Auf­sichts­maß­nah­men bei Tier­trans­por­ten – und der Informationszugang

Ein Anspruch auf Zugang zu Infor­ma­tio­nen über behaup­te­te Ver­stö­ße gegen tier­schutz­recht­li­che Bestim­mun­gen besteht weder nach dem Umwelt­in­for­ma­ti­ons­recht noch nach dem Verbraucherinformationsgesetz. 

Auf­sichts­maß­nah­men bei Tier­trans­por­ten – und der Informationszugang

Dies hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig auf die Kla­ge eines Ver­eins ent­schie­den, der sich inter­na­tio­nal für den
Schutz von Nutz- und Schlacht­tie­ren wäh­rend des Trans­ports ein­setzt, und von der Auf­sichts­be­hör­de des beklag­ten Land­krei­ses Ein­sicht in deren Akten über die Kon­trol­le von Trans­por­ten von Puten zur bei­ge­la­de­nen Geflü­gel­schlach­te­rei seit dem Jahr 2005 begehrt. Er begehrt ins­be­son­de­re den Zugang zu den Umstän­den, aus denen sich ergibt, ob bei dem Trans­port der Puten zur Geflü­gel­schlach­te­rei gegen tier­schutz­recht­li­che Bestim­mun­gen ver­sto­ßen wor­den ist. Der Land­kreis lehn­te den Antrag ab. 

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg ver­pflich­te­te den beklag­ten Land­kreis nach Maß­ga­be des nie­der­säch­si­schen Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­set­zes zur Aus­kunft [1]. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung des Land­krei­ses wies das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg mit der Begrün­dung zurück, der gel­tend gemach­te Anspruch erge­be sich zwar nicht aus dem Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­setz, wohl aber aus dem Ver­brau­cher­infor­ma­ti­ons­ge­setz [2].

Auf die vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­sio­nen sowohl des beklag­ten Land­krei­ses und der bei­ge­la­de­nen Geflü­gel­schlach­te­rei hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt das Beru­fungs­ur­teil geän­dert und die Kla­ge abgewiesen:

Bei den begehr­ten Infor­ma­tio­nen han­delt es sich nicht um Umwelt­in­for­ma­tio­nen im Sin­ne des Umwelt­in­for­ma­ti­ons­rechts. Das Merk­mal der Umwelt erfasst u.a. Tie­re als Teil der natür­li­chen Lebens­räu­me und die Arten­viel­falt, tier­schutz­recht­li­che Belan­ge aber nicht. 

Das Ver­brau­cher­infor­ma­ti­ons­ge­setz berück­sich­tigt Ver­stö­ße gegen tier­schutz­recht­li­che Vor­schrif­ten eben­falls nicht. Sein Zweck ist der Ver­brau­cher­schutz und nicht der Tier­schutz. Ein Infor­ma­ti­ons­zu­gang nach die­sem Gesetz wegen Abwei­chun­gen vom Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­buch schei­det aus, weil leben­de Tie­re regel­mä­ßig kei­ne Lebens­mit­tel sind.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 30. Janu­ar 2020 – 10 C 11.19

  1. VG Olden­burg, Urteil vom 11.01.2017 – 5 A 268/​14[]
  2. Nds. OVG, Urteil vom 27.02.2018 – 2 LC 58/​17[]