Unge­sun­de Ver­tei­lung von Grund und Boden – Vor­rats­er­werb land­wirt­schaft­li­cher Grund­stü­cke

Nach § 9 Abs. 1 Nr. 1 GrdstVG ist die Geneh­mi­gung zu ver­sa­gen, wenn sie eine unge­sun­de Ver­tei­lung des Grund und Bodens bedeu­ten wür­de. Nach § 9 Abs. 2 GrdstVG liegt eine sol­che unge­sun­de Ver­tei­lung in der Regel vor, wenn die Ver­äu­ße­rung Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Agrar­struk­tur wider­spricht.

Unge­sun­de Ver­tei­lung von Grund und Boden – Vor­rats­er­werb land­wirt­schaft­li­cher Grund­stü­cke

Das ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung in der Regel der Fall, wenn ein land­wirt­schaft­li­ches Grund­stück an einen Nicht­land­wirt ver­äu­ßert wird, obwohl ein Land­wirt die Flä­che zur Auf­sto­ckung sei­nes Betriebs benö­tigt und bereit und in der Lage ist, das Land zu den Bedin­gun­gen des Kauf­ver­trags zu erwer­ben [1].

Ein land­wirt­schaft­li­ches Unter­neh­men liegt nach der Begriffs­be­stim­mung in § 1 Abs. 4 ALV vor, wenn im Rah­men der unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit eine auf Boden­be­wirt­schaf­tung beru­hen­de plan­mä­ßi­ge Auf­zucht von Pflan­zen oder eine damit ver­bun­de­ne Tier­hal­tung betrie­ben wird [2].

Aus­rei­chen kann dabei ein land­wirt­schaft­li­cher Neben­er­werbs­be­trieb; die­ser muss jedoch leis­tungs­fä­hig sein, was vor­aus­setzt, dass durch die im land­wirt­schaft­li­chen Betriebs­teil erziel­ten Gewin­ne die Exis­tenz­grund­la­ge des Neben­er­werbs­land­wirts wesent­lich ver­bes­sert wird [3].

Im vor­lie­gen­den; vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat die Käu­fe­rin, eine GmbH, zwar ihren ursprüng­li­chen nicht­land­wirt­schaft­li­chen Unter­neh­mens­ge­gen­stand wäh­rend des Geneh­mi­gungs- bzw. des Ein­wen­dungs­ver­fah­rens for­mal um Land- und Forst­wirt­schaft, Pfer­de­hal­tung und pen­si­on erwei­tert. Tat­säch­lich hat sie aber zu kei­nem Zeit­punkt einen land­wirt­schaft­li­chen Erwerbs­be­trieb geführt.

Die inso­weit allein als land­wirt­schaft­li­che Tätig­keit in Betracht kom­men­de Pro­duk­ti­on von Heu­si­la­ge erreich­te jeden­falls kei­nen nen­nens­wer­ten Umfang. Gewin­ne aus land­wirt­schaft­li­cher Tätig­keit hat die Käu­fe­rin nach ihren eige­nen Anga­ben noch wäh­rend des amts­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens nicht erzielt. Soweit das Beschwer­de­ge­richt ihren durch­schnitt­li­chen Jah­res­um­satz mit rund 200.000 € ansetzt, bezieht sich das auf die ver­gan­ge­nen Jah­re und damit nicht auf land­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten, son­dern auf den bis­he­ri­gen nicht­land­wirt­schaft­li­chen Unter­neh­mens­ge­gen­stand.

Nichts ande­res ergibt sich aus den von der Küu­fe­rin behaup­te­ten Plä­nen, eine Pfer­de­zucht bzw. Vieh­wirt­schaft auf­zu­bau­en. Zwar kann ein Nicht­land­wirt aus­nahms­wei­se einem Land­wirt gleich­ge­stellt wer­den, wenn die Auf­nah­me einer land­wirt­schaft­li­chen Tätig­keit für die Zukunft geplant ist. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung sind dafür aber kon­kre­te und in abseh­ba­rer Zeit zu ver­wirk­li­chen­de Absich­ten und Vor­keh­run­gen min­des­tens zur Füh­rung einer leis­tungs­fä­hi­gen Neben­er­werbs­land­wirt­schaft erfor­der­lich, wobei bei der Prü­fung gegen­über einem Käu­fer, der bis­her kei­nen land­wirt­schaft­li­chen Beruf aus­ge­übt hat, ein stren­ger Maß­stab ange­zeigt ist [4]. Das ver­neint der Bun­des­ge­richths­hof und nimmt viel­mehr – ent­spre­chend den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stan­zen – einen agrar­po­li­tisch uner­wünsch­ten [5] Vor­rats­er­werb land­wirt­schaft­li­cher Grund­stü­cke an.

Die Käu­fe­rin kann sich auch nicht dar­auf beru­fen, dass eine näher spe­zi­fi­zier­te Pla­nung nur des­halb noch nicht mög­lich sei, weil die gekauf­ten land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen bis Sep­tem­ber 2018 ver­pach­tet sind, also nach dem Erwerb zunächst nicht von ihr selbst genutzt wer­den könn­ten. Denn die Pacht­bin­dung befreit den Erwer­ber nicht von dem Erfor­der­nis, sei­ne Plä­ne zur Auf­nah­me eines land­wirt­schaft­li­chen Erwerbs­be­triebs kon­kret dar­zu­stel­len; sie steht viel­mehr einer in abseh­ba­rer Zeit erfol­gen­den eige­nen Bewirt­schaf­tung ent­ge­gen [6]. Die blo­ße Ver­pach­tung von Flä­chen zu land­wirt­schaft­li­chen Zwe­cken stellt dabei kei­nen land­wirt­schaft­li­chen Betrieb dar [7].

Gleich­zei­tig steht im hier ent­schie­de­nen Fall mit der als Kauf­in­ter­es­sen­tin benann­ten bis­he­ri­gen Päch­te­rin ein auf­sto­ckungs­be­dürf­ti­ger land­wirt­schaft­li­cher Betrieb zur Ver­fü­gung.

Der drin­gen­de Auf­sto­ckungs­be­darf der Kauf­in­ter­es­sen­tin ergibt sich aus den Fest­stel­lun­gen, wonach die­se bis­lang rund 583 ha Pacht­land, aber nur rund 90 ha Eigen­land bewirt­schaf­tet. Bei einem sol­chen gro­ben Miss­ver­hält­nis dient die Ver­grö­ße­rung des Eigen­land­an­teils der wirt­schaft­li­chen Stär­kung des Betrie­bes und damit der Ver­bes­se­rung der Agrar­struk­tur. Das ist auch dann der Fall, wenn – wie hier – der Zuer­werb nur zu einer gerin­gen Erhö­hung des Eigen­land­an­teils führt. Denn jeder Schritt auf dem Weg zu einem aus­ge­wo­ge­nen Ver­hält­nis zwi­schen eige­nen und gepach­te­ten Flä­chen bedeu­tet eine struk­tu­rel­le Ver­bes­se­rung [8].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Novem­ber 2014 – BLw 3/​13

  1. etwa BGH, Beschluss vom 28.04.2006 – BLw 32/​05, NJW-RR 2006, 1245 Rn. 18 mwN; vgl. auch Netz, GrdstVG, 6. Aufl., § 9 Anm.04.09.01.1, S. 464[]
  2. BGH, Beschluss vom 28.04.2006 – BLw 32/​05, NJW-RR 2006, 1245 Rn. 23[]
  3. BGH, Beschluss vom 06.07.1990 – BLw 8/​88, BGHZ 112, 86, 94; Netz, GrdstVG, 6. Aufl., § 9 Anm.04.10.03.08.2, S. 497[]
  4. etwa BGH, Beschluss vom 28.04.2006 – BLw 32/​05, NJW-RR 2006, 1245 Rn. 25 mwN[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 28.04.2006 – BLw 32/​05, NJW-RR 2006, 1245 Rn. 36[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 08.05.1998, BLw 2/​98, NJW-RR 1998, 1472, 1473[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 28.04.2006 – BLw 32/​05, NJW-RR 2006, 1245 Rn. 23; Beschluss vom 26.11.2010 – BLw 14/​09, NJW-RR 2011, 521 Rn. 22[]
  8. BGH, Beschluss vom 26.04.2002 – BLw 36/​01, NJW-RR 2002, 1169, 1170[]