Unrich­ti­ge Anga­ben des Milch­er­zeu­gers – und die Unter­lie­fe­run­gen

Bei unrich­ti­ger oder unvoll­stän­di­ger Anga­be des Milch­er­zeu­gers schei­det eine Sal­die­rung mit Unter­lie­fe­run­gen aus.

Unrich­ti­ge Anga­ben des Milch­er­zeu­gers – und die Unter­lie­fe­run­gen

Lässt sich die abge­ge­be­ne Men­ge nicht mehr ermit­teln, ist sie vom Haupt­zoll­amt zu schät­zen (§ 12 Abs. 1 Satz 1 des Geset­zes zur Durch­füh­rung der gemein­sa­men Markt­or­ga­ni­sa­tio­nen und der Direkt­zah­lun­gen i.V.m. § 162 Abs. 1 AO). Für das Finanz­ge­richt ergibt sich die Schät­zungs­be­fug­nis aus § 96 Abs. 1 Satz 1 FGO. Es ist nicht nur ver­tret­bar, son­dern nahe­lie­gend, die abge­ge­be­ne Milch­men­ge anhand eines Ver­gleichs der Lie­fe­run­gen in den zu schät­zen­den Mona­ten mit den Lie­fe­run­gen außer­halb die­ses Zeit­raums zu schät­zen.

Die geschätz­te Men­ge der Über­lie­fe­rung ist auch nicht nach § 14 Abs. 1 der Milch­ab­ga­ben­ver­ord­nung (Milch­AbgV) [1] mit Unter­lie­fe­run­gen zu sal­die­ren, weil die Milch­er­zeu­ge­rin unrich­ti­ge Anga­ben über ihre tat­säch­li­che Milch­lie­fe­rung gemacht hat (Satz 6 der Vor­schrift).

Der Auf­fas­sung, der Aus­schluss von der Sal­die­rung unter den in § 14 Abs. 1 Satz 6 Milch­AbgV genann­ten Vor­aus­set­zun­gen ver­sto­ße gegen Uni­ons­recht, folgt der Bun­des­fi­nanz­hof aus­drück­lich nicht. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat mit Urteil vom 16.04.2013 [2] ent­schie­den, der Aus­schluss vom Sal­die­rungs­ver­fah­ren sei mit Uni­ons­recht ver­ein­bar. Die gegen jenes BFH, Urteil erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de wur­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men [3]. Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an die­ser Ent­schei­dung fest und hat nach wie vor auch kei­ne die Ein­ho­lung einer Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on gebie­ten­den recht­li­chen Zwei­fel.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 31. Mai 2016 – VII R 15/​15

  1. i.d.F. der Bekannt­ma­chung vom 09.08.2004, BGBl I 2004, 2143[]
  2. BFH, Urteil vom 16.04.2013 – VII R 9/​12, BFHE 242, 380[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 09.02.2015 – 1 BvR 817/​14[]