun­de selbst erge­be, wel­che Flä­chen ver­pach­tet sei­en. Es genü­ge nicht, dass den Ver­trags­par­tei­en die Pacht­flä­chen beim Abschluss des Pacht­ver­tra­ges bekannt sei­en, maß­geb­lich sei allein die Ver­trags­ur­kun­de. Die Schrift­form sei gesetz­lich vor­ge­schrie­ben, um es einem Drit­ten bzw. dem Rechts­nach­fol­ger einer der Ver­trags­par­tei­en zu ermög­li­chen, sich aus der Ver­trags­ur­kun­de über den Inhalt der ver­trag­li­chen Rech­te und Pflich­ten zu infor­mie­ren.

Dem gesetz­li­chen Schrift­form­erfor­der­nis genü­ge der Pacht­ver­trag aus dem Jah­re 2001 nicht, weil er den Pacht­ge­gen­stand nicht genau genug beschrei­be. Aus der im Ver­trag ent­hal­te­nen Bezeich­nung erge­be sich für einen Drit­ten nicht, wel­che kon­kre­ten Grund- bzw. Flur­stü­cke als Pacht­flä­che gemeint gewe­sen sei­en. Die Ver­trags­ur­kun­de tei­le ihm ledig­lich mit, dass in der Gemein­de Hörstel ein Acker­grund­stück mit einer Flä­che von 13 ha ver­pach­tet wor­den sei und besa­ge nicht, wo genau die­ses Grund­stück lie­ge. In den in den Jah­ren 2011 und 2012 ver­ein­bar­ten Pacht­ver­län­ge­run­gen wer­de der Pacht­ge­gen­stand nicht wei­ter kon­kre­ti­siert.

Man­gels wirk­sam bestimm­ter Pacht­zeit sei der Ver­trag auf unbe­stimm­te Zeit abge­schlos­sen gewe­sen und habe von den Klä­gern als Rechts­nach­fol­gern des ursprüng­li­chen Ver­päch­ters daher durch eine ordent­li­che Kün­di­gung been­det wer­den kön­nen. Daher ist durch die ordent­li­che Kün­di­gung der Klä­ger zum 30.09.2014 der Pacht­ver­trag been­det wor­den.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 13. März 2014 – 10 U 92/​13

Die ungenaue Bezeichnung der Pachtfläche im Pachtvertrag