Kraftfahrzeugsteuerbefreiung für landwirtschaftliche Sonderfahrzeuge

Von der Kraft­fahrzeug­s­teuer befre­it sind Son­der­fahrzeuge i.S. des § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. a und b i.V.m. Satz 2 Kraft­StG nur dann, wenn sie “ihrer Art nach” auss­chließlich geeignet und bes­timmt sind, in der Land- oder Forstwirtschaft anfal­l­ende Leis­tun­gen zu erbrin­gen. Fahrzeuge, die auch in Gewer­be­be­trieben, z.B. in Betrieben der gewerblichen Viehwirtschaft einge­set­zt wer­den kön­nen, sind keine Son­der­fahrzeuge für die Land­wirtschaft i.S. des § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. a und b Kraft­StG.

Kraftfahrzeugsteuerbefreiung für landwirtschaftliche Sonderfahrzeuge

Nach § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. a und b Kraft­StG ist das Hal­ten von Son­der­fahrzeu­gen von der Kraft­fahrzeug­s­teuer befre­it, solange diese Fahrzeuge auss­chließlich in land- oder forstwirtschaftlichen Betrieben oder zur Durch­führung von Lohnar­beit­en für land- oder forstwirtschaftliche Betriebe ver­wen­det wer­den. Nach § 3 Nr. 7 Satz 2 Kraft­StG gel­ten als Son­der­fahrzeuge solche Fahrzeuge, die nach ihrer Bauart und ihren beson­deren, mit ihnen fest ver­bun­de­nen Ein­rich­tun­gen nur für einen der in § 3 Nr. 7 Kraft­StG beze­ich­neten Ver­wen­dungszwecke geeignet und bes­timmt sind.

Der Wort­laut des § 3 Nr. 7 Kraft­StG und der im Geset­zge­bungsver­fahren deut­lich gewor­dene Wille des Geset­zge­bers, land- und forstwirtschaftliche Betriebe zu begün­sti­gen, set­zt dem Anwen­dungs­bere­ich der Vorschrift enge Gren­zen1. Als Son­der­fahrzeuge gel­ten danach nur solche Fahrzeuge, die sich objek­tiv nur für den begün­stigten Zweck eignen, ohne dass bei ihnen eine ander­weit­ige “sin­nvoll-prak­tis­che” Ver­wen­dung tat­säch­lich in Betra­cht kommt, es sei denn, diese andere Ver­wen­dung erscheint angesichts der Bauart und Ein­rich­tung des Fahrzeugs ent­ge­gen sein­er vorgegebe­nen Bes­tim­mung und eigentlichen Eig­nung “völ­lig zweck­fremd“2.

Die enge Beziehung zu den Tätigkeit­en, die zu einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb gehören und dessen Wesen ger­ade aus­machen (Nutzung des Bodens für die Erzeu­gung von Pro­duk­ten durch Aufzucht von Pflanzen und Tieren)3, recht­fer­tigt danach eine Befreiung von der Kraft­fahrzeug­s­teuer für Fahrzeuge, die auss­chließlich geeignet und bes­timmt sind, “ihrer Art nach” nur in der Land- oder Forstwirtschaft anfal­l­ende Leis­tun­gen zu erbrin­gen4. Fahrzeuge, die auch in Betrieben einge­set­zt wer­den kön­nen, die keine land­wirtschaftlichen Betriebe sind, wie z.B. Betriebe der gewerblichen Viehwirtschaft, sind dem­nach keine Son­der­fahrzeuge für die Land­wirtschaft i.S. des § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. a Kraft­StG5.

Der Steuervergün­s­ti­gung ste­ht zwar nicht der Umstand ent­ge­gen, dass das stre­it­ige Fahrzeug nicht zum Betrieb­sver­mö­gen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs, son­dern eines Loh­nun­ternehmens und damit eines Gewer­be­be­triebs gehört (vgl. § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. b Kraft­StG; BFH, Urteil vom 01.03.2001 — VII R 79/99, BFHE 194, 473, BSt­Bl II 2001, 424). Der selb­st­fahrende Fut­ter­mis­chwa­gen ist aber deshalb kein “Son­der­fahrzeug” i.S. des § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. a Kraft­StG, da es bei der hier maßgeben­den objek­tiv abstrak­ten Betra­ch­tung nach sein­er Bauart und Ein­rich­tung auch in einem Betrieb gewerblich­er Rinder­hal­tung und nicht nur in der land- und forstwirtschaftlichen Urpro­duk­tion zum Ein­satz kom­men kön­nte und selb­st bei Zuge­hörigkeit des Fahrzeugs zu einem Betrieb­sver­mö­gen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs die Vergün­s­ti­gung zu ver­sagen wäre.

Die abstrak­te Ver­wen­dungsmöglichkeit des stre­it­ge­gen­ständlichen Fahrzeugs im Rah­men der gewerblichen Rinder­hal­tung ist nicht nur the­o­retisch denkbar, son­dern wäre auch konkret sin­nvoll. Die Betrieb­sabläufe bei der Mast oder Zucht gle­ichen bei ein­er gewerblichen Rinder­hal­tung denen in einem land­wirtschaftlichen Betrieb, in dem das für das Vieh benötigte Fut­ter selb­st pro­duziert wird. In bei­den Fällen gilt es, das ein­ge­lagerte Fut­ter (Gras- oder Mais­si­lage) abzufräsen, aufzu­bere­it­en und an die Tiere por­tion­s­gerecht auszugeben. Dabei kommt es nicht darauf an, ob es Betriebe mit gewerblich­er Rinder­hal­tung in der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land tat­säch­lich gibt6. Maßge­blich ist allein, ob Fut­ter­mis­chwa­gen in Betrieben mit gewerblich­er Rinder­hal­tung sin­nvoll zum Ein­satz kom­men kön­nten. Bei der kraft­fahrzeug­s­teuer­rechtlichen Würdi­gung bleibt nur eine völ­lig zweck­fremde Nutzungsmöglichkeit unberück­sichtigt7.

Bun­des­fi­nanzhof, Urteil vom 16. Juli 2014 — II R 39/12

  1. BFH, Urteile vom 02.12 2003 — VII R 26/02, BFHE 204, 320, BSt­Bl II 2004, 525; vom 22.06.2004 — VII R 42/03, BFHE 206, 383, BSt­Bl II 2004, 903, und BFH, Beschluss vom 16.06.2008 — II B 83/07, BFH/NV 2008, 1706 []
  2. BFH, Beschluss in BFH/NV 2008, 1706, m.w.N. []
  3. vgl. BFH, Urteil in BFHE 206, 383, BSt­Bl II 2004, 903 []
  4. vgl. BFH, Urteil in BFHE 206, 383, BSt­Bl II 2004, 903 zu Trans­port­fahrzeu­gen in der Forstwirtschaft []
  5. BFH, Urteil in BFHE 204, 320, BSt­Bl II 2004, 525 []
  6. a.A. Finanzgericht München, Urteil vom 03.05.2006 4 K 1153/04, Entschei­dun­gen der Finanzgerichte 2006, 1367 []
  7. BFH, Beschluss vom 19.11.1998 — VII B 127/98, BFH/NV 1999, 673, und BFH, Urteil in BFHE 204, 320, BSt­Bl II 2004, 525 []