Tierhalterhaftung gegenüber dem Hufschmied

Ein beim Beschla­gen von dem Pferd ver­let­zter Huf­schmied kann den Tier­hal­ter ungekürzt aus der Tier­hal­ter­haf­tung in Anspruch nehmen.

Tierhalterhaftung gegenüber dem Hufschmied

In einem jet­zt vom Ober­lan­des­gericht Hamm entsch­iede­nen Fall beschlug der Kläger, ein erfahren­er Huf­schmied aus Ochtrup, im Auf­trag der beklagten Pfer­de­hal­ter aus Ochtrup im Dezem­ber 2010 den sein­erzeit 13-jähri­gen Wal­lach auf einem Hof in Ochtrup. Bei der Aus­führung der Arbeit­en zog sich der Huf­schmied aus zwis­chen den Parteien umstrit­te­nen Grün­den eine schwere Ver­let­zung seines recht­en Fußge­lenks und oberen Sprungge­lenks zu, die in der Fol­gezeit mehrfach oper­a­tiv behan­delt wer­den musste und den seit dem Unfall arbeit­sun­fähi­gen Huf­schmied auch heute noch in sein­er Bewe­gung ein­schränkt. Von den Pfer­de­hal­tern ver­langte der Huf­schmied daraufhin al Schadenser­satz u.a. 50.000 € materiellen Schaden, 30.000 € Schmerzens­geld und eine monatliche Rente von 1.400 €.

Unter Berück­sich­ti­gung eines Mitver­schuldens des Klägers hat das erstin­stan­zlich hier­mit befasste Landgericht Mün­ster der Klage dem Grunde nach mit ein­er Haf­tungsquote von 1/3 stattgegeben. Auf seine Beru­fung hat das Ober­lan­des­gericht Hamm dem Huf­schmied nun dem Grunde nach ungekürzten Schadenser­satz zuerkan­nt. Die Höhe des vom Huf­schmieds zu beanspruchen­den Schadens wird in dem vor dem Landgericht fortzuset­zen­den Betragsver­fahren zu klären sein.

Dem Huf­schmied ste­he, so das Ober­lan­des­gericht Hamm, gegen die Pfer­de­hal­ter ein Schadenser­satzanspruch zu, der nicht durch einen Mitver­schulden­san­teil zu kürzen sei.

Die Pfer­de­hal­ter hafteten dem Huf­schmied als Tier­hal­ter. In dem Unfallgeschehen habe sich eine vom Wal­lach aus­ge­hende “Tierge­fahr” ver­wirk­licht. Der Huf­schmied habe nachgewiesen, dass er durch den Wal­lach getreten wor­den sei und sich hier­durch seine kom­plex­en Ver­let­zun­gen zuge­zo­gen habe.

Die Tier­hal­ter­haf­tung sei nicht aus­geschlossen, weil der Huf­schmied beim Beschla­gen des Wal­lachs “auf eigene Gefahr” gehan­delt habe. Dieser Rechts­gedanke greife nicht bere­its allein deshalb ein, weil ein vom Tier­hal­ter beauf­tragter Huf­schmied ein Pferd beschlage. Beim Beschla­gen set­ze sich ein Huf­schmied zwar ein­er erhöht­en Tierge­fahr aus, dies aber auf der Grund­lage eines Beschlagver­trages, der den Tier­hal­ter regelmäßig nicht von sein­er geset­zlichen Haf­tung ent­binde. Anhalt­spunk­te für ein mit dem Beschla­gen des Wal­lachs ver­bun­denes erhöht­es Risiko habe der Huf­schmied nicht gehabt. Er habe den zuvor als brav und gut­mütig eingeschätzten Wal­lach bere­its seit mehreren Jahren regelmäßig alle sechs bis acht Wochen beschla­gen.

Der Schadenser­satzanspruch sei auch nicht auf­grund eines Mitver­schuldens des Huf­schmieds zu kürzen. Aus sein­er Unfallschilderung ergebe sich kein Mitver­schulden. Ein ander­er Geschehens­ablauf, bei dem der Huf­schmied dem Pferd etwa Schmerzen zuge­fügt und es so zum Hochsteigen ver­an­lasst habe, sei nicht bewiesen. Das Beschla­gen eines Pfer­des stelle auch keinen typ­is­chen Geschehens­ablauf dar, bei dem allein schon auf­grund der all­ge­meinen Lebenser­fahrung aus ein­er Reak­tion eines Pfer­des auf ein bes­timmtes Ver­hal­ten des Huf­schmieds geschlossen wer­den könne. Schließlich habe der Huf­schmied den Wal­lach beim Beschla­gen auch nicht als Tier­hüter in seine Obhut über­nom­men.

Ober­lan­des­gericht Hamm, Urteil vom 22. April 2015 — 14 U 19/14