Vor­läu­fi­ge Besitz­ein­wei­sung im Rah­men der Flurbereinigung

Ein Dau­er­ver­wal­tungs­akt ist nach sei­nem Sinn und Zweck und dem ein­schlä­gi­gen mate­ri­el­len Recht in sei­nen Wir­kun­gen wesens­ge­mäß auf Dau­er ange­legt. Er ist all­ge­mein dadurch gekenn­zeich­net, dass er sich nicht in einem ein­ma­li­gen Ge- oder Ver­bot oder in einer ein­ma­li­gen Gestal­tung der Rechts­la­ge erschöpft, son­dern ein auf Dau­er berech­ne­tes oder in sei­nem Bestand vom Ver­wal­tungs­akt abhän­gi­ges Rechts­ver­hält­nis begrün­det oder inhalt­lich ver­än­dert. Die Behör­de hat den Dau­er­ver­wal­tungs­akt auf fort­be­stehen­de Recht­mä­ßig­keit zu über­wa­chen; für sei­ne recht­li­che Beur­tei­lung ist grund­sätz­lich die jeweils aktu­el­le Sach- und Rechts­la­ge maß­geb­lich [1].

Vor­läu­fi­ge Besitz­ein­wei­sung im Rah­men der Flurbereinigung

Eine der­ar­ti­ge – zeit­lich begrenz­te – Dau­er­wir­kung kommt der vor­läu­fi­gen Anord­nung nach § 36 FlurbG ohne Wei­te­res zu; dass die Flur­be­rei­ni­gungs­be­hör­de sie auch nach ihrem Erlass unter Kon­trol­le zu hal­ten hat, bringt das Gesetz ins­be­son­de­re dadurch zum Aus­druck, dass es die Behör­de nicht nur ermäch­tigt, vor­läu­fi­ge Anord­nun­gen zu erlas­sen, son­dern auch, bereits erlas­se­ne Anord­nun­gen auf­zu­he­ben oder zu ändern.

Dies trägt dem Umstand Rech­nung, dass dem Eigen­tü­mer mit der vor­läu­fi­gen Anord­nung nach § 36 Abs. 1 FlurbG der Besitz und die Nut­zung des Grund­stücks nicht end­gül­tig ent­zo­gen und dem Begüns­tig­ten über­tra­gen wer­den [2].

Es soll nicht schon der mit dem Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren erstreb­te tat­säch­li­che Zustand vor­zei­tig her­bei­ge­führt, son­dern es sol­len ledig­lich für einen begrenz­ten Zeit­raum der Über­gang in den neu­en Zustand vor­be­rei­tet und gesi­chert sowie die Auf­stel­lung des Plans und die Durch­füh­rung des Ver­fah­rens erleich­tert und beschleu­nigt wer­den [3].

Dem­ge­mäß ist die Anord­nung nach § 36 Abs. 1 FlurbG nicht nur ein­ma­lig für den Zeit­punkt der erst­ma­li­gen Besitz­über­tra­gung, son­dern für deren gesam­te Dau­er kon­sti­tu­tiv und folg­lich nur recht­mä­ßig, wenn und solan­ge die Anord­nung erfor­der­lich sowie dar­über hin­aus drin­gend ist [4].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Okto­ber 2014 – 9 B 32.2014 -

  1. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 28.02.1997 – 1 C 29.95, BVerw­GE 104, 115, 120; und vom 20.06.2013 – 8 C 46.12, BVerw­GE 147, 81 Rn. 33; U. Stel­kens, in: Stelkens/​Bonk/​Sachs, VwVfG, 8. Aufl.2014, § 35 Rn. 223 ff.[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 06.03.1961 – 1 B 141.60, Buch­holz 424.01 § 36 FlurbG von 1953 Nr. 2 S. 4[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 07.06.1963 – 1 B 80.63 – RzF 5 zu § 36 Abs. 1 FlurbG[]
  4. vgl. BVerwG, Beschluss vom 25.01.2007 – 10 B 42.06, Buch­holz 424.01 § 36 FlurbG Nr. 9 Rn. 4[]