Schö­ne neue Gen­tech­nik

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts hat heu­te sein Urteil in dem Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren der Lan­des­re­gie­rung von Sach­sen-Anhalt gegen Bestim­mun­gen des “Geset­zes zur Rege­lung der Gen­tech­nik” (GenTG) über

Schö­ne neue Gen­tech­nik
  • die Begriffs­be­stim­mun­gen „gen­tech­nisch ver­än­der­ter Orga­nis­mus“ und „Inver­kehr­brin­gen“ (§ 3 Num­mern 3 und 6 GenTG),
  • das Stand­ort­re­gis­ter (§ 16a GenTG),
  • den Umgang mit in Ver­kehr gebrach­ten Pro­duk­ten und die hier­bei zu beach­ten­den Vor­sor­ge­pflich­ten (§ 16b GenTG) und
  • Ansprü­che bei Nut­zungs­be­ein­träch­ti­gun­gen (§ 36a GenTG)

ver­kün­det und fest­ge­stellt, dass § 3 Num­mern 3 und 6, § 16a Absät­ze 1 bis 5, § 16b Absät­ze 1 bis 4 und § 36a des Geset­zes zur Rege­lung der Gen­tech­nik mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar sind.

Das Gen­tech­nik­ge­setz[↑]

Die geziel­te Neu­kom­bi­na­ti­on des gene­ti­schen Mate­ri­als von Lebe­we­sen mit tech­ni­schen Metho­den (Gen­tech­nik) eröff­net die Mög­lich­keit, plan­mä­ßig Ver­än­de­run­gen des Erb­gu­tes vor­zu­neh­men, um Orga­nis­men mit erwünsch­ten Eigen­schaf­ten zu erzeu­gen, die mit Metho­den der her­kömm­li­chen Züch­tung nicht her­stell­bar wären. Dem­entspre­chend ist ein gen­tech­nisch ver­än­der­ter Orga­nis­mus im Sin­ne des Gen­tech­nik­ge­set­zes ein Orga­nis­mus, mit Aus­nah­me des Men­schen, des­sen gene­ti­sches Mate­ri­al in einer Wei­se ver­än­dert wor­den ist, wie sie unter natür­li­chen Bedin­gun­gen durch Kreu­zen oder natür­li­che Rekom­bi­na­ti­on nicht vor­kommt (§ 3 Nr. 3 GenTG).

Der Nor­men­kon­troll­an­trag betrifft vor­nehm­lich den Ein­satz von Gen­tech­nik bei Kul­tur­pflan­zen sowohl zu kom­mer­zi­el­len Zwe­cken, etwa in der Land­wirt­schaft und der Saat­gut­pro­duk­ti­on, als auch zu For­schungs­zwe­cken. Durch die­se umgangs­sprach­lich als „grü­ne“ Gen­tech­nik bezeich­ne­te Anwen­dung sol­len agro­no­misch wün­schens­wer­te Ergeb­nis­se wie Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­run­gen oder Reduk­tio­nen von Umwelt­be­ein­träch­ti­gun­gen erzielt wer­den. Pflan­zen sol­len bei­spiels­wei­se ernäh­rungs­phy­sio­lo­gi­sche Vor­tei­le und einen bes­se­ren Geschmack erhal­ten, eine län­ge­re Lager­fä­hig­keit auf­wei­sen, Roh­stof­fe lie­fern oder Arz­nei­mit­tel pro­du­zie­ren. Risi­ken und Chan­cen die­ser Nut­zung der Gen­tech­nik sind umstrit­ten und nicht abschlie­ßend geklärt. Durch den Trans­fer von Gen­ma­te­ri­al auch über Art­gren­zen hin­weg kön­nen einer­seits wün­schens­wer­te Eigen­schaf­ten gezielt beein­flusst wer­den, ande­rer­seits besteht das Risi­ko, dass es zu uner­wünsch­ten Neben­fol­gen kommt. Indem gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men zu expe­ri­men­tel­len Zwe­cken oder in Form von kom­mer­zi­el­len Pro­duk­ten in die Umwelt aus­ge­bracht wer­den, kön­nen sie sich in die­ser fort­pflan­zen und aus­brei­ten. Die­se Aus­wir­kun­gen kön­nen unum­kehr­bar sein.

Vor die­sem Hin­ter­grund dient eine umfang­rei­che Gesetz­ge­bung dazu, die mit dem geziel­ten Aus­brin­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men in die Umwelt ver­bun­de­nen Risi­ken zum Schutz der mensch­li­chen Gesund­heit und der Umwelt zu kon­trol­lie­ren und sowohl eine Grund­la­ge für den Ein­satz der neu­en Tech­no­lo­gie zu schaf­fen als auch die Inter­es­sen der gen­tech­nik­frei­en Land­wirt­schaft zu wah­ren. Wesent­li­che recht­li­che Vor­ga­ben des Uni­ons­ge­setz­ge­bers sind fest­ge­legt in der Richt­li­nie 2001/​18/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 12. März 2001 über die absicht­li­che Frei­set­zung gene­tisch ver­än­der­ter Orga­nis­men in die Umwelt und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 90/​220/​EWG des Rates und der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1829/​2003 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 22. Sep­tem­ber 2003 über gene­tisch ver­än­der­te Lebens­mit­tel und Fut­ter­mit­tel.

Bun­des­recht­li­che Grund­la­ge für das Aus­brin­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men in die Umwelt sind in ers­ter Linie das 1990 in Kraft getre­te­ne und nach­fol­gend mehr­fach geän­der­te Gen­tech­nik­ge­setz und des­sen Bestim­mun­gen über Frei­set­zun­gen sol­cher Orga­nis­men und das Inver­kehr­brin­gen von Pro­duk­ten, die gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men ent­hal­ten oder aus sol­chen bestehen.

Das am 4. Febru­ar 2005 in Kraft getre­te­ne Gen­tech­nik­neu­ord­nungs­ge­setz 2004 beruht auf einer im Mai 2004 in den Bun­des­tag ein­ge­brach­ten Geset­zes­vor­la­ge der Bun­des­re­gie­rung. Nach einer ers­ten Lesung, Über­wei­sung an die Aus­schüs­se und Durch­füh­rung einer Exper­ten­an­hö­rung emp­fahl der feder­füh­ren­de Aus­schuss für Ver­brau­cher­schutz, Ernäh­rung und Land­wirt­schaft die Annah­me des Ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung in einer vom Aus­schuss geän­der­ten Fas­sung. Ins­be­son­de­re waren zustim­mungs­pflich­ti­ge Tei­le aus der Geset­zes­vor­la­ge her­aus­ge­nom­men wor­den, um eine zügi­ge Ver­ab­schie­dung des Geset­zes mit den mate­ri­el­len Rege­lun­gen zu gewähr­leis­ten. Den Län­der­voll­zug betref­fen­de Ver­fah­rens­vor­schrif­ten soll­ten in einem spä­te­ren, zustim­mungs­pflich­ti­gen Gesetz vor­ge­legt wer­den. In der Aus­schuss­fas­sung wur­de der Gesetz­ent­wurf vom Bun­des­tag ange­nom­men. Der Bun­des­rat rief den Ver­mitt­lungs­aus­schuss mit dem Ziel einer grund­le­gen­den Über­ar­bei­tung des Geset­zes an und leg­te nach Abschluss des Ver­fah­rens gegen das Gesetz Ein­spruch ein. Der Bun­des­tag wies den Ein­spruch zurück (Ple­nar­pro­to­koll 15/​143, S. 13338 D). Das Gesetz wur­de am 21. Dezem­ber 2004 aus­ge­fer­tigt und im Febru­ar 2005 im Bun­des­ge­setz­blatt ver­kün­det.

Schwer­punkt des Gen­tech­nik­neu­ord­nungs­ge­set­zes 2004 war die Umset­zung der Richt­li­nie 2001/​18/​EG und die Gewähr­leis­tung einer Koexis­tenz der ver­schie­de­nen land­wirt­schaft­li­chen Erzeu­gungs­for­men.

Mit einer Ände­rung der Begriffs­be­stim­mun­gen „gen­tech­nisch ver­än­der­ter Orga­nis­mus“ und „Inver­kehr­brin­gen“ (§ 3 Nr. 3 und 6 GenTG, Art. 1 Nr. 4 Buch­sta­be b und c GenT­NeuOG 2004) woll­te der Gesetz­ge­ber auf der Grund­la­ge von Art. 2 Nr. 2 und 4 der Richt­li­nie 2001/​18/​EG klar­stel­len, dass ins­be­son­de­re auch Pro­duk­te von Aus­kreu­zun­gen gen­tech­nisch ver­än­der­ter Orga­nis­men im Sin­ne des § 3 Nr. 3 GenTG dar­stel­len (BT-Drs. 15/​3344, S. 39) und, selbst wenn sie auf eine geneh­mig­te Frei­set­zung zurück­ge­hen, unter den Begriff des Inver­kehr­brin­gens im Sin­ne des § 3 Nr. 6 GenTG und damit in den Anwen­dungs­be­reich des Gen­tech­nik­ge­set­zes (§ 2 Abs. 1 Nr. 4 GenTG) und sei­ner Vor­schrif­ten über das Inver­kehr­brin­gen fal­len. Hin­ter­grund war die vor dem Inkraft­tre­ten des Gen­tech­nik­neu­ord­nungs­ge­set­zes 2004 umstrit­te­ne Fra­ge, ob Pro­duk­te aus kon­ven­tio­nel­ler Pro­duk­ti­on, die infol­ge eines unbe­ab­sich­tig­ten Ein­tra­ges von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men Eigen­schaf­ten auf­wei­sen, die auf gen­tech­ni­schen Ver­än­de­run­gen beru­hen, einer gen­tech­nik­recht­li­chen Geneh­mi­gung bedür­fen, wenn sie in Ver­kehr gebracht wer­den sol­len.

Auf der Grund­la­ge von Art. 26a der Richt­li­nie 2001/​18/​EG, ein­ge­fügt durch Art. 43 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1829/​2003, soll­te durch meh­re­re Instru­men­te das unbe­ab­sich­tig­te Vor­han­den­sein von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men in ande­ren Pro­duk­ten ver­hin­dert und eine Koexis­tenz der ver­schie­de­nen land­wirt­schaft­li­chen Erzeu­gungs­for­men gewähr­leis­tet wer­den. Damit ver­bun­den war das Anlie­gen, die Wahl­frei­heit für Pro­du­zen­ten und Ver­brau­cher zu sichern und jen­seits der Risi­ko­dis­kus­si­on zu einer gesell­schaft­li­chen Befrie­dung zu gelan­gen. Der Gesetz­ge­ber ging davon aus, dass der groß­flä­chi­ge Anbau einer gen­tech­nisch ver­än­der­ten Kul­tur­pflan­ze eben­so wie eine Frei­set­zung in klei­ne­rem Maß­stab zu Aus­kreu­zun­gen auf benach­bar­te Grund­stü­cke füh­ren und damit Wirt­schafts­teil­neh­mer betref­fen kann, die auf den Ein­satz von Gen­tech­nik ver­zich­ten wol­len oder nach den gel­ten­den Vor­schrif­ten über den öko­lo­gi­schen Land­bau und die Kenn­zeich­nung von öko­lo­gisch erzeug­ten Pro­duk­ten ver­zich­ten müs­sen. Um die­sen Ent­wick­lun­gen in der Land- und Lebens­mit­tel­wirt­schaft Rech­nung zu tra­gen, wur­de der Koexis­tenz­be­lang als Geset­zes­zweck auf­ge­nom­men (§ 1 Nr. 2 GenTG). Zweck des Gen­tech­nik­ge­set­zes gemäß § 1 GenTG ist nun­mehr,

  1. unter Berück­sich­ti­gung ethi­scher Wer­te, Leben und Gesund­heit von Men­schen, die Umwelt in ihrem Wir­kungs­ge­fü­ge, Tie­re, Pflan­zen und Sach­gü­ter vor schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen gen­tech­ni­scher Ver­fah­ren und Pro­duk­te zu schüt­zen und Vor­sor­ge gegen das Ent­ste­hen sol­cher Gefah­ren zu tref­fen,
  2. die Mög­lich­keit zu gewähr­leis­ten, dass Pro­duk­te, ins­be­son­de­re Lebens- und Fut­ter­mit­tel, kon­ven­tio­nell, öko­lo­gisch oder unter Ein­satz gen­tech­nisch ver­än­der­ter Orga­nis­men erzeugt und in den Ver­kehr gebracht wer­den kön­nen,
  3. den recht­li­chen Rah­men für die Erfor­schung, Ent­wick­lung, Nut­zung und För­de­rung der wis­sen­schaft­li­chen, tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten der Gen­tech­nik zu schaf­fen.

Das Ziel der Gewähr­leis­tung der Koexis­tenz wur­de mit den ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen über das Stand­ort­re­gis­ter, über den Umgang mit in Ver­kehr gebrach­ten Pro­duk­ten und über Ansprü­che bei Nut­zungs­be­ein­träch­ti­gun­gen wei­ter kon­kre­ti­siert.

Zur Umset­zung gemein­schafts­recht­li­cher Vor­ga­ben aus Art. 31 Abs. 3 der Richt­li­nie 2001/​18/​EG und als Bei­trag zur Siche­rung der Koexis­tenz wur­de ein Stand­ort­re­gis­ter ein­ge­rich­tet (§ 16a GenTG, Art. 1 Nr. 14 GenT­NeuOG 2004). Gemäß § 16a Abs. 1 Satz 1 und 2 GenTG wer­den in dem vom Bun­des­amt für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit als zustän­di­ger Bun­des­ober­be­hör­de (vgl. § 31 Satz 2 GenTG) geführ­ten Stand­ort­re­gis­ter die gemel­de­ten Anga­ben über Frei­set­zun­gen und Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men für das gesam­te Bun­des­ge­biet zum Zweck der Über­wa­chung etwai­ger Aus­wir­kun­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men auf die in § 1 Nr. 1 und 2 GenTG genann­ten Rechts­gü­ter und Belan­ge sowie zum Zweck der Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit erfasst. Soll eine geneh­mig­te Frei­set­zung durch­ge­führt wer­den, so hat der Betrei­ber (vgl. § 3 Nr. 7 GenTG) spä­tes­tens drei Werk­ta­ge vor der Durch­füh­rung die Frei­set­zung, die Bezeich­nung des gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­mus, sei­ne gen­tech­nisch ver­än­der­ten Eigen­schaf­ten, das Grund­stück der Frei­set­zung und die Grö­ße der Frei­set­zungs­flä­che und den Frei­set­zungs­zeit­raum dem Bun­des­amt für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit zu mel­den (§ 16a Abs. 2 Satz 1 und 2 GenTG). Soll eine zuge­las­se­ne gen­tech­nisch ver­än­der­te Pflan­ze ange­baut wer­den, muss der Bewirt­schaf­ter (vgl. § 3 Nr. 13a GenTG) die­ses Vor­ha­ben spä­tes­tens drei Mona­te vor dem Anbau dem Bun­des­amt mel­den sowie die Bezeich­nung und den spe­zi­fi­schen Erken­nungs­mar­ker des gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­mus, sei­ne gen­tech­nisch ver­än­der­ten Eigen­schaf­ten, den Namen und die Anschrift des­je­ni­gen, der die Flä­che bewirt­schaf­tet, das Grund­stück des Anbaus und die Grö­ße der Anbau­flä­che mit­tei­len (§ 16a Abs. 3 Satz 1 und 2 GenTG). Ände­run­gen in den Anga­ben sowie die Been­di­gung des Frei­set­zungs­vor­ha­bens sind unver­züg­lich mit­zu­tei­len (§ 16a Abs. 2 Satz 3 und Abs. 3 Satz 3 GenTG). Das Stand­ort­re­gis­ter ist zum Teil all­ge­mein zugäng­lich. Aus­künf­te über die Bezeich­nung und – im Fall des Anbaus – der spe­zi­fi­sche Erken­nungs­mar­ker des gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­mus, sei­ne gen­tech­nisch ver­än­der­ten Eigen­schaf­ten und das Grund­stück der Frei­set­zung oder des Anbaus sowie die Flä­chen­grö­ße wer­den durch auto­ma­ti­sier­ten Abruf über das Inter­net erteilt (§ 16a Abs. 4 GenTG). Über die im Übri­gen nicht all­ge­mein zugäng­li­chen Infor­ma­tio­nen wird grund­sätz­lich Aus­kunft erteilt, soweit der Antrag­stel­ler ein berech­tig­tes Inter­es­se glaub­haft macht und kein Grund zu der Annah­me besteht, dass der Betrof­fe­ne ein über­wie­gen­des schutz­wür­di­ges Inter­es­se an dem Aus­schluss der Aus­kunft hat (§ 16a Abs. 5 GenTG). Zur Gewähr­leis­tung von Daten­si­cher­heit und Daten­schutz sind dem jewei­li­gen Stand der Tech­nik ent­spre­chen­de Maß­nah­men zu tref­fen (§ 16a Abs. 6 Satz 1 GenTG). Die Daten des Bun­des­re­gis­ters wer­den nach Ablauf von 15 Jah­ren nach ihrer erst­ma­li­gen Spei­che­rung gelöscht (§ 16a Abs. 6 Satz 2 GenTG).

Als wei­te­rer Bei­trag zur Gewähr­leis­tung der Koexis­tenz wur­den eine Vor­sor­ge­pflicht und Anfor­de­run­gen an die gute fach­li­che Pra­xis im Umgang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men ein­ge­führt (§ 16b GenTG, Art. 1 Nr. 14 GenT­NeuOG 2004), wodurch Ein­trä­ge die­ser Orga­nis­men ver­mie­den oder auf ein Min­dest­maß redu­ziert wer­den sol­len. § 16b Abs. 1 Satz 1 GenTG ver­pflich­tet den­je­ni­gen zur Vor­sor­ge gegen wesent­li­che Beein­träch­ti­gun­gen der in § 1 Nr. 1 und 2 GenTG genann­ten Rechts­gü­ter und Belan­ge, der mit zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­se­nen Pro­duk­ten, die gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men ent­hal­ten oder aus sol­chen bestehen, auf näher bestimm­te Art und Wei­se umgeht oder die­se erwerbs­wirt­schaft­lich, gewerbs­mä­ßig oder in ver­gleich­ba­rer Wei­se in den Ver­kehr bringt. Die Erfül­lung der Vor­sor­ge­pflicht nach § 16b Abs. 1 Satz 1 GenTG wird für die Berei­che des Umgangs mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Pflan­zen und der Hal­tung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Tie­ren durch Bestim­mun­gen über eine gute fach­li­che Pra­xis in § 16b Abs. 2 und 3 GenTG prä­zi­siert. Gemäß § 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG in sei­ner bis zum 4. April 2008 gel­ten­den Fas­sung (im Fol­gen­den: § 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG a.F.) waren Hand­lun­gen aus­drück­lich unzu­läs­sig, soweit auf­grund der Umstän­de des Ein­zel­fal­les die Errei­chung der in § 1 Nr. 2 GenTG genann­ten Belan­ge nicht gewähr­leis­tet war. Ergän­zend zu den Ver­hal­tens­pflich­ten des § 16b Abs. 1 bis 3 GenTG trifft § 16b Abs. 4 GenTG eine Rege­lung über die zur Erfül­lung der Vor­sor­ge­pflicht erfor­der­li­che Eig­nung von Per­son und Aus­stat­tung des­je­ni­gen, der zu erwerbs­wirt­schaft­li­chen, gewerbs­mä­ßi­gen oder ver­gleich­ba­ren Zwe­cken mit den Pro­duk­ten umgeht. Der vor­lie­gend nicht ange­grif­fe­ne § 16b Abs. 5 GenTG ver­pflich­tet den­je­ni­gen, der die Pro­duk­te in den Ver­kehr bringt, eine Pro­dukt­in­for­ma­ti­on mit­zu­lie­fern, die neben den Bestim­mun­gen der Geneh­mi­gung auch Anga­ben zur Erfül­lung der Pflich­ten nach § 16b Abs. 1 bis 3 GenTG ent­hal­ten muss. Der eben­falls nicht bean­stan­de­te § 16b Abs. 6 GenTG ermäch­tigt die Bun­des­re­gie­rung, durch Rechts­ver­ord­nung ein­zel­ne Aspek­te zu § 16b Abs. 3, 4 und 5 GenTG näher zu regeln. § 16a und § 16b GenTG fin­den auch Anwen­dung, wenn das Inver­kehr­brin­gen durch Rechts­vor­schrif­ten gere­gelt ist, die den Bestim­mun­gen des Gen­tech­nik­ge­set­zes über Frei­set­zung und Inver­kehr­brin­gen vor­ge­hen (vgl. § 14 Abs. 2 GenTG).

Das pri­va­te Nach­bar­recht wur­de schließ­lich durch eine Rege­lung über Ansprü­che bei Nut­zungs­be­ein­träch­ti­gun­gen kon­kre­ti­siert und ergänzt, um sicher­zu­stel­len, dass bei wesent­li­chen Nut­zungs­be­ein­träch­ti­gun­gen durch Ein­trä­ge von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men ein zivil­recht­li­cher Abwehr- und Aus­gleichs­an­spruch besteht (§ 36a GenTG, Art. 1 Nr. 24 GenT­NeuOG 2004).

Im pri­va­ten Nach­bar­recht kann ein Eigen­tü­mer von dem Stö­rer gemäß § 1004 Abs. 1 BGB die Besei­ti­gung oder die Unter­las­sung einer Beein­träch­ti­gung ver­lan­gen, wenn das Eigen­tum in ande­rer Wei­se als durch Ent­zie­hung oder Vor­ent­hal­tung des Besit­zes beein­träch­tigt wird oder eine künf­ti­ge Beein­träch­ti­gung zu besor­gen ist. Gemäß § 1004 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit § 906 Abs. 1 Satz 1 BGB ist der Eigen­tü­mer jedoch zur Dul­dung ver­pflich­tet und sein Abwehr­an­spruch aus­ge­schlos­sen, wenn die Benut­zung sei­nes Grund­stücks durch die Zufüh­rung von Gasen, Dämp­fen, Gerü­chen, Rauch, Ruß, Wär­me, Geräusch, Erschüt­te­run­gen und durch ähn­li­che grenz­über­schrei­ten­de Ein­wir­kun­gen nicht oder nur unwe­sent­lich beein­träch­tigt wird. Nach § 906 Abs. 2 Satz 1 BGB hat der Eigen­tü­mer auch eine wesent­li­che Beein­träch­ti­gung zu dul­den, soweit sie durch eine orts­üb­li­che Benut­zung des ande­ren Grund­stücks her­bei­ge­führt wird und nicht durch Maß­nah­men ver­hin­dert wer­den kann, die Benut­zern die­ser Art wirt­schaft­lich zumut­bar sind. In die­sem Fall kann der Eigen­tü­mer aus § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB von dem Benut­zer des ande­ren Grund­stücks einen ange­mes­se­nen Aus­gleich in Geld ver­lan­gen, wenn die Ein­wir­kung eine orts­üb­li­che Benut­zung sei­nes Grund­stücks oder des­sen Ertrag über das zumut­ba­re Maß hin­aus beein­träch­tigt. Ana­log zu § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ein all­ge­mei­ner nach­bar­recht­li­cher Aus­gleichs­an­spruch gege­ben, wenn von einem Grund­stück im Rah­men pri­vat­wirt­schaft­li­cher Benut­zung rechts­wid­ri­ge Ein­wir­kun­gen auf ein ande­res Grund­stück aus­ge­hen, die der Eigen­tü­mer oder Besit­zer des betrof­fe­nen Grund­stücks nicht dul­den muss, aus beson­de­ren Grün­den jedoch nicht gemäß § 1004 Abs. 1, § 862 Abs. 1 BGB unter­bin­den kann, sofern er hier­durch Nach­tei­le erlei­det, die das zumut­ba­re Maß einer ent­schä­di­gungs­los hin­zu­neh­men­den Beein­träch­ti­gung über­stei­gen. Die Vor­schrift des § 906 BGB kon­kre­ti­siert nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auch im öffent­li­chen Nach­bar­recht den Maß­stab des­sen, was ein Grund­stücks­ei­gen­tü­mer oder ‑besit­zer bei Immis­sio­nen von hoher Hand ent­schä­di­gungs- und scha­dens­er­satz­los hin­neh­men muss. Vor Ein­füh­rung des § 36a GenTG war umstrit­ten, ob und inwie­weit nach die­ser Maß­ga­be Ein­trä­ge von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men auf benach­bar­te Flä­chen als mög­li­che „ähn­li­che Ein­wir­kung“ im Sinn von § 906 Abs. 1 Satz 1 BGB Abwehr- und Aus­gleichs­an­sprü­che aus­lö­sen kön­nen.

Mit § 36a GenTG ist nun­mehr fest­ge­legt, dass die in den §§ 1004, 906 BGB gere­gel­ten Duldungs‑, Abwehr- und Aus­gleichs­an­sprü­che sowohl für die Über­tra­gung der auf gen­tech­ni­schen Arbei­ten beru­hen­den Eigen­schaf­ten eines Orga­nis­mus wie für sons­ti­ge Ein­trä­ge von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men gel­ten (§ 36a Abs. 1 GenTG).

In § 36a Abs. 1 bis 3 GenTG wird der Anwen­dungs­be­reich von § 906 BGB hin­sicht­lich der dort ver­wen­de­ten unbe­stimm­ten Rechts­be­grif­fe der „wesent­li­chen Beein­träch­ti­gung“ durch die Benut­zung eines ande­ren Grund­stücks (§ 36a Abs. 1 GenTG), der einem Grund­stücks­be­nut­zer „wirt­schaft­lich zumut­ba­ren“ Maß­nah­men zur Ver­hin­de­rung einer Beein­träch­ti­gung (§ 36a Abs. 2 GenTG) und der „orts­üb­li­chen“ Benut­zung eines Grund­stücks (§ 36a Abs. 3 GenTG) kon­kre­ti­siert.

Ein­trä­ge von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men stel­len ins­be­son­de­re dann eine wesent­li­che Beein­träch­ti­gung im Sinn von § 906 BGB dar, wenn die Erzeug­nis­se des betrof­fe­nen Nut­zungs­be­rech­tig­ten des­we­gen nicht mehr in Ver­kehr gebracht wer­den dür­fen (§ 36a Abs. 1 Nr. 1 GenTG) oder ihre beab­sich­tig­te Ver­mark­tung auf­grund der gel­ten­den Vor­schrif­ten über die Kenn­zeich­nung von Pro­duk­ten nur ein­ge­schränkt mög­lich oder aus­ge­schlos­sen ist (§ 36a Abs. 1 Nr. 2 und 3 GenTG). Soweit in den ein­zel­nen Fall­grup­pen Schwel­len­wer­te bestehen, etwa für die Kenn­zeich­nung gen­tech­nisch ver­än­der­ter Lebens­mit­tel, sol­len die­se maß­geb­li­cher Bezugs­punkt für die Fra­ge sein, ob eine Beein­träch­ti­gung wesent­lich ist. Die in § 36a Abs. 1 GenTG auf­ge­zähl­ten Fäl­le sind nicht abschlie­ßend; wer­tungs­mä­ßig ver­gleich­ba­re Fäl­le sol­len ent­spre­chend in die Rege­lung ein­be­zo­gen wer­den (BT-Drs. 15/​3344, S. 41). Wenn kein Fall des § 36a Abs. 1 Nr. 1 bis 3 GenTG und auch kei­ne ver­gleich­ba­re Beein­träch­ti­gung vor­liegt, ist der Ein­trag von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men auf Nach­bar­flä­chen unwe­sent­lich und darf gemäß § 906 Abs. 1 Satz 1 BGB nicht ver­bo­ten wer­den.

§ 36a Abs. 2 GenTG knüpft an § 906 Abs. 2 Satz 1 BGB an, wonach eine wesent­li­che Beein­träch­ti­gung zu dul­den ist, soweit sie durch eine orts­üb­li­che Benut­zung des ande­ren Grund­stücks her­bei­ge­führt wird und nicht durch wirt­schaft­lich zumut­ba­re Maß­nah­men ver­hin­dert wer­den kann. Gemäß § 36a Abs. 2 GenTG gilt die Ein­hal­tung der guten fach­li­chen Pra­xis nach § 16b Abs. 2 und 3 GenTG als wirt­schaft­lich zumut­bar in die­sem Sin­ne.

§ 36a Abs. 3 GenTG modi­fi­ziert das Kri­te­ri­um der Orts­üb­lich­keit im Sinn von § 906 BGB dahin­ge­hend, dass es für die Beur­tei­lung nicht dar­auf ankommt, ob die Gewin­nung von Erzeug­nis­sen mit oder ohne gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men erfolgt.

§ 36a Abs. 4 GenTG ergänzt das pri­va­te Nach­bar­recht um eine Rege­lung zur Über­win­dung von Schwie­rig­kei­ten des Kau­sa­li­täts­be­wei­ses. § 36a Abs. 4 Satz 1 GenTG ent­hält eine Ursa­chen­ver­mu­tung nach dem Vor­bild von § 830 Abs. 1 Satz 2 BGB, die zu einer gesamt­schuld­ne­ri­schen Haf­tung meh­re­rer mög­li­cher Ver­ur­sa­cher nach § 840 Abs. 1 BGB führt. § 36a Abs. 4 Satz 2 GenTG bestimmt den Vor­rang der antei­li­gen Haf­tung, soweit eine jeweils nur antei­li­ge Ver­ur­sa­chung meh­re­rer Nach­barn fest­steht und eine Auf­tei­lung des Aus­gleichs nach § 287 ZPO mög­lich ist.

Das Gen­tech­nik­än­de­rungs­ge­setz 2008 beruht eben­falls auf einer Geset­zes­vor­la­ge der Bun­des­re­gie­rung. Die­se brach­te im Okto­ber 2007 Ent­wür­fe für ein Vier­tes Gesetz zur Ände­rung des Gen­tech­nik­ge­set­zes und für die Ände­rung des EG-Gen­tech­nik-Durch­füh­rungs­ge­set­zes in den Bun­des­tag ein. Nach einer ers­ten Lesung und Über­wei­sung an die Aus­schüs­se wur­de der Gesetz­ent­wurf auf Emp­feh­lung des feder­füh­ren­den Aus­schus­ses für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz als Arti­kel­ge­setz aus­ge­stal­tet. Art. 1 des Geset­zes ent­hielt das zum Teil geän­der­te Vier­te Gesetz zur Ände­rung des Gen­tech­nik­ge­set­zes. Art. 2 füg­te ein wei­te­res Gesetz zur Ände­rung des EG-Gen­tech­nik-Durch­füh­rungs­ge­set­zes an, in wel­chem die Maß­ga­ben für die Pro­dukt­kenn­zeich­nung „Ohne Gen­tech­nik“ gere­gelt wur­den, und Art. 3 hob die ent­spre­chen­de Vor­gän­ger­re­ge­lung in der Neu­ar­ti­ge Lebens­mit­tel- und Lebens­mit­tel­zu­ta­ten­ver­ord­nung auf. In die­ser Text­fas­sung wur­de das Gen­tech­nik­än­de­rungs­ge­setz 2008 vom Bun­des­tag ange­nom­men und pas­sier­te unver­än­dert den Bun­des­rat, der den Ver­mitt­lungs­aus­schuss nicht anrief. Das Gesetz wur­de am 1. April 2008 aus­ge­fer­tigt und im Bun­des­ge­setz­blatt ver­kün­det. Sein Arti­kel 1 ist am 5. April 2008, die Arti­kel 2 und 3 sind am 1. Mai 2008 in Kraft getre­ten.

Ziel die­ser jüngs­ten Novel­lie­rung des Gen­tech­nik­rechts war es, For­schung und Anwen­dung der Gen­tech­nik in Deutsch­land zu för­dern. Dabei soll­ten aber der Schutz von Mensch und Umwelt ent­spre­chend dem Vor­sor­ge­grund­satz obers­tes Ziel des Gen­tech­nik­rechts blei­ben und die Wahl­frei­heit der Land­wir­te und der Ver­brau­cher sowie die Koexis­tenz der unter­schied­li­chen Bewirt­schaf­tungs­for­men wei­ter­hin gewähr­leis­tet wer­den. Vor die­sem Hin­ter­grund wur­den Ver­fah­rens­er­leich­te­run­gen für Arbei­ten in gen­tech­ni­schen Anla­gen vor­ge­nom­men und Aus­nah­me­re­ge­lun­gen für bestimm­te gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men aus­ge­dehnt. Eine Ver­wer­tung von Pro­duk­ten, die Antei­le von nicht zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­se­nen Orga­nis­men auf­wei­sen, wur­de unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen zuge­las­sen.

§ 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG a.F. wur­de ersatz­los gestri­chen und statt­des­sen in § 16b Abs. 1 Satz 2 bis 4 GenTG eine Aus­nah­me von der Vor­sor­ge­pflicht gere­gelt. Die Pflicht zur Vor­sor­ge muss nun­mehr hin­sicht­lich der in § 1 Nr. 2 GenTG genann­ten Belan­ge gegen­über einem ande­ren inso­weit nicht beach­tet wer­den, als die­ser durch schrift­li­che Ver­ein­ba­rung auf sei­nen Schutz ver­zich­tet oder auf Anfra­ge des Vor­sor­ge­pflich­ti­gen die für sei­nen Schutz erfor­der­li­chen Aus­künf­te nicht inner­halb eines Monats erteilt hat und die Pflicht im jewei­li­gen Ein­zel­fall aus­schließ­lich dem Schutz des ande­ren dient (§ 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG n.F.). Eine zuläs­si­ge Abwei­chung von der guten fach­li­chen Pra­xis ist der zustän­di­gen Behör­de gemäß § 16b Abs. 1 Satz 4 GenTG recht­zei­tig vor der Aus­saat oder Pflan­zung anzu­zei­gen und nach Maß­ga­be des neu ein­ge­füg­ten § 16b Abs. 1a GenTG an das Stand­ort­re­gis­ter (§ 16a GenTG) zu mel­den. Inso­weit hat der Bewirt­schaf­ter ergän­zend zu den Anga­ben nach § 16a Abs. 3 Satz 2 GenTG spä­tes­tens einen Monat vor dem Anbau unter Bezeich­nung des betrof­fe­nen Grund­stücks dem Bun­des­amt für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit die Tat­sa­che des Abschlus­ses einer Ver­ein­ba­rung nach § 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG n.F. oder die Tat­sa­che mit­zu­tei­len, vom Nach­barn kei­ne Aus­kunft auf eine Anfra­ge erhal­ten zu haben, soweit er die Absicht hat, von den Vor­ga­ben der guten fach­li­chen Pra­xis auf­grund einer feh­len­den Ertei­lung von Aus­künf­ten abzu­wei­chen (§ 16b Abs. 1a Satz 1 GenTG). Die auf das betrof­fe­ne Grund­stück bezo­ge­ne Anga­be über Abwei­chun­gen von der guten fach­li­chen Pra­xis (§ 16b Abs. 1a Satz 1 und 2 GenTG) wird all­ge­mein zugäng­lich gemacht. Im Übri­gen gilt für die nach § 16b Abs. 1a GenTG erho­be­nen Daten § 16a GenTG ent­spre­chend (§ 16b Abs. 1a Satz 3 GenTG).

Der Nor­men­kon­troll­an­trag aus Sach­sen-Anhalt[↑]

Die Lan­des­re­gie­rung von Sach­sen-Anhalt hielt die­se Rege­lun­gen in ihrem Nor­men­kon­troll­an­trag für mate­ri­ell ver­fas­sungs­wid­rig:

  • Die neu gefass­ten Begriffs­be­stim­mun­gen “gen­tech­nisch ver­än­der­ter Orga­nis­mus” und “Inver­kehr­brin­gen” sei­en mit der Wis­sen­schafts­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG) und der Berufs­frei­heit nicht ver­ein­bar. Nun­mehr stel­le die Abga­be eines Erzeug­nis­ses an Drit­te auch dann ein geneh­mi­gungs­pflich­ti­ges Inver­kehr­brin­gen dar, wenn die­ses zufäl­lig oder tech­nisch nicht ver­meid­bar gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men ent­hal­te, die auf eine bereits geneh­mig­te Frei­set­zung zurück­zu­füh­ren sei­en. Dies füh­re im Zusam­men­wir­ken mit der neu­en Haf­tungs­be­stim­mung in § 36a GenTG dazu, dass jeder Frei­set­zungs­ver­such für die For­schung und die an ihr betei­lig­ten Unter­neh­men zu einem unkal­ku­lier­ba­ren wirt­schaft­li­chen Risi­ko wer­de.
  • Das Stand­ort­re­gis­ter ver­let­ze die Ver­wen­der gen­tech­nisch ver­än­der­ter Orga­nis­men in ihrem Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung (Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG), ihrer Berufs­frei­heit und dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Eigen­tums­schutz. Ins­be­son­de­re begüns­ti­ge die Ver­öf­fent­li­chung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten über Stand­or­te, an denen gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men ange­baut wer­den, poli­tisch moti­vier­te Feld­zer­stö­run­gen.
  • Die Rege­lun­gen über die beim Umgang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men zu beach­ten­de Vor­sor­ge­pflicht und gute fach­li­che Pra­xis sowie die hier­bei an die Eig­nung von Per­son und Aus­stat­tung gestell­ten Anfor­de­run­gen wür­den die Berufs­frei­heit unver­hält­nis­mä­ßig ein­schrän­ken.
  • Die Rege­lung über Ansprü­che bei Nut­zungs­be­ein­träch­ti­gun­gen (§ 36 a GenTG) füh­re im Ergeb­nis zu einer garan­tie­ar­ti­gen Son­der­haf­tung für den land­wirt­schaft­li­chen Ein­satz von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men, mit der das Haf­tungs­ri­si­ko ein­sei­tig auf die Ver­wen­der von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men ver­la­gert wer­de. Die Rege­lung sei mit der Berufs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG), der Eigen­tums­ga­ran­tie (Art. 14 Abs. 1 GG) und dem Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) nicht ver­ein­bar. Sie ver­sto­ße gegen das Rechts­staats­prin­zip und den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit.

Das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hielt die ange­grif­fe­nen Nor­men for­mell und mate­ri­ell für ver­fas­sungs­ge­mäß.

§ 3 Num­mern 3 und 6, § 16a Absät­ze 1 bis 5, § 16b Absät­ze 1 bis 4 und § 36a des Geset­zes zur Rege­lung der Gen­tech­nik in der zuletzt durch Arti­kel 1 des Geset­zes zur Ände­rung des Gen­tech­nik­ge­set­zes, zur Ände­rung des EG-Gen­tech­nik-Durch­füh­rungs­ge­set­zes und zur Ände­rung der Neu­ar­ti­ge Lebens­mit­tel- und Lebens­mit­tel­zu­ta­ten­ver­ord­nung vom 1. April 2008 (Bun­des­ge­setz­blatt I Sei­te 499) geän­der­ten Fas­sung sind mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.

  1. Art. 74 Abs. 1 Nr. 26 2. Alter­na­ti­ve GG begrün­det eine umfas­sen­de Zustän­dig­keit des Bun­des­ge­setz­ge­bers zur Rege­lung des Rechts der Gen­tech­nik, wel­che neben der Human­gen­tech­nik auch die Gen­tech­nik in Bezug auf Tie­re und Pflan­zen umfasst.
  2. Ange­sichts eines noch nicht end­gül­tig geklär­ten Erkennt­nis­stan­des der Wis­sen­schaft bei der Beur­tei­lung der lang­fris­ti­gen Fol­gen eines Ein­sat­zes von Gen­tech­nik trifft den Gesetz­ge­ber eine beson­de­re Sorg­falts­pflicht, bei der er den in Art. 20a GG ent­hal­te­nen Auf­trag zu beach­ten hat, auch in Ver­ant­wor­tung für die künf­ti­gen Genera­tio­nen die natür­li­chen Lebens­grund­la­gen zu schüt­zen.
  3. Die Schaf­fung von Trans­pa­renz im Zusam­men­hang mit dem geziel­ten Aus­brin­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men in die Umwelt (§ 16a GenTG) leis­tet einen Bei­trag zum öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dungs­pro­zess und stellt einen eigen­stän­di­gen legi­ti­men Zweck der Gesetz­ge­bung dar.
  4. Die Ergän­zung und Kon­kre­ti­sie­rung des pri­va­ten Nach­bar­rechts in § 36a GenTG stellt einen ange­mes­se­nen und aus­ge­wo­ge­nen Aus­gleich der wider­strei­ten­den Inter­es­sen dar, indem sie zu einem ver­träg­li­chen Neben­ein­an­der kon­ven­tio­nel­ler, öko­lo­gi­scher und mit dem Ein­satz von Gen­tech­nik arbei­ten­der Pro­duk­ti­ons­me­tho­den bei­trägt.

Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des[↑]

Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des folgt aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 26 2. Alter­na­ti­ve GG, der eine umfas­sen­de Zustän­dig­keit des Bun­des­ge­setz­ge­bers zur Rege­lung des Rechts der Gen­tech­nik begrün­det, wel­che neben der Human­gen­tech­nik auch die Gen­tech­nik in Bezug auf Tie­re und Pflan­zen umfasst, in Ver­bin­dung mit Art. 72 Abs. 2 GG

Art. 74 Abs. 1 Nr. 26 2. Alter­na­ti­ve GG wur­de mit dem Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes vom 27. Okto­ber 1994 in das Grund­ge­setz ein­ge­fügt, um den Bund mit einer kla­ren Zustän­dig­keits­grund­la­ge für den Bereich der Gen­tech­no­lo­gie bezo­gen auf Men­schen, Tie­re und Pflan­zen mit Aus­nah­me der künst­li­chen Befruch­tung aus­zu­stat­ten.

Der Kom­pe­tenz­ti­tel ist weit zu ver­ste­hen. Er deckt neben der Human­gen­tech­nik auch die Gen­tech­nik in Bezug auf Tie­re und Pflan­zen und begrün­det eine umfas­sen­de Zustän­dig­keit des Bun­des­ge­setz­ge­bers zur Rege­lung des Rechts der Gen­tech­nik. Art. 74 Abs. 1 Nr. 26 2. Alter­na­ti­ve GG umfasst daher nicht nur Vor­schrif­ten, die For­schung und Ent­wick­lung unter Ein­satz gen­tech­ni­scher Ver­fah­ren betref­fen, son­dern auch sons­ti­ge die Ver­wen­dung von und den Umgang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men regeln­de Nor­men. Danach bewe­gen sich nicht nur die ange­grif­fe­nen Begriffs­be­stim­mun­gen „gen­tech­nisch ver­än­der­ter Orga­nis­mus“ und „Inver­kehr­brin­gen“ (§ 3 Nr. 3 und 6 GenTG), son­dern auch die recht­lich und funk­tio­nal in das Gen­tech­nik­recht ein­ge­bet­te­ten Bestim­mun­gen über den Umgang mit in Ver­kehr gebrach­ten Pro­duk­ten (§ 16b GenTG) und über das Stand­ort­re­gis­ter (§ 16a GenTG) sowie die Ergän­zung und Kon­kre­ti­sie­rung der zivil­recht­li­chen Ansprü­che bei Nut­zungs­be­ein­träch­ti­gun­gen (§ 36a GenTG) in den Gren­zen der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 26 2. Alter­na­ti­ve GG.

Ein ande­res Ver­ständ­nis wür­de zu einer Zer­split­te­rung des Gen­tech­nik­rechts in Kern­kom­pe­ten­zen des Bun­des nach Art. 72 Abs. 1 GG sowie Erfor­der­lich­keits­kom­pe­ten­zen und Abwei­chungs­kom­pe­ten­zen nach Art. 72 Abs. 2 und Abs. 3 GG in ihrer seit dem 1. Sep­tem­ber 2006 gel­ten­den Fas­sung füh­ren. Eine sol­che Dif­fe­ren­zie­rung lie­fe dem Anlie­gen des ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­bers zuwi­der, den Bund durch die Ein­füh­rung von Art. 74 Abs. 1 Nr. 26 GG mit einer hin­rei­chend kla­ren Zustän­dig­keit für das Gebiet der Gen­tech­nik aus­zu­stat­ten.

Die Vor­aus­set­zun­gen des Art. 72 Abs. 2 GG a.F. und des Art. 72 Abs. 2 GG n.F. lie­gen vor. Unter Beach­tung der dem Gesetz­ge­ber zukom­men­den Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve ist eine bun­des­ein­heit­li­che Rege­lung vor­lie­gend im gesamt­staat­li­chen Inter­es­se jeden­falls zur Wah­rung der Rechts­ein­heit erfor­der­lich.

Ord­nungs­ge­mä­ßes Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren[↑]

Das Gen­tech­nik­neu­ord­nungs­ge­setz 2004 und das Gen­tech­nik­än­de­rungs­ge­setz 2008 sind nach dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auch ord­nungs­ge­mäß zustan­de gekom­men. Die Zustim­mung des Bun­des­ra­tes zu die­sen Geset­zen war nicht not­wen­dig.

Das Gen­tech­nik­neu­ord­nungs­ge­setz 2004 bedurf­te ins­be­son­de­re nicht des­halb der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes, weil der in den Bun­des­tag ursprüng­lich ein­ge­brach­te Regie­rungs­ent­wurf im Lau­fe des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens in das hier zu prü­fen­de, nicht zustim­mungs­be­dürf­ti­ge Gesetz und in Bestim­mun­gen über das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren der Län­der auf­ge­teilt wur­de (vgl. Art. 84 Abs. 1 2. Halb­satz GG in der bis zum 31. August 2006 gel­ten­den Fas­sung), wel­che nach­träg­lich in einem zustim­mungs­be­dürf­ti­gen Gesetz ver­an­kert wer­den soll­ten.

Mit dem Gen­tech­nik­än­de­rungs­ge­setz 2008 wur­den zwar auch von den Lan­des­be­hör­den zu beach­ten­de Ver­fah­rens­vor­schrif­ten novel­liert. Gemäß Art. 84 Abs. 1 GG n.F. wird den Belan­gen der Län­der nun­mehr jedoch durch die Mög­lich­keit zur abwei­chen­den Gesetz­ge­bung nach Art. 84 Abs. 1 Satz 2 GG n.F. Rech­nung getra­gen. Weil der Bund vor­lie­gend das Recht zur Abwei­chungs­ge­setz­ge­bung für das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren nicht nach Maß­ga­be von Art. 84 Abs. 1 Satz 5 GG n.F. durch eine aus­drück­li­che Rege­lung aus­ge­schlos­sen hat, bedurf­te es auch kei­ner Zustim­mung des Bun­des­ra­tes gemäß Art. 84 Abs. 1 Satz 6 GG n.F. Etwas ande­res ergibt sich auch nicht, soweit mit dem Gen­tech­nik­än­de­rungs­ge­setz 2008 ursprüng­lich zustim­mungs­pflich­ti­ge Ver­fah­rens­vor­schrif­ten geän­dert wur­den. Eine Zustim­mungs­pflicht wur­de hier­durch nicht aus­ge­löst, weil die Ände­run­gen ihrer­seits kei­nen Abwei­chungs­aus­schluss nach Art. 84 Abs. 1 Satz 5 GG n.F. ent­hal­ten.

Grund­rechts­ein­grif­fe durch die gesetz­li­chen Begriffs­be­stim­mun­gen, § 3 Nr. 3 und 6 GenTG[↑]

Soweit die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten in das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung (Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG), die Wis­sen­schafts­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG), die Berufs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG) und das Eigen­tum (Art. 14 Abs. 1 GG) ein­grei­fen, ist dies nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gerecht­fer­tigt:

§ 3 Nr. 3 und 6 GenTG sind mit Art. 12 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1 und mit der von Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG gewähr­leis­te­ten Wis­sen­schafts­frei­heit ver­ein­bar.

Mit der Mög­lich­keit, gezielt Ver­än­de­run­gen des Erb­gu­tes vor­zu­neh­men, um erwünsch­te Eigen­schaf­ten von Orga­nis­men zu erzeu­gen, wie es mit Metho­den der her­kömm­li­chen Züch­tung nicht mög­lich wäre, greift die Gen­tech­nik in die ele­men­ta­ren Struk­tu­ren des Lebens ein. Die Fol­gen sol­cher Ein­grif­fe las­sen sich, wenn über­haupt, nur schwer wie­der rück­gän­gig machen. Die Aus­brei­tung ein­mal in die Umwelt aus­ge­brach­ten gen­tech­nisch ver­än­der­ten Mate­ri­als ist in Abhän­gig­keit von zahl­rei­chen Fak­to­ren nur schwer oder auch gar nicht begrenz­bar. Auf der ande­ren Sei­te birgt die For­schung und Pro­duk­ti­on von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men auch erheb­li­che Chan­cen. Vor allem kön­nen mit Hil­fe sol­cher Orga­nis­men grö­ße­re Ern­te­er­trä­ge erzielt und die Resis­tenz von Pflan­zen gegen Schäd­lin­ge oder Krank­hei­ten erhöht wer­den.

Neben den Chan­cen der Gen­tech­nik sind die gesund­heit­li­chen und öko­lo­gi­schen Risi­ken und ins­be­son­de­re auch Nach­tei­le für die gen­tech­nik­freie Land­wirt­schaft zu beden­ken. Eine gen­tech­ni­sche Modi­fi­ka­ti­on kann zu ver­schie­de­nen nicht beab­sich­tig­ten Effek­ten füh­ren, die sich nicht nur auf die Umwelt, son­dern auch auf die land­wirt­schaft­li­che Anbau­pra­xis aus­wir­ken kön­nen. So sind gege­be­nen­falls auch kon­ven­tio­nell oder öko­lo­gisch ange­bau­te Kul­tu­ren – bei zufäl­li­gem oder tech­nisch nicht zu ver­mei­den­dem Vor­kom­men von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men ober­halb der im euro­päi­schen Recht fest­ge­setz­ten Tole­ranz­schwel­le – ent­spre­chend zu kenn­zeich­nen. Auch kann eine Kenn­zeich­nung mit Bezug auf eine öko­lo­gi­sche bezie­hungs­wei­se bio­lo­gi­sche Pro­duk­ti­on oder mit dem noch stren­ge­ren Vor­ga­ben unter­lie­gen­den Hin­weis „Ohne Gen­tech­nik“ unzu­läs­sig wer­den. Dadurch bedingt kann der Markt­preis von Erzeug­nis­sen gemin­dert oder der Absatz erschwert wer­den. Außer­dem kön­nen Pro­du­zen­ten zusätz­li­che Kos­ten ent­ste­hen, weil sie Über­wa­chungs­sys­te­me und Maß­nah­men zur Mini­mie­rung der Ver­mi­schung von gene­tisch ver­än­der­ten und nicht ver­än­der­ten Kul­tu­ren ein­füh­ren müs­sen.

Ange­sichts einer hoch­kon­tro­ver­sen gesell­schaft­li­chen Dis­kus­si­on zwi­schen Befür­wor­tern und Geg­nern der Anwen­dung von Gen­tech­nik bei Kul­tur­pflan­zen und eines noch nicht end­gül­tig geklär­ten Erkennt­nis­stan­des der Wis­sen­schaft ins­be­son­de­re bei der Beur­tei­lung von Ursa­chen­zu­sam­men­hän­gen und lang­fris­ti­gen Fol­gen eines sol­chen Ein­sat­zes von Gen­tech­nik trifft den Gesetz­ge­ber auf die­sem Gebiet eine beson­de­re Sorg­falts­pflicht. Der Gesetz­ge­ber muss bei der Recht­set­zung nicht nur die von der Nut­zung der Gen­tech­nik einer­seits und deren Regu­lie­rung ande­rer­seits betrof­fe­nen Inter­es­sen, wel­che ins­be­son­de­re durch das Recht auf Leben und kör­per­li­che Unver­sehrt­heit (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG), die Frei­heit der Wis­sen­schaft (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG), die Berufs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG) und die Eigen­tums­ga­ran­tie (Art. 14 Abs. 1 GG) geschützt wer­den, in Aus­gleich brin­gen. Son­dern er hat glei­cher­ma­ßen den in Art. 20a GG ent­hal­te­nen Auf­trag zu beach­ten, auch in Ver­ant­wor­tung für die künf­ti­gen Genera­tio­nen die natür­li­chen Lebens­grund­la­gen zu schüt­zen. Die­ser Auf­trag kann sowohl die Gefah­ren­ab­wehr als auch die Risi­ko­vor­sor­ge gebie­ten. Zu den nach die­ser Maß­ga­be von Art. 20a GG geschütz­ten Umwelt­gü­tern gehö­ren auch die Erhal­tung der bio­lo­gi­schen Viel­falt und die Siche­rung eines art­ge­rech­ten Lebens bedroh­ter Tier- und Pflan­zen­ar­ten.

Berufs­aus­übungs­frei­heit, Art. 12 I GG[↑]

§ 3 Nr. 3 und 6 GenTG ver­let­zen nicht Art. 12 Abs. 1 GG.

Bei den ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten han­delt es sich um Defi­ni­tio­nen, die im Zusam­men­wir­ken mit wei­te­ren Nor­men zu Grund­rechts­ein­grif­fen füh­ren kön­nen. Die Frei­heit der Berufs­aus­übung ist mit­tel­bar berührt. In der Klar­stel­lung, dass ins­be­son­de­re die Pro­duk­te von Aus­kreu­zun­gen gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men dar­stel­len und die aus einer Frei­set­zung stam­men­den gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men wie zum Bei­spiel aus­ge­kreuz­te Pflan­zen nicht vom „Inver­kehr­brin­gen“ im Sinn von § 3 Nr. 6 GenTG aus­ge­nom­men sind, hat der Gesetz­ge­ber sicher­ge­stellt, dass das Gen­tech­nik­ge­setz auch in die­sen Fäl­len als recht­li­cher Rah­men für die Berufs­aus­übung unter Ein­satz von Gen­tech­nik dient und sich damit auf das Gen­tech­nik­ge­setz gestütz­te Ein­grif­fe in Art. 12 Abs. 1 GG auch auf die­se erstre­cken.

Soweit in die Frei­heit der Berufs­aus­übung mit­tel­bar ein­ge­grif­fen wird, ist dies jedoch gerecht­fer­tigt.

Die ange­grif­fe­nen Ände­run­gen von § 3 Nr. 3 und 6 GenTG die­nen legi­ti­men Zie­len des Gemein­wohls. Sie bezwe­cken nicht nur eine begriff­li­che Klar­stel­lung vor dem Hin­ter­grund einer zuvor umstrit­te­nen Rechts­la­ge und die­nen damit der Rechts­si­cher­heit, son­dern sie stel­len auch sicher, dass das Gen­tech­nik­ge­setz (§ 3 Nr. 3 GenTG) und die beson­de­ren Bestim­mun­gen über das Inver­kehr­brin­gen von Pro­duk­ten (§ 3 Nr. 6 GenTG) mög­lichst umfas­send und ins­be­son­de­re auch auf die Zufalls­nach­kom­men von legal frei­ge­setz­ten gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men Anwen­dung fin­den. Damit die­nen die Ände­run­gen den legi­ti­men Zwe­cken des Gen­tech­nik­ge­set­zes aus § 1 Nr. 1 bis 3 GenTG und dem Schutz wich­ti­ger Wer­te von Ver­fas­sungs­rang wie des Lebens und der Gesund­heit von Men­schen, der Umwelt, aber auch der Berufs- und Eigen­tums­frei­heit mög­li­cher Betrof­fe­ner (Art. 2 Abs. 2 Satz 1, Art. 12 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1 und Art. 20a GG).

Bei einer Beschrän­kung der Defi­ni­ti­on des gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­mus in § 3 Nr. 3 GenTG und damit des Anwen­dungs­be­reichs des Gen­tech­nik­ge­set­zes auf gezielt und unmit­tel­bar her­bei­ge­führ­te gen­tech­ni­sche Ver­än­de­run­gen wären die durch zufäl­li­ge Vor­gän­ge ent­stan­de­nen Nach­kom­men von vorn­her­ein von jeder gen­tech­nik­recht­li­chen Kon­trol­le frei­ge­stellt. Dies betrifft nicht nur das Inver­kehr­brin­gen (§§ 14 ff., § 16d GenTG), son­dern auch den Umgang mit in Ver­kehr gebrach­ten Pro­duk­ten (§ 16b GenTG), ihre Beob­ach­tung (§ 16c GenTG), ihre Kenn­zeich­nung (§ 17b GenTG), die Mit­tei­lungs­pflich­ten der Betrei­ber und sons­ti­ger Betei­lig­ter (§ 21 GenTG) und die behörd­li­chen Befug­nis­se (§§ 20, 25, 26, 28 ff. GenTG). Der bezweck­te Schutz der in § 1 Nr. 1 und 2 GenTG genann­ten Rechts­gü­ter und Belan­ge wäre jedoch durch das all­ge­mei­ne, nicht auf Risi­ko­vor­sor­ge, son­dern auf Gefah­ren­ab­wehr aus­ge­rich­te­te Poli­zei- und Ord­nungs­recht nicht mehr in vol­lem Umfang gewähr­leis­tet. Der Gesetz­ge­ber durf­te auch die Nach­kom­men von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men im All­ge­mei­nen und die durch zufäl­li­ge Aus­kreu­zung ent­stan­de­nen gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men im Beson­de­ren als mit einem all­ge­mei­nen Risi­ko behaf­tet anse­hen und sie mit der Neu­fas­sung von § 3 Nr. 3 GenTG den gen­tech­nik­recht­li­chen Vor­schrif­ten unter­stel­len. Die Annah­me eines sol­chen „Basis­ri­si­kos“ liegt im Bereich der Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve des Gesetz­ge­bers und setzt kei­nen wis­sen­schaft­lich-empi­ri­schen Nach­weis des rea­len Gefähr­dungs­po­ten­ti­als der gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men und ihrer Nach­kom­men vor­aus. Denn in einer wis­sen­schaft­lich unge­klär­ten Situa­ti­on wie der vor­lie­gen­den ist der Gesetz­ge­ber befugt, die Gefah­ren­la­gen und Risi­ken zu bewer­ten, zumal die geschütz­ten Rechts­gü­ter ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­kert sind und ein hohes Gewicht haben. Ins­be­son­de­re ver­min­dert der Umstand, dass es sich in den Anwen­dungs­fäl­len von § 3 Nr. 3 und 6 GenTG um nicht beab­sich­tig­te oder tech­nisch nicht zu ver­mei­den­de Vor­gän­ge han­deln kann, nicht das mit dem Aus­brin­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men in die Umwelt und der Ver­mark­tung gen­tech­nisch ver­än­der­ter Pro­duk­te bestehen­de Risi­ko uner­wünsch­ter oder schäd­li­cher, gege­be­nen­falls unum­kehr­ba­rer Aus­wir­kun­gen, das im Sinn einer größt­mög­li­chen Vor­sor­ge beherrscht wer­den soll. Der Gesetz­ge­ber lie­fe zudem Gefahr, sei­ner Ver­ant­wor­tung zum Schutz der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen (Art. 20a GG) nicht gerecht zu wer­den, wenn er die durch zufäl­li­ge Vor­gän­ge ent­stan­de­nen Nach­kom­men von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men kei­ner Kon­trol­le unter­stel­len wür­de.

Eigen­tums­ga­ran­tie, Art. 14 I GG[↑]

Eine Ver­let­zung der Eigen­tums­frei­heit betrof­fe­ner Land­wir­te (Art. 14 Abs. 1 GG) auf­grund der Geneh­mi­gungs­pflicht für das Inver­kehr­brin­gen von zufäl­lig oder tech­nisch nicht ver­meid­bar mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men ver­un­rei­nig­ten Pro­duk­ten durch § 3 Nr. 3 und 6 GenTG kommt aus die­sen Grün­den eben­falls nicht in Betracht.

Wis­sen­schafts­frei­heit, Art. 5 III GG[↑]

§ 3 Nr. 3 und 6 GenTG ver­let­zen auch nicht Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG.

Die Wis­sen­schafts­frei­heit ist aller­dings im Zusam­men­wir­ken mit ande­ren Ein­griffs­nor­men des Gen­tech­nik­ge­set­zes berührt. Das von Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG gewähr­leis­te­te Grund­recht der Wis­sen­schafts­frei­heit regelt als wert­ent­schei­den­de Grund­satz­norm das Ver­hält­nis der Wis­sen­schaft zum Staat und schützt als Abwehr­recht die freie wis­sen­schaft­li­che Betä­ti­gung gegen staat­li­che Ein­grif­fe. In die­sen Frei­raum des Wis­sen­schaft­lers fal­len vor allem die auf wis­sen­schaft­li­cher Eigen­ge­setz­lich­keit beru­hen­den Pro­zes­se, Ver­hal­tens­wei­sen und Ent­schei­dun­gen beim Auf­fin­den von Erkennt­nis­sen, ihrer Deu­tung und Wei­ter­ga­be.

Danach ist die Erfor­schung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men vom Schutz­be­reich erfasst, auch soweit leben­de Orga­nis­men zu expe­ri­men­tel­len Zwe­cken in die Umwelt – sei es im Rah­men von Frei­set­zungs­ver­su­chen oder im Rah­men wis­sen­schaft­lich beglei­te­ten Erpro­bungs­an­baus ver­kehrs­zu­ge­las­se­ner gen­tech­nisch ver­än­der­ter Orga­nis­men – ein­ge­bracht wer­den und sich in die­ser fort­pflan­zen und aus­brei­ten kön­nen. Art. 5 Abs. 3 GG ist also auch betrof­fen, wenn die For­schung außer­halb des geschlos­se­nen Sys­tems statt­fin­det und die Umwelt ein­schließ­lich der Rechts­gü­ter Drit­ter in das kon­trol­lier­te Expe­ri­ment ein­be­zieht. Dies gilt jeden­falls für die expe­ri­men­tel­le For­schung an Uni­ver­si­tä­ten.

Mit der Neu­fas­sung von § 3 Nr. 3 und 6 GenTG woll­te der Gesetz­ge­ber klar­stel­len, dass ins­be­son­de­re die Pro­duk­te von Aus­kreu­zun­gen gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men dar­stel­len und die aus einer Frei­set­zung stam­men­den gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men wie zum Bei­spiel aus­ge­kreuz­te Pflan­zen im Gegen­satz zu den für eine Frei­set­zung bestimm­ten Orga­nis­men nicht vom „Inver­kehr­brin­gen“ im Sinn von § 3 Nr. 6 GenTG aus­ge­nom­men sind. Hier­mit hat der Gesetz­ge­ber sicher­ge­stellt, dass wis­sen­schaft­li­che Frei­land­ver­su­che und ihre unbe­ab­sich­tig­ten Fol­gen den Kon­troll- und Ein­griffs­be­fug­nis­sen des Staa­tes und der Fol­gen­ver­ant­wor­tung der For­schung nach Maß­ga­be des Gen­tech­nik­ge­set­zes unter­fal­len. Er hat die Rah­men­be­din­gun­gen der For­schung abge­steckt und auf die prak­ti­sche Durch­füh­rung, Fra­ge­stel­lung und Metho­dik von For­schungs­pro­jek­ten Ein­fluss genom­men. Selbst wenn man in der Neu­fas­sung von § 3 Nr. 3 und 6 GenTG nur eine Klar­stel­lung des­sen sehen woll­te, was den Nor­men zuvor durch Aus­le­gung zu ent­neh­men war, hät­te der Gesetz­ge­ber zumin­dest eine umstrit­te­ne Rechts­la­ge im Sin­ne die­ser Aus­le­gung geklärt und einer ande­ren Inter­pre­ta­ti­on durch die Gerich­te ent­zo­gen.

Soweit in die Wis­sen­schafts­frei­heit mit­tel­bar ein­ge­grif­fen wird, ist dies jedoch gerecht­fer­tigt.

Die Wis­sen­schafts­frei­heit kann, wie ande­re vor­be­halt­los gewähr­leis­te­te Grund­rech­te, auf­grund von kol­li­die­ren­dem Ver­fas­sungs­recht beschränkt wer­den, wobei es grund­sätz­lich hier­zu einer gesetz­li­chen Grund­la­ge bedarf. Ein Kon­flikt zwi­schen ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Grund­rech­ten ist unter Rück­griff auf wei­te­re ein­schlä­gi­ge ver­fas­sungs­recht­li­che Bestim­mun­gen und Prin­zi­pi­en sowie auf den Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz durch Ver­fas­sungs­aus­le­gung zu lösen.

Der Schutz des Lebens und der Gesund­heit von Men­schen, der Berufs- und Eigen­tums­frei­heit mög­li­cher Betrof­fe­ner und der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen sind wich­ti­ge Wer­te von Ver­fas­sungs­rang, die nicht nur eine Beschrän­kung der Berufs­frei­heit und des Eigen­tums, son­dern auch der Wis­sen­schafts­frei­heit recht­fer­ti­gen.

Stand­ort­re­gis­ter, § 16a GenTG[↑]

Die Bestim­mun­gen über das Stand­ort­re­gis­ter in § 16a Abs. 1, 3, 4 und 5 und § 16b Abs. 1a GenTG sind, soweit sie an den Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men anknüp­fen, mit dem Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) sowie mit der Berufs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG), der Eigen­tums­ga­ran­tie (Art. 14 Abs. 1 GG) und der Wis­sen­schafts­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG) ver­ein­bar. Nichts ande­res gilt, soweit § 16a Abs. 1, 4 und 5 GenTG Anga­ben über Frei­set­zun­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men betref­fen, die nach dem eben­falls nicht zu bean­stan­den­den § 16a Abs. 2 GenTG mit­zu­tei­len sind.

Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung, Art. 2 I, 1 I GG[↑]

Das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) wird durch die an den Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men anknüp­fen­den Vor­schrif­ten über das Stand­ort­re­gis­ter nicht ver­letzt.

Das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung gewähr­leis­tet die Befug­nis des Ein­zel­nen, grund­sätz­lich selbst zu ent­schei­den, wann und inner­halb wel­cher Gren­zen per­sön­li­che Lebens­sach­ver­hal­te offen­bart wer­den. Das Recht gewährt sei­nen Trä­gern ins­be­son­de­re Schutz gegen unbe­grenz­te Erhe­bung, Spei­che­rung, Ver­wen­dung oder Wei­ter­ga­be der auf sie bezo­ge­nen, indi­vi­dua­li­sier­ten oder indi­vi­dua­li­sier­ba­ren Daten.

Bezugs­per­so­nen der im Stand­ort­re­gis­ter gemäß § 16a Abs. 1 und 3, § 16b Abs. 1a Satz 1 GenTG erfass­ten und nach Maß­ga­be von § 16a Abs. 4 und 5 sowie § 16b Abs. 1a GenTG zugäng­li­chen Infor­ma­tio­nen über den Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men sind die Bewirt­schaf­ter der Anbau­flä­chen und ihre in § 16b Abs. 1a GenTG bezeich­ne­ten „Nach­barn“. Die Pflicht zur Mit­tei­lung der erfor­der­li­chen Anga­ben an die regis­ter­füh­ren­de Stel­le trifft gemäß § 16a Abs. 3 Satz 1, § 16b Abs. 1a Satz 1 GenTG die Bewirt­schaf­ter der Anbau­flä­chen.

Bewirt­schaf­ter ist gemäß § 3 Nr. 13a GenTG „eine juris­ti­sche oder natür­li­che Per­son oder nicht­rechts­fä­hi­ge Per­so­nen­ver­ei­ni­gung, die die Ver­fü­gungs­ge­walt und tat­säch­li­che Sach­herr­schaft über eine Flä­che zum Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men besitzt“. Nach­bar ist, wer nach § 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG n.F. durch schrift­li­che Ver­ein­ba­rung auf sei­nen Schutz ver­zich­tet oder die zu sei­nem Schutz erfor­der­li­chen Aus­künf­te nicht erteilt hat.

Han­delt es sich bei den Betrof­fe­nen um natür­li­che Per­so­nen, sind die­se Trä­ger des Grund­rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG. Juris­ti­sche Per­so­nen des pri­va­ten Rechts sind als Trä­ger des Grund­rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aner­kannt, soweit die­ses Grund­recht auf Art. 2 Abs. 1 GG gestützt ist. Auf die­se Unter­schie­de in der Reich­wei­te des Schut­zes zwi­schen natür­li­chen und juris­ti­schen Per­so­nen kommt es im vor­lie­gen­den Fall einer abs­trak­ten Nor­men­kon­trol­le jedoch nicht an, da in jedem Fall auch natür­li­che Per­so­nen betrof­fen sind und der Schutz juris­ti­scher Per­so­nen nicht wei­ter reicht.

Gemäß § 16a Abs. 1 und 3, § 16b Abs. 1a Satz 1 GenTG wer­den im Stand­ort­re­gis­ter per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten erfasst.

Vom Schutz­be­reich des Grund­rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung sind nur per­sön­li­che oder per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten umfasst. Unter per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten sind Ein­zel­an­ga­ben über per­sön­li­che oder sach­li­che Ver­hält­nis­se einer bestimm­ten oder bestimm­ba­ren Per­son zu ver­ste­hen.

Das trifft zunächst auf die nach § 16a Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 GenTG mit­zu­tei­len­den Anga­ben über Namen und Anschrift des­je­ni­gen zu, der die Anbau­flä­che bewirt­schaf­tet und auf ent­spre­chen­de Infor­ma­tio­nen zum Nach­barn gemäß § 16b Abs. 1a Satz 1 GenTG. Aus­kunft über sach­li­che Ver­hält­nis­se bestimm­ter oder bestimm­ba­rer Per­so­nen ertei­len die Anga­ben über die Bezeich­nung und den spe­zi­fi­schen Erken­nungs­mar­ker des gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­mus, sei­ne gen­tech­nisch ver­än­der­ten Eigen­schaf­ten sowie das Grund­stück des Anbaus und die Grö­ße der Anbau­flä­che (§ 16a Abs. 3 Satz 2 Nr. 1, 2 und 4 GenTG) sowie die grund­stücks­be­zo­ge­nen Infor­ma­tio­nen über eine Ein­schrän­kung von Schutz­maß­nah­men im Ver­hält­nis zu einem Drit­ten (§ 16b Abs. 1a GenTG). Die Bezugs­per­son geht für die regis­ter­füh­ren­de Stel­le jeweils aus der Mit­tei­lung, wel­che die Anga­ben über die per­sön­li­chen und sach­li­chen Ver­hält­nis­se der Betrof­fe­nen mit­ein­an­der ver­bin­det, und der gemein­sa­men Spei­che­rung der Daten ein­deu­tig her­vor.

Auf den Wert oder die Sen­si­bi­li­tät eines Datums kommt es dabei nicht an. Zwar beschrän­ken sich Name und Anschrift einer Per­son auf ele­men­ta­re Infor­ma­tio­nen, die zur Iden­ti­fi­zie­rung benö­tigt wer­den. Auch sind die im all­ge­mein zugäng­li­chen Teil des Stand­ort­re­gis­ters erfass­ten Anga­ben über die Bezeich­nung, den spe­zi­fi­schen Erken­nungs­mar­ker und die gen­tech­nisch ver­än­der­ten Eigen­schaf­ten des gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­mus (§ 16a Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 und 2, § 16a Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 und 2 GenTG) bereits nach inter­na­tio­na­lem und euro­päi­schem Recht zur Bekannt­ga­be an die Öffent­lich­keit vor­ge­se­hen und kön­nen im Inter­net ins­be­son­de­re über das Regis­ter für ver­än­der­te Orga­nis­men der Infor­ma­ti­ons­stel­le für bio­lo­gi­sche Sicher­heit und über das Gemein­schafts­re­gis­ter für gene­tisch ver­än­der­te Lebens- und Fut­ter­mit­tel (Art. 28 der Verordnung(EG) Nr. 1829/​2003) abge­ru­fen wer­den. Schließ­lich sind Lage und Grö­ße einer Anbau­flä­che regel­mä­ßig öffent­lich wahr­nehm­bar, denn Land­wirt­schaft wird nicht im pri­va­ten, son­dern im sozia­len Raum betrie­ben. Die Anbau­flä­che ist in der Natur aller­dings im All­ge­mei­nen weder im Hin­blick auf den Bewirt­schaf­ter noch in Bezug auf den Anbau eines bestimm­ten Orga­nis­mus ohne wei­te­res bestimm­bar. Der Schutz des Rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung umfasst jedoch alle Infor­ma­tio­nen, die über die Bezugs­per­son etwas aus­sa­gen kön­nen. Er erstreckt sich auch auf Basis­da­ten wie Name und Anschrift sowie auf offen­kun­di­ge oder all­ge­mein zugäng­li­che Infor­ma­tio­nen. Unter den Bedin­gun­gen der auto­ma­ti­sier­ten Daten­ver­ar­bei­tung gibt es grund­sätz­lich kein „belang­lo­ses“ Datum mehr. Durch ihre Ver­knüp­fung erlan­gen die im Stand­ort­re­gis­ter erfass­ten Anga­ben über per­sön­li­che und sach­li­che Ver­hält­nis­se einen neu­en Stel­len­wert. Zusam­men­ge­führt infor­mie­ren sie ins­be­son­de­re dar­über, dass ein bestimm­ter gen­tech­nisch ver­än­der­ter Orga­nis­mus auf einer bestimm­ten Flä­che von einer bestimm­ten Per­son ange­baut wird.

Die hier zu prü­fen­den Bestim­mun­gen über das Stand­ort­re­gis­ter ermäch­ti­gen die regis­ter­füh­ren­de Stel­le zur Erhe­bung und Ver­ar­bei­tung die­ser per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten über den Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men und grei­fen damit in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ein.

Beein­träch­ti­gun­gen des Rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung kön­nen ins­be­son­de­re in der Beschaf­fung, Spei­che­rung, Ver­wen­dung und Wei­ter­ga­be per­so­nen­be­zo­ge­ner Infor­ma­tio­nen lie­gen.

Die Bestim­mun­gen über das Mit­tei­len und Erfas­sen der per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten über den Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men in § 16a Abs. 1 und 3, § 16b Abs. 1a GenTG und über die Ertei­lung von Aus­künf­ten aus dem nicht all­ge­mein zugäng­li­chen Teil des Regis­ters in § 16a Abs. 5 GenTG stel­len dem­ge­mäß einen Grund­rechts­ein­griff dar.

Die Ertei­lung von Aus­künf­ten aus dem all­ge­mein zugäng­li­chen Teil des Regis­ters gemäß § 16a Abs. 4 und § 16b Abs. 1a Satz 1 und 2 GenTG über per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten durch den auto­ma­ti­sier­ten Abruf über das Inter­net stellt eine Son­der­form der staat­li­chen Daten­über­mitt­lung und damit eine Form der Daten­ver­ar­bei­tung dar. Ist auf die­sem Weg die Wei­ter­ga­be per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten vor­ge­se­hen, so liegt dar­in ein Ein­griff in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung.

Der Gesetz­ge­ber hat aller­dings für den all­ge­mein zugäng­li­chen Teil des Stand­ort­re­gis­ters nur Anga­ben vor­ge­se­hen, die sach­li­che Ver­hält­nis­se beschrei­ben (§ 16a Abs. 4, § 16b Abs. 1a Satz 2 GenTG). Infor­ma­tio­nen über per­sön­li­che Ver­hält­nis­se wie Name und Anschrift einer Per­son sind hin­ge­gen im nicht all­ge­mein zugäng­li­chen Teil des Regis­ters erfasst und wer­den vom Gesetz­ge­ber als „per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten“ bezeich­net (§ 16a Abs. 5 GenTG). Durch die­se Auf­tei­lung ver­lie­ren die in das Inter­net ein­ge­stell­ten Daten jedoch nicht ihren Per­so­nen­be­zug. Die­ser besteht fort, solan­ge die Bezugs­per­son „bestimm­bar“ oder „indi­vi­dua­li­sier­bar“ bleibt. Daher ist – unbe­scha­det der vom Gesetz­ge­ber gewähl­ten Unter­schei­dung zwi­schen per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten in § 16a Abs. 5 GenTG und ande­ren Daten in § 16a Abs. 4, § 16b Abs. 1a Satz 2 GenTG – für die Fra­ge des Grund­rechts­ein­griffs allein die Gren­ze zwi­schen Bestimm­bar­keit und Nicht­be­stimm­bar­keit der Bezugs­per­son ent­schei­dend. Danach kön­nen vor­lie­gend per­so­nen­be­zo­ge­ne Infor­ma­tio­nen über das Inter­net abge­ru­fen wer­den. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass eine unbe­stimm­te Zahl von Emp­fän­gern über Zusatz­wis­sen ver­fügt, das es ihnen ohne gro­ßen zeit­li­chen oder finan­zi­el­len Auf­wand ermög­licht, die Bezugs­per­son zu iden­ti­fi­zie­ren. Ins­be­son­de­re Orts­an­säs­si­gen kann ohne wei­te­res bekannt sein, wer wel­che land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flur­stü­cke in einer Gemar­kung bewirt­schaf­tet. Jeden­falls für die­se Über­mitt­lungs­vor­gän­ge wird die regis­ter­füh­ren­de Stel­le durch § 16a Abs. 4, § 16b Abs. 1a Satz 2 GenTG zur Wei­ter­ga­be per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten ermäch­tigt.

Der Ein­griff ist ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt.

Das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ist nicht schran­ken­los gewähr­leis­tet. Der Ein­zel­ne muss Ein­schrän­kun­gen die­ses Rechts hin­neh­men, die im über­wie­gen­den Inter­es­se ande­rer oder der All­ge­mein­heit lie­gen. Sol­che Beschrän­kun­gen bedür­fen einer gesetz­li­chen Grund­la­ge, aus der sich die Vor­aus­set­zun­gen und der Umfang der Beschrän­kun­gen klar und für den Bür­ger erkenn­bar erge­ben und die dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ent­spricht. Zudem bedarf der effek­ti­ve Grund­rechts­schutz einer den sach­li­chen Erfor­der­nis­sen ent­spre­chen­den Aus­ge­stal­tung des Ver­fah­rens.

Die Erhe­bung und Ver­ar­bei­tung von Daten über den Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men gemäß § 16a Abs. 1, 3, 4 und 5 und § 16b Abs. 1a GenTG ent­spre­chen dem Gebot der Norm­klar­heit und ‑bestimmt­heit.

Die­ses Gebot fin­det im Hin­blick auf das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung sei­ne Grund­la­ge in Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG selbst. Der Anlass, der Zweck und die Gren­zen des Ein­griffs müs­sen in der Ermäch­ti­gung grund­sätz­lich bereichs­spe­zi­fisch, prä­zi­se und nor­men­klar fest­ge­legt wer­den. Die­se Anfor­de­run­gen sind vor­lie­gend erfüllt.

Nach § 16a Abs. 1 Satz 1, § 16b Abs. 1a Satz 3 GenTG dient die Daten­er­he­bung und Daten­ver­ar­bei­tung dem Zweck der Über­wa­chung etwai­ger Aus­wir­kun­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men auf die in § 1 Nr. 1 und 2 GenTG genann­ten Rechts­gü­ter und Belan­ge und dem Zweck der Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit.

Das Regis­ter wird gemäß § 16a Abs. 1 Satz 2 GenTG von der nach § 31 Satz 2 GenTG zustän­di­gen Bun­des­ober­be­hör­de geführt, der gemäß § 16a Abs. 3 Satz 1, § 16b Abs. 1a GenTG die erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen mit­zu­tei­len sind und die gemäß § 16a Abs. 4 und 5, § 16b Abs. 1a Satz 2 und 3 GenTG die Aus­künf­te aus dem Regis­ter erteilt. In § 16a Abs. 1 Satz 1, Abs. 3 und in § 16b Abs. 1a Satz 1 GenTG ist dabei prä­zi­se bestimmt, wer wel­che Anga­ben wann mit­zu­tei­len hat. Des Wei­te­ren ist in § 16a Abs. 4, § 16b Abs. 1a Satz 2 GenTG ange­ge­ben, wel­che Infor­ma­tio­nen auf wel­che Wei­se aus dem all­ge­mein zugäng­li­chen Teil des Regis­ters abge­ru­fen wer­den kön­nen.

§ 16a Abs. 5 GenTG umschreibt schließ­lich hin­rei­chend prä­zi­se die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ertei­lung von Aus­künf­ten aus dem nicht all­ge­mein zugäng­li­chen Teil des Regis­ters. Soweit der Gesetz­ge­ber sich dabei unbe­stimm­ter Rechts­be­grif­fe bedient hat, steht das Bestimmt­heits­ge­bot dem nicht ent­ge­gen. Die Begrif­fe „berech­tig­tes Inter­es­se“ und „über­wie­gend schutz­wür­di­ges Inter­es­se“ ste­hen in dem begren­zen­den Kon­text der Vor­schrif­ten zu dem Stand­ort­re­gis­ter und las­sen sich in die­sem hin­rei­chend kon­kre­ti­sie­ren.

Die zu prü­fen­den Rege­lun­gen über die Erhe­bung und Ver­ar­bei­tung der Daten über den Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men nach Maß­ga­be von § 16a Abs. 1, 3, 4 und 5 und § 16b Abs. 1a GenTG sind ver­hält­nis­mä­ßig.

Mit die­sen Bestim­mun­gen ver­folgt der Gesetz­ge­ber legi­ti­me Gemein­wohl­zie­le. Sie die­nen der Umset­zung von Gemein­schafts­recht, der Schaf­fung einer ange­mes­se­nen Trans­pa­renz sowie den Zwe­cken des § 1 GenTG. Sie fin­den eine ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­la­ge ins­be­son­de­re in Art. 2 Abs. 2 Satz 1, Art. 12 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1 GG und dem Staats­ziel des Schut­zes der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen in Art. 20a GG.

Gemäß § 16a Abs. 1 Satz 1 GenTG dient das Stand­ort­re­gis­ter der Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit. Für die All­ge­mein­heit soll das Aus­brin­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men in die Umwelt durch Frei­set­zun­gen und Anbau trans­pa­rent gemacht wer­den. Die Schaf­fung von Trans­pa­renz stellt in die­sem Zusam­men­hang einen eigen­stän­di­gen und legi­ti­men Zweck der Gesetz­ge­bung dar. Die im Stand­ort­re­gis­ter erfass­ten und ver­öf­fent­lich­ten Anga­ben über Frei­set­zun­gen und Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men leis­ten inner­halb der demo­kra­ti­schen, plu­ra­lis­ti­schen Gesell­schaft einen wich­ti­gen Bei­trag zum öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dungs­pro­zess. Der öffent­li­che Mei­nungs­aus­tausch und die Ein­be­zie­hung der Gesell­schaft in die­se umwelt­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen und ihre Umset­zung schüt­zen nicht nur den Ein­zel­nen, son­dern stär­ken die effek­ti­ve Kon­trol­le staat­li­chen Han­delns. Um sol­che Trans­pa­renz her­zu­stel­len, ist es legi­tim, bestimm­te Daten der Öffent­lich­keit all­ge­mein und inso­weit ohne wei­te­re Bin­dung an bestimm­te Zwe­cke zugäng­lich zu machen. Das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung schließt die Schaf­fung all­ge­mein öffent­li­cher Datei­en – auch sol­cher mit Per­so­nen­be­zug – nicht gene­rell aus. Ins­be­son­de­re ent­spricht das Stand­ort­re­gis­ter dem hohen Stel­len­wert, den die Richt­li­nie 2001/​18/​EG dem Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit bei­misst. Den Mit­glied­staa­ten ist es nach Art. 25 Abs. 4 der Richt­li­nie 2001/​18/​EG unter­sagt, im Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren vor­ge­leg­te Infor­ma­tio­nen über eine all­ge­mei­ne Beschrei­bung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men, den Namen und die Anschrift des Anmel­ders, Zweck und Ort der Frei­set­zung sowie die beab­sich­tig­ten Ver­wen­dungs­zwe­cke als ver­trau­li­che Infor­ma­tio­nen zu behan­deln. In sei­nem Urteil vom 17. Febru­ar 2009 hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on aus­ge­führt, dass der Mit­tei­lung der in Art. 25 Abs. 4 der Richt­li­nie 2001/​18/​EG genann­ten Infor­ma­tio­nen kein Vor­be­halt zuguns­ten des Schut­zes der öffent­li­chen Ord­nung oder ande­rer gesetz­lich geschütz­ter Inter­es­sen ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den kann.

Das Stand­ort­re­gis­ter kommt auch der Über­wa­chung etwai­ger Aus­wir­kun­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men auf die in § 1 Nr. 1 GenTG genann­ten Rechts­gü­ter zugu­te (§ 16a Abs. 1 Satz 1 GenTG). Es dient damit ins­be­son­de­re dem Schutz der mensch­li­chen Gesund­heit, der Umwelt und frem­den Eigen­tums vor schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen des Anbaus gen­tech­nisch ver­än­der­ter Kul­tur­pflan­zen und der Vor­sor­ge gegen das Ent­ste­hen sol­cher Gefah­ren.

Das Stand­ort­re­gis­ter soll fer­ner die Über­wa­chung etwai­ger Aus­wir­kun­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men auf den Koexis­tenz­be­lang gemäß § 1 Nr. 2 GenTG und die Infor­ma­ti­on poten­ti­ell betrof­fe­ner Drit­ter über den geplan­ten Anbau sicher­stel­len (§ 16a Abs. 1 Satz 1 GenTG). Es leis­tet damit einen Bei­trag zur Umset­zung des mit dem Gen­tech­nik­neu­ord­nungs­ge­setz 2004 in den Geset­zes­zweck auf­ge­nom­me­nen Koexis­tenz­be­lan­ges (§ 1 Nr. 2 GenTG) und des zugrun­de lie­gen­den euro­päi­schen Koexis­tenz­kon­zep­tes. Das Ziel eines ver­träg­li­chen Neben­ein­an­ders der ver­schie­de­nen land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­me­tho­den fin­det sei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­la­ge nicht nur in der von Art. 14 Abs. 1 GG geschütz­ten Frei­heit ande­rer Erzeu­ger zur selbst­be­stimm­ten Nut­zung ihres Eigen­tums, son­dern auch in ihrer von Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­ten Frei­heit der Berufs­aus­übung.

Das Stand­ort­re­gis­ter dient schließ­lich dem Ziel, den recht­li­chen Rah­men für die Erfor­schung, Ent­wick­lung, Nut­zung und För­de­rung der wis­sen­schaft­li­chen, tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten der Gen­tech­nik zu schaf­fen (§ 1 Nr. 3 GenTG). Ins­be­son­de­re kann die Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit über das Aus­brin­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men in die Umwelt ein eige­nes Urteil über den staat­lich geneh­mig­ten und über­wach­ten Ein­satz von Gen­tech­nik schaf­fen und die Akzep­tanz der staat­li­chen Ent­schei­dun­gen ver­bes­sern.

Die den Anbau betref­fen­den Rege­lun­gen in § 16a Abs. 1, 3, 4 und 5 und § 16b Abs. 1a GenTG sind geeig­net, die­se Zwe­cke zu errei­chen.

Das Stand­ort­re­gis­ter kann die effek­ti­ve Über­wa­chung etwai­ger Aus­wir­kun­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men auf die in § 1 Nr. 1 und 2 GenTG genann­ten Rechts­gü­ter und Belan­ge unter­stüt­zen und trägt damit zur Gefah­ren­ab­wehr und Risi­ko­vor­sor­ge sowie zur Gewähr­leis­tung von Koexis­tenz bei.

Die Infor­ma­ti­on der zustän­di­gen Behör­den über die Anbau­flä­chen gen­tech­nisch ver­än­der­ter Kul­tu­ren ermög­licht die­sen ins­be­son­de­re, den Anbau und sei­ne Umwelt­aus­wir­kun­gen zu beob­ach­ten und zu über­wa­chen, Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se gezielt zu kon­trol­lie­ren, die ord­nungs­ge­mä­ße Anwen­dung von Koexis­tenz­maß­nah­men sicher­zu­stel­len und stand­ort­be­zo­ge­ne wis­sen­schaft­li­che Begleit­un­ter­su­chun­gen durch­zu­füh­ren, um lang­fris­ti­ge oder unvor­her­ge­se­he­ne Effek­te zu erfas­sen.

Das Stand­ort­re­gis­ter ist geeig­net, die Öffent­lich­keit und mög­li­che Betrof­fe­ne über das Aus­brin­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men in die Umwelt zu infor­mie­ren und damit die gewünsch­te Trans­pa­renz, Koexis­tenz und gesell­schaft­li­che Befrie­dung zu beför­dern. Ins­be­son­de­re kön­nen sich Nach­bar­be­trie­be und ande­re mög­li­che Betrof­fe­ne recht­zei­tig über den beab­sich­tig­ten Anbau sol­cher Orga­nis­men infor­mie­ren und Maß­nah­men zum Schutz vor Ein­trä­gen in ihre Erzeug­nis­se ergrei­fen.

Die den Anbau betref­fen­den Rege­lun­gen in § 16a Abs. 1, 3, 4 und 5 und § 16b Abs. 1a GenTG sind erfor­der­lich, um die Geset­zes­zwe­cke zu errei­chen. Unter Berück­sich­ti­gung des dem Gesetz­ge­ber bei der Ein­schät­zung der Erfor­der­lich­keit zukom­men­den Beur­tei­lungs- und Pro­gno­se­spiel­raums ist ein eben­so wirk­sa­mer, aber die Betrof­fe­nen weni­ger belas­ten­der Weg der Erhe­bung und Ver­ar­bei­tung von Daten über den Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men nicht ersicht­lich.

Die zustän­di­gen staat­li­chen Stel­len ver­fü­gen über kei­ne ver­gleich­ba­ren Infor­ma­tio­nen, auf die sie zur Erfül­lung der Zwe­cke des Stand­ort­re­gis­ters zurück­grei­fen könn­ten. Die­se lie­gen ins­be­son­de­re nicht schon auf­grund des Geneh­mi­gungs­ver­fah­rens zum Inver­kehr­brin­gen vor. Das Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren ist nicht auf den Bewirt­schaf­ter von Anbau­flä­chen, son­dern auf den­je­ni­gen bezo­gen, der ein Pro­dukt erst­mals in Ver­kehr bringt.

Auch die Mit­tei­lungs­frist von drei Mona­ten vor dem Anbau gemäß § 16a Abs. 3 Satz 1 GenTG durf­te der Gesetz­ge­ber für erfor­der­lich hal­ten, um das Kon­zept einer abge­stimm­ten Anbau­pla­nung umzu­set­zen. Denn bis zur Aus­saat von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Pflan­zen hat nicht nur die Mit­tei­lung an das Stand­ort­re­gis­ter zu erfol­gen. Es ist auch der Nach­bar zu unter­rich­ten und des­sen Anga­ben sind gege­be­nen­falls durch eine Anpas­sung der Anbau­plä­ne zu berück­sich­tig­ten. Zudem kön­nen schrift­li­che Ver­ein­ba­run­gen über die gute fach­li­che Pra­xis getrof­fen wer­den. Die­se Ände­run­gen und Ver­ein­ba­run­gen sind wie­der­um dem Stand­ort­re­gis­ter zu mel­den. Fer­ner sind inner­be­trieb­li­che Abwei­chun­gen von der guten fach­li­chen Pra­xis den zustän­di­gen Behör­den zu mel­den.

Des­glei­chen ist die Daten­ver­ar­bei­tung nach Maß­ga­be von § 16a Abs. 1, 4 und 5, § 16a Abs. 1a GenTG zur Zweck­er­rei­chung erfor­der­lich. Ein Antrags­ver­fah­ren für die Ertei­lung von Aus­künf­ten über die genau­en Anbau­stand­or­te wür­de die mit der gesetz­li­chen Rege­lung ver­folg­ten Zwe­cke nicht eben­so wirk­sam umset­zen. Das ange­streb­te hohe Maß an Trans­pa­renz könn­te nicht erreicht wer­den, wenn nur die Gemein­de oder Gemar­kung des Stand­or­tes gemäß § 16a Abs. 4 GenTG in das Inter­net ein­ge­stellt wür­de. Auch die Mög­lich­keit der früh­zei­ti­gen Pla­nung, Abstim­mung und Koor­di­na­ti­on kon­kur­rie­ren­der Nut­zungs­in­ter­es­sen und die Wirt­schaft­lich­keit der Aus­kunfts­er­tei­lung wären mit einem Antrags­ver­fah­ren nicht glei­cher­ma­ßen gewähr­leis­tet.

Eine Begren­zung des berech­tig­ten Inter­es­ses an der Aus­kunfts­er­tei­lung gemäß § 16a Abs. 5 GenTG auf Fäl­le, in denen eine „wesent­li­che Eigen­tums­be­ein­träch­ti­gung“ sowie „sub­stan­ti­el­le Ver­mö­gens­be­ein­träch­ti­gun­gen des Nach­barn“ dro­hen, wäre nicht geeig­net, die Infor­ma­ti­on mög­li­cher Betrof­fe­ner in dem vom Gesetz­ge­ber gewoll­ten Umfang sicher­zu­stel­len. Ins­be­son­de­re in der Pha­se der Anbau­pla­nung dürf­te regel­mä­ßig nicht abseh­bar sein, ob sol­che Nach­tei­le zu erwar­ten sind mit der Fol­ge, dass Aus­künf­te über Namen und Anschrift der Bewirt­schaf­ter nicht oder nur in gerin­gem Maße erteilt wer­den dürf­ten. Die Mög­lich­keit, mit Hil­fe des Stand­ort­re­gis­ters loka­le Erzeu­gungs­struk­tu­ren durch Anbau­pla­nung auf­ein­an­der abzu­stim­men und die Tren­nung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten und nicht gen­tech­nisch ver­än­der­ten Kul­tu­ren zu koor­di­nie­ren, wäre dann nicht ver­gleich­bar gege­ben.

Die den Anbau betref­fen­den Rege­lun­gen in § 16a Abs. 1, 3, 4 und 5 und § 16b Abs. 1a GenTG wah­ren auch das Gebot der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit im enge­ren Sinn.

Erhe­ben und Ver­ar­bei­ten von per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten über den Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men in der vor­ge­se­he­nen Form füh­ren aller­dings zu einem Ein­griff von Gewicht.

Die nach § 16a Abs. 3 und § 16b Abs. 1a GenTG mit­zu­tei­len­den Daten wer­den im Stand­ort­re­gis­ter ver­knüpft, so dass neue, über die Ein­zel­an­ga­be hin­aus­ge­hen­de Infor­ma­tio­nen ent­ste­hen. Die Daten­er­he­bung erlangt zusätz­li­ches Gewicht dadurch, dass sie nach Maß­ga­be von § 38 Abs. 1 Nr. 9 GenTG buß­geld­be­wehrt ist. Auch stellt die Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten gemäß § 16a Abs. 4, § 16b Abs. 1a Satz 2 GenTG durch auto­ma­ti­sier­ten Abruf über das Inter­net eine beson­ders weit­ge­hen­de Form des Ein­griffs in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung dar. Die Daten kön­nen nach ihrem Abruf belie­big wei­ter ver­ar­bei­tet, ver­knüpft und zu einer Viel­zahl von Zwe­cken – auch für die Pla­nung von Straf­ta­ten zum Nach­teil eines Bewirt­schaf­ters oder Nach­barn – ver­wen­det wer­den.

Das Gewicht des Ein­griffs wird jedoch unter ver­schie­de­nen Gesichts­punk­ten gemil­dert.

Den Anlass für den Grund­rechts­ein­griff geben die Betrof­fe­nen selbst mit einem Ver­hal­ten, das erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt und die Rechts­gü­ter Drit­ter haben kann und daher das Bedürf­nis nach staat­li­cher Über­wa­chung und ein Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit begrün­det. Auch ist der mit der Daten­er­he­bung ver­bun­de­ne Auf­wand ver­hält­nis­mä­ßig gering. Soweit nach § 38 Abs. 1 Nr. 9 GenTG eine Ord­nungs­wid­rig­keit vor­liegt, wenn eine Mit­tei­lung nach § 16a Abs. 3 Satz 1 oder 3 GenTG nicht, nicht rich­tig oder nicht recht­zei­tig gemacht wird, ist ein ord­nungs­ge­mä­ßes Ver­hal­ten für den Bewirt­schaf­ter mit kei­nen beson­de­ren Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den. Die gemäß § 16a Abs. 3 GenTG mit­zu­tei­len­den Anga­ben betref­fen aus­schließ­lich den Bewirt­schaf­ter und sei­ne beruf­li­che Tätig­keit und kön­nen von ihm auf Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit über­prüft wer­den. Das in der Bekannt­ga­be über das Inter­net lie­gen­de Gewicht wird schließ­lich dadurch rela­ti­viert, dass die Emp­fän­ger den Per­so­nen­be­zug erst durch Zusatz­wis­sen oder eine aus dem nicht all­ge­mein zugäng­li­chen Teil des Regis­ters erteil­te Aus­kunft her­stel­len kön­nen. Für die über­wie­gen­de Zahl der welt­weit in Betracht kom­men­den Infor­ma­ti­ons­emp­fän­ger blei­ben die Bezugs­per­so­nen anonym. Die­se Emp­fän­ger wer­den regel­mä­ßig auch kein Inter­es­se dar­an haben, den kon­kre­ten Anbau einer bestimm­ten Per­son zuzu­ord­nen.

Ange­sichts der legi­ti­men Gemein­wohl­in­ter­es­sen, denen das Stand­ort­re­gis­ter dient, ist der Ein­griff daher nicht unan­ge­mes­sen. Mit der Auf­tei­lung des Regis­ters in einen all­ge­mein zugäng­li­chen und einen nicht all­ge­mein zugäng­li­chen Teil hat der Gesetz­ge­ber einen trag­fä­hi­gen und aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht nicht zu bean­stan­den­den Kom­pro­miss zwi­schen dem Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se des Staa­tes und der Öffent­lich­keit einer­seits und dem Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se der Bezugs­per­so­nen ande­rer­seits gefun­den.

Der gesetz­li­chen Rege­lung kann auch nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, dass durch die Ein­rich­tung des Stand­ort­re­gis­ters die Wahr­schein­lich­keit mut­wil­li­ger Zer­stö­run­gen von Anbau­kul­tu­ren erhöht wer­de. Bereits vor der Ein­füh­rung des Stand­ort­re­gis­ters kam es wie­der­holt zu Behin­de­run­gen von Frei­set­zun­gen und Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men, denen mit dem Ein­satz des Poli­zei- und Straf­rechts zu begeg­nen war. Vor die­sem Hin­ter­grund hat der Gesetz­ge­ber sein Kon­zept eines ver­träg­li­chen Neben­ein­an­ders der unter­schied­li­chen Pro­duk­ti­ons­wei­sen und einer gesell­schaft­li­chen Befrie­dung umge­setzt und fort­ent­wi­ckelt. Bestand­teil des Kon­zep­tes ist – unbe­scha­det der ohne­hin bestehen­den gemein­schafts­recht­li­chen Vor­ga­ben – die trans­pa­ren­te Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit über den Ein­satz von Gen­tech­nik auf der einen Sei­te und der Schutz der Nut­zer von Gen­tech­nik vor den von die­ser Öffent­lich­keit aus­ge­hen­den Gefah­ren durch einen nicht all­ge­mein zugäng­li­chen Teil des Stand­ort­re­gis­ters und mit den Mit­teln des Poli­zei- und Straf­rechts auf der ande­ren Sei­te. Der Staat ist, wie auch in ande­ren Fäl­len einer Behin­de­rung der Eigentums‑, Berufs- oder For­schungs­frei­heit durch Drit­te ver­pflich­tet, die unge­hin­der­te Betä­ti­gung der Grund­rech­te im Ein­zel­fall zu för­dern und zu schüt­zen. Bis­her ist nicht erkenn­bar, dass durch das Stand­ort­re­gis­ter eine Situa­ti­on so hoher Gefähr­dung für Bewirt­schaf­ter ent­stan­den wäre, dass der Gesetz­ge­ber evi­dent zur Schaf­fung wei­ter­ge­hen­der Schutz­me­cha­nis­men gegen rechts­wid­ri­ge und straf­ba­re Feld­zer­stö­run­gen ver­pflich­tet wäre.

Auch die Bestim­mun­gen über den nicht all­ge­mein zugäng­li­chen Teil des Stand­ort­re­gis­ters in § 16a Abs. 5 GenTG schrän­ken das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung nicht unan­ge­mes­sen ein. Gemäß § 16a Abs. 5 GenTG darf eine Aus­kunft aus dem nicht all­ge­mein zugäng­li­chen Teil des Regis­ters nur erteilt wer­den, wenn der Antrag­stel­ler ein berech­tig­tes Inter­es­se glaub­haft macht und kein Grund zu der Annah­me besteht, dass der Betrof­fe­ne ein über­wie­gen­des schutz­wür­di­ges Inter­es­se an dem Aus­schluss der Aus­kunft hat. Den Rechts­an­wen­der trifft damit die Pflicht zur Abwä­gung, durch die eine ein­zel­fall­be­zo­ge­ne Beur­tei­lung erreicht wer­den kann.

Der Grund­rechts­schutz ist schließ­lich auch durch eine ange­mes­se­ne Ver­fah­rens­ge­stal­tung abge­si­chert.

Die Ver­wen­dung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten muss auf den gesetz­lich bestimm­ten Zweck begrenzt sein. Auch sind Aufklärungs‑, Aus­kunfts- und Löschungs­pflich­ten von Bedeu­tung. Die­sen Anfor­de­run­gen ist vor­lie­gend genügt.

Die Infor­ma­ti­on der Betrof­fe­nen vor der Daten­er­he­bung dar­über, wel­che Daten über das Inter­net abge­ru­fen wer­den kön­nen und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Aus­künf­te über die mit­ge­teil­ten per­sön­li­chen Daten erteilt wer­den kön­nen, ist durch die inso­weit kla­re Geset­zes­la­ge sicher­ge­stellt. Dass hier­bei bestimm­te Daten zur Her­stel­lung von Trans­pa­renz der all­ge­mei­nen Öffent­lich­keit auch ohne wei­te­re Zweck­bin­dung zugäng­lich gemacht wer­den, ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Eine Infor­ma­ti­on des gemäß § 16b Abs. 1a GenTG betrof­fe­nen Nach­barn über die Mit­tei­lung an das Stand­ort­re­gis­ter kann im Rah­men der Auf­klä­rung über die Rechts­fol­gen der schrift­li­chen Ver­ein­ba­rung oder der Nicht­er­tei­lung von Aus­künf­ten gemäß § 16b Abs. 1 Satz 3 GenTG erfol­gen. Jeden­falls ist der Nach­bar aus­rei­chend dadurch geschützt, dass die Erhe­bung, Spei­che­rung und Über­mitt­lung der Daten in § 16b Abs. 1a GenTG durch Gesetz aus­drück­lich vor­ge­se­hen ist. Dem­entspre­chend besteht gemäß § 19a Abs. 2 Nr. 3 BDSG kei­ne Pflicht zur Benach­rich­ti­gung eines Betrof­fe­nen, ohne des­sen Kennt­nis die Daten auf­grund aus­drück­li­cher gesetz­li­cher Rege­lung erho­ben wur­den.

Eine Benach­rich­ti­gung des Betrof­fe­nen über den Abruf von Daten aus dem all­ge­mein zugäng­li­chen Teil des Regis­ters erüb­rigt sich, weil der Betrof­fe­ne bereits bei der Daten­er­he­bung weiß, wel­che Daten ver­öf­fent­licht wer­den und sich ent­spre­chend dar­auf ein­stel­len kann. Im Übri­gen sind weit­rei­chen­de Aus­kunfts­pflich­ten über erho­be­ne und wei­ter­ge­ge­be­ne Daten in § 19 BDSG vor­ge­se­hen, der gemäß § 16a Abs. 7 GenTG für juris­ti­sche Per­so­nen ent­spre­chend gilt. Gegen § 19 BDSG bestehen inso­weit kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Der auf ein bestimm­tes Vor­ha­ben bezo­ge­ne und begrenz­te Zweck der Erhe­bung und Ver­ar­bei­tung von Daten über den Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men gebie­tet fer­ner die Löschung aller nicht oder nicht mehr zur Zweck­er­rei­chung erfor­der­li­chen Daten. Dem ist vor­lie­gend durch die gesetz­lich ange­ord­ne­te Löschung der Daten 15 Jah­re nach ihrer erst­ma­li­gen Spei­che­rung gemäß § 16a Abs. 6 Satz 2, § 16b Abs. 1a Satz 3 GenTG genügt.

Die an den Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men anknüp­fen­den Rege­lun­gen in § 16a Abs. 1, 3, 4 und 5 GenTG und § 16b Abs. 1a GenTG sind mit Art. 12 Abs. 1 GG ver­ein­bar.

Berufs­frei­heit, Art 12 I GG[↑]

Die Ver­pflich­tung zur Mit­tei­lung von Anga­ben über den Anbau an das Stand­ort­re­gis­ter nach Maß­ga­be von § 16a Abs. 3 GenTG ver­letzt die von Art. 12 Abs. 1 GG gewähr­leis­te­te Berufs­frei­heit nicht unter dem Gesichts­punkt des Schut­zes von Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen.

Das Grund­recht der Berufs­frei­heit gewähr­leis­tet grund­sätz­lich auch den Schutz von Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen. Wer­den Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se durch den Staat offen­ge­legt oder ver­langt die­ser deren Offen­le­gung, ist Art. 12 Abs. 1 GG in sei­nem Schutz­be­reich berührt. Als Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se wer­den dabei alle auf ein Unter­neh­men bezo­ge­nen Tat­sa­chen, Umstän­de und Vor­gän­ge ver­stan­den, die nicht offen­kun­dig, son­dern nur einem begrenz­ten Per­so­nen­kreis zugäng­lich sind und an deren Nicht­ver­brei­tung der Rechts­trä­ger ein berech­tig­tes Inter­es­se hat.

Nach die­ser Maß­ga­be han­delt es sich bei den gemäß § 16a Abs. 3 GenTG zu erhe­ben­den Daten über den gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­mus und sei­nen Stand­ort weder um Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se noch erscheint die Erhe­bung und Ver­ar­bei­tung die­ser Daten geeig­net, emp­find­li­che Wett­be­werbs­nach­tei­le nach sich zu zie­hen. Da der Anbau im öffent­li­chen Raum statt­fin­det, ist sei­ne Wahr­neh­mung und Kennt­nis von vorn­her­ein nicht auf einen begrenz­ten Kreis von Per­so­nen beschränkt, der einem land­wirt­schaft­li­chen Betrieb oder Unter­neh­men zuge­rech­net wer­den könn­te. Der gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­mus, sei­ne gen­tech­nisch ver­än­der­ten Eigen­schaf­ten und der spe­zi­fi­sche Erken­nungs­mar­ker sind, ohne dass es auf das Stand­ort­re­gis­ter ankommt, im Inter­net ver­öf­fent­licht. Zudem muss der Geheim­hal­tungs­wil­le berech­tig­ten wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen ent­sprin­gen, so dass es uner­heb­lich ist, ob ein Unter­neh­men ein nega­ti­ves Image, das mit dem Ein­satz von Gen­tech­nik ver­bun­den sein mag, abwen­den will.

Die Pflicht der Bewirt­schaf­ter, bin­nen bestimm­ter Fris­ten Anga­ben an die regis­ter­füh­ren­de Behör­de zu über­mit­teln, stellt eine Berufs­aus­übungs­re­ge­lung dar, die aber durch die dar­ge­stell­ten Gemein­wohl­be­lan­ge von über­ra­gen­dem Gewicht gerecht­fer­tigt ist.

Im Übri­gen bie­tet das Grund­recht der Berufs­frei­heit grund­sätz­lich kei­nen über das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung hin­aus­ge­hen­den Schutz vor staat­li­chen infor­ma­tio­nel­len Maß­nah­men.

Eigen­tums­ga­ran­tie, Art. 14 GG[↑]

Eine Ver­let­zung von Art. 14 Abs. 1 GG unter dem Gesichts­punkt des Schut­zes von Geschäfts- und Betriebs­ge­heim­nis­sen oder der Gefahr von Eigen­tums­ver­let­zun­gen durch Gen­tech­nik­geg­ner kommt aus den glei­chen Grün­den nicht in Betracht.

Wis­sen­schafts­frei­heit, Art. 5 III GG[↑]

Die an den Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men anknüp­fen­den Rege­lun­gen in § 16a Abs. 1, 3, 4 und 5 GenTG und § 16b Abs. 1a GenTG sind mit Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ver­ein­bar.

Erfolgt der Anbau zu wis­sen­schaft­li­chen Zwe­cken, so betrifft die Pflicht der Bewirt­schaf­ter, bin­nen bestimm­ter Fris­ten Anga­ben über den Anbau an die regis­ter­füh­ren­de Behör­de zu über­mit­teln, auch die Bedin­gun­gen für die Durch­füh­rung des For­schungs­pro­jek­tes und berührt damit den Schutz­be­reich von Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG. Die dar­in lie­gen­de Ein­schrän­kung weist jedoch in Bezug auf die For­schungs­frei­heit kein hohes Gewicht auf und ist durch den Schutz der dar­ge­stell­ten kol­li­die­ren­den Rechts­gü­ter von Ver­fas­sungs­rang gerecht­fer­tigt.

Mit­tei­lungs­pflich­ten unjd Trans­pa­renz­vor­schrif­ten, § 16a GenTG[↑]

Aus den­sel­ben Erwä­gun­gen sind die in § 16a Abs. 1, 4 und 5 GenTG ent­hal­te­nen Bestim­mun­gen über die dem Bun­des­amt für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit durch den Betrei­ber nach Maß­ga­be von § 16a Abs. 2 GenTG mit­zu­tei­len­den Anga­ben über Frei­set­zun­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men mit dem Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) sowie mit Art. 12 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1 und Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ver­ein­bar. Aus den dar­ge­stell­ten Grün­den bestehen auch gegen § 16a Abs. 2 GenTG kei­ne durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Umgangs- und Vor­sor­ge­pflich­ten für in den Ver­kehr gebrach­te Pro­duk­te, § 16b GenTG[↑]

§ 16b Abs. 1, 2, 3 und 4 GenTG sind mit Art. 12 Abs. 1 GG ver­ein­bar. Auch eine Ver­let­zung von Art. 5 Abs. 3 Satz 1, Art. 3 Abs. 1 und Art. 2 Abs. 1 GG kann nicht fest­ge­stellt wer­den.

Berufs­frei­heit, Art. 12 I GG[↑]

§ 16b Abs. 1, 2, 3 und 4 GenTG in ihrer zuletzt durch Art. 1 Gen­TÄndG 2008 geän­der­ten Fas­sung sind mit Art. 12 Abs. 1 GG ver­ein­bar.

§ 16b Abs. 1, 2, 3 und 4 GenTG grei­fen in die Berufs­frei­heit ein. Der Gesetz­ge­ber regelt mit die­sen Bestim­mun­gen den Umgang mit zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­se­nen Pro­duk­ten, die gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men ent­hal­ten oder dar­aus bestehen. § 16b Abs. 4 und § 16b Abs. 1 Satz 1 GenTG in der Alter­na­ti­ve des Inver­kehr­brin­gens knüp­fen inso­weit unmit­tel­bar an die Betä­ti­gung zu Erwerbs­zwe­cken an; die wei­te­ren ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen wei­sen jeden­falls eine objek­tiv berufs­re­geln­de Ten­denz auf. Denn sie betref­fen typi­scher­wei­se den erwerbs­wirt­schaft­li­chen oder gewerbs­mä­ßi­gen Umgang mit den zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­se­nen Pro­duk­ten und ver­ste­hen sich in ers­ter Linie als recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen für die Berufs­aus­übung. Die Pflicht, Vor­sor­ge gegen wesent­li­che Beein­träch­ti­gun­gen der in § 1 Nr. 1 und 2 GenTG genann­ten Rechts­gü­ter und Belan­ge zu tref­fen, geht dabei über die Abwehr kon­kre­ter Gefah­ren hin­aus und ver­la­gert die Ein­griffs­be­fug­nis­se der Behör­de im Ver­gleich zur poli­zei­recht­li­chen Gefah­ren­ab­wehr zeit­lich und sach­lich nach vorn.

Der Ein­griff in die Berufs­frei­heit ist ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt.

Die Rege­lun­gen sind hin­rei­chend bestimmt.

In § 16b Abs. 1 Satz 1 GenTG defi­niert der Gesetz­ge­ber den Inhalt und das Ziel der Vor­sor­ge­pflicht dahin­ge­hend, dass bestimm­te Rechts­gü­ter und Belan­ge „nicht wesent­lich beein­träch­tigt“ wer­den dür­fen. Wann eine Beein­träch­ti­gung wesent­lich ist, kann mit Hil­fe der aner­kann­ten Aus­le­gungs­re­geln bestimmt wer­den. Nach der Vor­stel­lung des Gesetz­ge­bers sol­len euro­päi­sche Schwel­len­wer­te zur Kenn­zeich­nungs­pflicht Ori­en­tie­rung bie­ten und der Begriff durch die in § 36a Abs. 1 GenTG vor­ge­ge­be­nen Inter­pre­ta­ti­ons­re­geln näher fest­ge­legt wer­den. § 36a Abs. 1 GenTG knüpft an den Begriff der wesent­li­chen Beein­träch­ti­gung in § 906 BGB an. Inter­pre­ta­ti­ons­grund­sät­ze, die sich in die­sem Rege­lungs­zu­sam­men­hang her­aus­ge­bil­det haben, kön­nen daher auch bei der Aus­le­gung von § 36a Abs. 1 GenTG her­an­ge­zo­gen wer­den.

§ 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG n.F. ist nicht wegen eines Ver­sto­ßes gegen das rechts­staat­li­che Bestimmt­heits­ge­bot zu bean­stan­den. Die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die in § 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG n.F. aus­ge­spro­che­ne Rechts­fol­ge sind für die Betrof­fe­nen in zumut­ba­rer Wei­se zu erken­nen. Sie las­sen sich jeden­falls im Wege der Aus­le­gung mit Hil­fe der aner­kann­ten Aus­le­gungs­re­geln fest­stel­len. Die Mög­lich­kei­ten einer wei­ter­ge­hen­den Rege­lung sind zudem nach der Eigen­art des gere­gel­ten Lebens­sach­ver­halts begrenzt. Ob und inwie­weit die Vor­sor­ge­pflicht im Ein­zel­fall abding­bar ist, kann letzt­lich nur für jeden Ein­zel­fall unter Berück­sich­ti­gung der jewei­li­gen Ver­hält­nis­se vor Ort geklärt wer­den. Die sich aus einer Anwen­dung von § 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG n.F. erge­ben­den haf­tungs­recht­li­chen Fra­gen hat der Gesetz­ge­ber in § 16b GenTG nicht gere­gelt. Inso­weit konn­te er es bei der all­ge­mei­nen ver­trag­li­chen und außer­ver­trag­li­chen Haf­tung und den hier­zu – auch im Zusam­men­hang mit einem ver­trag­li­chen Ver­zicht auf eine güns­ti­ge Rechts­po­si­ti­on – ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen belas­sen. Ins­ge­samt begeg­net § 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG n.F. in Bezug auf das rechts­staat­li­che Bestimmt­heits­er­for­der­nis kei­nen durch­grei­fen­den Beden­ken.

Auch § 16b Abs. 2 und 3 GenTG sind hin­rei­chend bestimmt gefasst. Es ist nicht zu bean­stan­den, dass der Gesetz­ge­ber die Grund­sät­ze der guten fach­li­chen Pra­xis in § 16b Abs. 3 GenTG nicht erschöp­fend gere­gelt hat. Der Gesetz­ge­ber durf­te mit der offe­nen Fas­sung die­ser Grund­sät­ze der Viel­ge­stal­tig­keit des gere­gel­ten Lebens­sach­ver­halts Rech­nung tra­gen. Der Begriff der guten fach­li­chen Pra­xis ist einer­seits offen genug für neue Ent­wick­lun­gen und ande­rer­seits geeig­net, einen Rah­men zu schaf­fen, inner­halb des­sen die Land­wir­te han­deln kön­nen und müs­sen. Was im Ein­zel­fall zur guten fach­li­chen Pra­xis gehört, lässt sich im Wege der Aus­le­gung der ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen, ins­be­son­de­re auch in Anleh­nung an die hin­ter den Regel­bei­spie­len lie­gen­den Wer­tun­gen, mit Hil­fe der aner­kann­ten Aus­le­gungs­me­tho­den hin­rei­chend bestim­men. Im Übri­gen hat der Gesetz­ge­ber in § 16b Abs. 6 GenTG die Ermäch­ti­gung der Bun­des­re­gie­rung zum Erlass einer Rechts­ver­ord­nung vor­ge­se­hen, die die Grund­sät­ze der guten fach­li­chen Pra­xis wei­ter kon­kre­ti­sie­ren kann.

Schließ­lich sind die in § 16b Abs. 4 GenTG an die Eig­nung von Per­son und Aus­stat­tung gestell­ten Anfor­de­run­gen aus­rei­chend bezeich­net. Bei der Umschrei­bung die­ser Anfor­de­run­gen bedient sich der Gesetz­ge­ber unbe­stimm­ter Rechts­be­grif­fe wie „Zuver­läs­sig­keit“ und „Kennt­nis­se“, die seit jeher in wirt­schafts­ver­wal­tungs­recht­li­chen Geset­zen ver­wen­det wer­den. Die­se Begrif­fe sind in einer lan­gen Tra­di­ti­on von Gesetz­ge­bung, Ver­wal­tungs­han­deln und Recht­spre­chung so aus­ge­füllt wor­den, dass an ihrer rechts­staat­li­chen Bestimmt­heit nicht zu zwei­feln ist, mögen sie auch für jeden neu­en Sach­be­reich neue Kon­kre­ti­sie­run­gen erfor­dern. Eben­so sind die in § 16b Abs. 4 GenTG ver­wand­ten Begrif­fe „Fer­tig­kei­ten“ und „Aus­stat­tung“ mit den her­kömm­li­chen Aus­le­gungs­me­tho­den hin­rei­chend zu prä­zi­sie­ren. Wozu die Eig­nung von Per­son und Aus­stat­tung die­nen soll, ist mit dem Ver­weis auf die Erfül­lung der Vor­sor­ge­pflicht gemäß § 16b Abs. 1 GenTG hin­rei­chend gere­gelt.

Der Ein­griff in die Berufs­frei­heit ist ver­hält­nis­mä­ßig.

Die Bestim­mun­gen über die Vor­sor­ge­pflicht und gute fach­li­che Pra­xis in § 16b Abs. 1, 2 und 3 GenTG sind als Rege­lun­gen der Berufs­aus­übung statt­haft, weil sie durch hin­rei­chen­de Grün­de des Gemein­wohls legi­ti­miert wer­den, zur Errei­chung der Gemein­wohl­zie­le geeig­net und erfor­der­lich sind und den Betrof­fe­nen nicht unzu­mut­bar belas­ten. Auch die Sach­kun­de­an­for­de­run­gen des § 16b Abs. 4 GenTG sind Berufs­aus­übungs­re­ge­lun­gen.

Die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen über die Vor­sor­ge­pflicht, die gute fach­li­che Pra­xis und die Eig­nung von Per­son und Aus­stat­tung die­nen legi­ti­men Gemein­wohl­zie­len.

Mit der Vor­sor­ge­pflicht soll ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Umgang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men erreicht und dadurch einer wesent­li­chen Beein­träch­ti­gung der Rechts­gü­ter des § 1 Nr. 1 und 2 GenTG durch Ein­trä­ge die­ser Orga­nis­men vor­ge­beugt wer­den (§ 16b Abs. 1 Satz 1 GenTG). Die­sem Ziel die­nen auch die Grund­sät­ze der guten fach­li­chen Pra­xis und die Anfor­de­run­gen an die Eig­nung von Per­son und Aus­stat­tung, wel­che jeweils auf die Erfül­lung der Vor­sor­ge­pflicht bezo­gen sind (§ 16b Abs. 2, 3 und 4 GenTG). Mit der Vor­sor­ge­pflicht trägt der Gesetz­ge­ber der – auch bezo­gen auf den Umgang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men bestehen­den – Erkennt­nis- und Pro­gno­se­un­si­cher­heit Rech­nung, die aus dem jewei­li­gen Stand von Wis­sen­schaft und Tech­nik und dort bestehen­den Unge­wiss­hei­ten resul­tiert. Die Aus­brei­tung sol­cher Orga­nis­men soll durch die Vor­sor­ge­pflicht und gute fach­li­che Pra­xis von vorn­her­ein mög­lichst ver­mie­den oder, wenn unver­meid­bar, auf ein Min­dest­maß redu­ziert wer­den. Die Anfor­de­run­gen an die Per­son und Aus­stat­tung (§ 16b Abs. 4 GenTG) sol­len sicher­stel­len, dass der Anwen­der hier­zu fähig und wil­lens ist und damit die ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung der Berufs­tä­tig­keit gewähr­leis­ten.

§ 16b Abs. 1, 2, 3 und 4 GenTG die­nen damit dem Zweck, Vor­sor­ge gegen schäd­li­che Aus­wir­kun­gen gen­tech­ni­scher Ver­fah­ren und Pro­duk­te für das Leben und die Gesund­heit von Men­schen, die Umwelt in ihrem Wir­kungs­ge­fü­ge, Tie­re, Pflan­zen und Sach­gü­ter zu tref­fen (§ 1 Nr. 1 GenTG). Die Vor­schrif­ten kon­kre­ti­sie­ren zudem die Gewähr­leis­tung der Koexis­tenz (§ 1 Nr. 2 GenTG) und die­nen inso­weit ins­be­son­de­re dem Schutz der Berufs- und Eigen­tums­frei­heit poten­ti­el­ler Betrof­fe­ner und dem Ziel, durch die Gewähr­leis­tung eines ver­träg­li­chen Neben­ein­an­ders der land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­for­men die Wahl­frei­heit für Pro­du­zen­ten und Ver­brau­cher zu wah­ren, Rechts- und Pla­nungs­si­cher­heit zu schaf­fen und eine gesell­schaft­li­che Befrie­dung zu errei­chen. Schließ­lich ver­folgt der Gesetz­ge­ber auch das Ziel, den recht­li­chen Rah­men für die Erfor­schung, Ent­wick­lung, Nut­zung und För­de­rung der wis­sen­schaft­li­chen, tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten der Gen­tech­nik zu schaf­fen (§ 1 Nr. 3 GenTG).

Die Bestim­mun­gen über die Vor­sor­ge­pflicht und gute fach­li­che Pra­xis sowie die Eig­nung von Per­son und Aus­stat­tung sind geeig­net, die­se Zwe­cke zu errei­chen.

Soweit der Gesetz­ge­ber das in § 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG a.F. gere­gel­te Ver­bot koexis­tenz­ge­fähr­den­der Hand­lun­gen durch das Gen­tech­nik­än­de­rungs­ge­setz 2008 gestri­chen und zuguns­ten der Ver­wen­der von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men durch eine Aus­nah­me von der Vor­sor­ge­pflicht ersetzt hat, bewegt sich die Ände­rung inner­halb des ihm zukom­men­den Ein­schät­zungs- und Pro­gno­se­vor­rangs. Sie führt nicht zu einer feh­len­den Eig­nung der Rege­lung wegen einer nicht hin­rei­chend kon­se­quen­ten Ver­fol­gung des Vor­sor­ge­ziels.

Die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen über die Vor­sor­ge­pflicht und gute fach­li­che Pra­xis sowie die Eig­nung von Per­son und Aus­stat­tung sind erfor­der­lich, um die Geset­zes­zwe­cke zu errei­chen. Unter Berück­sich­ti­gung des dem Gesetz­ge­ber auch bei der Ein­schät­zung der Erfor­der­lich­keit zukom­men­den Beur­tei­lungs- und Pro­gno­se­spiel­raums ist kein gleich wirk­sa­mes, aber die Betrof­fe­nen weni­ger belas­ten­des Mit­tel erkenn­bar, um den ange­streb­ten ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men zu errei­chen.

Die Erfor­der­lich­keit der Rege­lun­gen über die Vor­sor­ge­pflicht und gute fach­li­che Pra­xis kann ins­be­son­de­re nicht mit dem Argu­ment ver­neint wer­den, dass der Schutz der in § 1 Nr. 1 GenTG bezeich­ne­ten Rechts­gü­ter bereits durch das Bewer­tungs- und Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren im Rah­men der Inver­kehr­brin­gens­ge­neh­mi­gung sicher­ge­stellt wer­de. Zwar ist die Ertei­lung der Geneh­mi­gung für ein Inver­kehr­brin­gen grund­sätz­lich mit der Ein­schät­zung ver­bun­den, dass unver­tret­ba­re schäd­li­che Ein­wir­kun­gen auf die in § 1 Nr. 1 GenTG bezeich­ne­ten Rechts­gü­ter wie die mensch­li­che Gesund­heit und die Umwelt nicht zu erwar­ten sind (§ 16 Abs. 2 Satz 1 GenTG). Es han­delt sich jedoch um eine Pro­gno­se­ent­schei­dung, wel­che das Auf­tre­ten von nicht vor­her­ge­se­he­nen schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen etwa auf die mensch­li­che Gesund­heit oder die Umwelt nicht aus­schlie­ßen kann. Der Zweck der auf die Schutz­gü­ter des § 1 Nr. 1 GenTG bezo­ge­nen Vor­sor­ge­pflicht liegt gera­de dar­in, ergän­zend zu den Geneh­mi­gungs­be­din­gun­gen für ein Inver­kehr­brin­gen einen ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit den zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­se­nen gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men und damit einen mög­lichst umfas­sen­den und lücken­lo­sen Rechts­gü­ter­schutz nach der Markt­frei­ga­be zu gewähr­leis­ten.

Die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen über die Vor­sor­ge­pflicht, die gute fach­li­che Pra­xis und die Anfor­de­run­gen an die Eig­nung von Per­son und Aus­stat­tung sind auch im enge­ren Sinn ver­hält­nis­mä­ßig.

Die in § 16b Abs. 1, 2, 3 und 4 GenTG nor­mier­ten öffent­lich­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen ent­hal­ten stren­ge Vor­ga­ben für die Berufs­aus­übung unter Ein­satz von zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­se­nen gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men und grei­fen daher mit nicht uner­heb­li­chem Gewicht in die durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­te Berufs­frei­heit ein.

Die hier­mit ver­bun­de­ne Belas­tung wird schon dadurch begrenzt, dass das Gesetz zuguns­ten des Ein­sat­zes der „grü­nen“ Gen­tech­nik eine Aus­brei­tung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men hin­nimmt, die nicht zu einer wesent­li­chen Beein­träch­ti­gung der Schutz­gü­ter des § 1 Nr. 1 und 2 GenTG führt. Das Gewicht des Ein­griffs wird auch durch die nach § 16b Abs. 1 Satz 2 bis 4 GenTG n.F. bestehen­de Mög­lich­keit gemil­dert, im Ein­zel­fall auf­grund schrift­li­cher Zustim­mung oder Schwei­gen des Nach­barn aus­schließ­lich zum Schutz der wirt­schaft­li­chen Koexis­tenz des ande­ren (§ 1 Nr. 2 GenTG) bestehen­de Vor­ga­ben nicht zu beach­ten. Zudem gehö­ren die in § 16b Abs. 3 GenTG nor­mier­ten Ver­hal­tens­an­for­de­run­gen nur zur guten fach­li­chen Pra­xis, „soweit dies zur Erfül­lung der Vor­sor­ge­pflicht nach Absatz 1 erfor­der­lich ist“. Sie ent­hal­ten – der­zeit ergänzt und kon­kre­ti­siert durch die Ver­ord­nung über die gute fach­li­che Pra­xis bei der Erzeu­gung gen­tech­nisch ver­än­der­ter Pflan­zen, die Emp­feh­lun­gen der Euro­päi­schen Uni­on für Koexis­tenz­maß­nah­men und die in der mit­zu­lie­fern­den Pro­dukt­in­for­ma­ti­on vor­ge­ge­be­nen Anwen­dungs­be­stim­mun­gen (§ 16b Abs. 5 GenTG) – nor­ma­ti­ve Vor­ga­ben, auf die sich ein Ver­wen­der von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men eben­so wie ein mög­li­cher Betrof­fe­ner ein­stel­len kann. Damit hat sich die Rechts- und Pla­nungs­si­cher­heit auch für die Anwen­der ver­bes­sert. Fer­ner kön­nen die zur Umset­zung der gesetz­li­chen Vor­ga­ben erfor­der­li­chen Betriebs­füh­rungs­maß­nah­men auf bereits bestehen­den Tren­nungs­prak­ti­ken oder ‑ver­fah­ren und bis­he­ri­gen Erfah­run­gen mit der Behand­lung iden­ti­täts­ge­schütz­ter Pflan­zen­sor­ten und den Saat­guter­zeu­gungs­prak­ti­ken auf­bau­en. Schließ­lich besteht die Mög­lich­keit, mit Nach­bar­be­trie­ben zusam­men­zu­ar­bei­ten. Manage­ment und Erzeu­gung kön­nen koor­di­niert und zum Bei­spiel Sor­ten mit unter­schied­li­chen Blü­te­zei­ten ver­wen­det, unter­schied­li­che Aus­saat­zei­ten ver­ein­bart oder Frucht­fol­gen auf­ein­an­der abge­stimmt wer­den. Bereits auf die­sem Weg kön­nen die Kos­ten für die Tren­nung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten und nicht ver­än­der­ten Kul­tu­ren erheb­lich gesenkt, das Risi­ko von Aus­kreu­zun­gen in benach­bar­te Kul­tu­ren mini­miert, die Ein­hal­tung der Kenn­zeich­nungs­schwel­len­wer­te für Lebens­mit­tel und Fut­ter­mit­tel ermög­licht und letzt­lich auch Haf­tungs­fäl­le von vorn­her­ein ver­mie­den wer­den.

Dem­ge­gen­über über­wie­gen die legi­ti­men Gemein­wohl­zie­le, die den Gesetz­ge­ber zur Nor­mie­rung der Vor­sor­ge­pflicht, der guten fach­li­chen Pra­xis und der Eig­nung von Per­son und Aus­stat­tung ver­an­lasst haben. Sie könn­ten, unbe­scha­det der Ein­ord­nung von § 16b Abs. 4 GenTG als Berufs­aus­übungs­re­ge­lung, sogar eine Rege­lung der Berufs­wahl recht­fer­ti­gen. Der Schutz von Men­schen, Tie­ren, Pflan­zen und der Umwelt in ihrem Wir­kungs­ge­fü­ge sind ver­fas­sungs­recht­lich in Art. 2 Abs. 2 Satz 1, Art. 12 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 sowie Art. 20a GG ver­an­kert. Die flan­kie­ren­den, oben dar­ge­stell­ten Rege­lungs­zie­le die­nen eben­falls wich­ti­gen Belan­gen des Gemein­wohls und sind wie bei­spiels­wei­se der Ver­brau­cher­schutz auch im Uni­ons­recht aner­kannt.

Bei der Ver­wirk­li­chung die­ser Zie­le muss dem Gesetz­ge­ber gera­de vor dem Hin­ter­grund der brei­ten gesell­schaft­li­chen und wis­sen­schaft­li­chen Debat­te um den Ein­satz von Gen­tech­nik und sei­ne ange­mes­se­ne staat­li­che Regu­lie­rung ein groß­zü­gi­ger Ent­schei­dungs­spiel­raum zuge­stan­den wer­den.

Setzt man die­se betrof­fe­nen, ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Rech­te und Inter­es­sen zuein­an­der ins Ver­hält­nis und bezieht die wei­te­ren flan­kie­ren­den Rege­lungs­zie­le in die Abwä­gung ein, so ist die vom Gesetz­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Gewich­tung nicht zu bean­stan­den.

Weder beein­träch­ti­gen die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen über die Vor­sor­ge­pflicht, die gute fach­li­che Pra­xis und die Eig­nung von Per­son und Aus­stat­tung die am Umgang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men Betei­lig­ten unzu­mut­bar (§ 16b Abs. 1, 2, 3 und 4 GenTG) noch ste­hen die Anfor­de­run­gen an Per­son und Aus­stat­tung außer Ver­hält­nis zu dem ange­streb­ten Zweck der ord­nungs­mä­ßi­gen Erfül­lung der Berufs­tä­tig­keit (§ 16b Abs. 4 GenTG).

Der Gesetz­ge­ber hat den Behör­den und Fach­ge­rich­ten auch genü­gend Spiel­raum belas­sen, um eine ver­hält­nis­mä­ßi­ge Anwen­dung von § 16b Abs. 1, 2, 3 und 4 GenTG im Ein­zel­fall sicher­zu­stel­len. Dies betrifft ins­be­son­de­re die Fra­ge, was im Ein­zel­fall zur Vor­sor­ge­pflicht und guten fach­li­chen Pra­xis gehört. Die all­ge­mein gehal­te­nen Vor­ga­ben zur Vor­sor­ge­pflicht und guten fach­li­chen Pra­xis las­sen es zu, die tat­säch­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen des Umgangs mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men im Ein­zel­fall, ins­be­son­de­re an den kon­kre­ten Anbau­stand­or­ten, ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen und den Inhalt der Pflich­ten auf das Maß zu beschrän­ken, wel­ches jeweils zur Ver­mei­dung wesent­li­cher Beein­träch­ti­gun­gen der Schutz­gü­ter des § 1 Nr. 1 und 2 GenTG erfor­der­lich ist.

Der den Rechts­an­wen­dern belas­se­ne Spiel­raum wahrt dabei die Gren­zen der Zumut­bar­keit. Die erfor­der­li­chen Stan­dards sind suk­zes­si­ve durch admi­nis­tra­ti­ve und gericht­li­che Vor­ga­ben unter Wah­rung des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit aus­zu­for­men. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass der Ein­satz von Gen­tech­nik grund­sätz­lich zuge­las­sen ist und nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers mög­lich blei­ben soll. § 16b GenTG ver­langt kei­ne Vor­keh­run­gen, die mit abso­lu­ter Sicher­heit Risi­ken für die Rechts­gü­ter des § 1 Nr. 1 und 2 GenTG aus­schlie­ßen sol­len und damit fak­tisch auf ein Ver­bot des Umgangs mit zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­se­nen gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men hin­aus­lau­fen kön­nen. Die Aus­brei­tung die­ser Orga­nis­men soll viel­mehr durch einen ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang nur so weit wie mög­lich ver­mie­den und bei Unver­meid­bar­keit auf ein Min­dest­maß redu­ziert wer­den. Anfor­de­run­gen dür­fen daher nach der Geset­zes­la­ge nur so weit gehen, wie sie nach den Gege­ben­hei­ten des Ein­zel­falls erfor­der­lich und zumut­bar sind. Inner­halb die­ses Rah­mens geben der­zeit die Gen­tech­nik-Pflan­zen­er­zeu­gungs­ver­ord­nung, die Emp­feh­lun­gen der Euro­päi­schen Uni­on für Koexis­tenz­maß­nah­men und die in der mit­zu­lie­fern­den Pro­dukt­in­for­ma­ti­on vor­ge­ge­be­nen Anwen­dungs­be­stim­mun­gen (§ 16b Abs. 5 GenTG) den Betei­lig­ten wei­te­re Maß­stä­be für die Kon­kre­ti­sie­rung der ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen an die Hand. Ver­blei­ben­de Unsi­cher­hei­ten füh­ren nicht zu einer unzu­mut­ba­ren Belas­tung der Ver­wen­der von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men.

Die mit § 16b Abs. 4 GenTG ver­bun­de­nen Beschrän­kun­gen sind aus der Sache her­aus legi­ti­miert. Sie beru­hen dar­auf, dass es beson­de­rer theo­re­ti­scher und prak­ti­scher Kennt­nis­se und einer ent­spre­chen­den Betriebs­or­ga­ni­sa­ti­on bedarf, um Ein­trä­ge in ande­re Kul­tu­ren zu ver­mei­den oder so weit wie mög­lich zu redu­zie­ren, und dass die Aus­übung des jewei­li­gen Beru­fes ohne sol­che Vor­aus­set­zun­gen unsach­ge­mäß wäre und Gefah­ren für die Schutz­gü­ter des § 1 Nr. 1 und 2 GenTG mit sich brin­gen wür­de.

Wis­sen­schafts­frei­heit, Art. 5 III GG[↑]

§ 16b Abs. 1, 2 und 3 GenTG sind auch mit der Wis­sen­schafts­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG) ver­ein­bar.

Die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen über die Vor­sor­ge­pflicht und gute fach­li­che Pra­xis sind an der Gewähr­leis­tung der Wis­sen­schafts­frei­heit zu mes­sen, soweit sie nicht aus­schließ­lich für den Umgang zu erwerbs­wirt­schaft­li­chen, gewerbs­mä­ßi­gen oder ver­gleich­ba­ren Zwe­cken gel­ten. Der Schutz­be­reich ist inso­weit jeden­falls für die expe­ri­men­tel­le For­schung an Uni­ver­si­tä­ten eröff­net.

Die Vor­ga­ben der Vor­sor­ge­pflicht und guten fach­li­chen Pra­xis für den Umgang mit zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­se­nen gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men grei­fen in die von Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG gewähr­leis­te­te Frei­heit ein, die Fra­ge­stel­lung und Metho­dik ein­schließ­lich der prak­ti­schen Durch­füh­rung eines For­schungs­pro­jek­tes frei zu bestim­men.

Die legi­ti­men Gemein­wohl­be­lan­ge, die den Ein­griff in Art. 12 Abs. 1 GG recht­fer­ti­gen, näm­lich Leben und Gesund­heit von Men­schen, die Berufs- und Eigen­tums­frei­heit mög­li­cher Betrof­fe­ner (Art. 2 Abs. 2 Satz 1, Art. 12 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1 GG) und der Schutz der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen (Art. 20a GG) sind wich­ti­ge Wer­te von Ver­fas­sungs­rang, die aus den schon genann­ten Grün­den auch einen Ein­griff in die Wis­sen­schafts­frei­heit recht­fer­ti­gen.

All­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit, Art. 2 I GG[↑]

§ 16b Abs. 1, 2, 3 und 4 GenTG ver­let­zen nicht Art. 2 Abs. 1 GG.

Art. 2 Abs. 1 GG kommt als Prü­fungs­maß­stab für die Ein­schrän­kung der wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gungs­frei­heit von aus­län­di­schen Per­so­nen und die Ver­pflich­tung von Pri­vat­per­so­nen, die nicht erwerbs­wirt­schaft­lich mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men umge­hen, in Betracht, die nicht unter den Schutz der Berufs­frei­heit fal­len (Art. 12 Abs. 1 GG). Der Ein­griff in die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit ist jedoch aus den zu Art. 12 Abs. 1 GG genann­ten Grün­den gerecht­fer­tigt.

Soweit § 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG n.F. an das Schwei­gen Rechts­fol­gen anknüpft, ist hier­mit kei­ne unzu­mut­ba­re Belas­tung für den Nach­barn ver­bun­den. Selbst wenn man die Rege­lung als Fall einer fin­gier­ten Wil­lens­er­klä­rung und Ein­griff in die Pri­vat­au­to­no­mie ansieht, ist sie jeden­falls gerecht­fer­tigt.

Die Anknüp­fung von Rechts­wir­kun­gen an das Schwei­gen gemäß § 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG n.F. besei­tigt Unge­wiss­hei­ten über die Zustim­mung zu einer bestimm­ten Anbau­pla­nung und ver­bes­sert damit die Pla­nungs- und Rechts­si­cher­heit bei den nach § 3 GenT­PflEV mit­tei­lungs­pflich­ti­gen und nach § 16b Abs. 1 Satz 4 GenTG anzei­ge­pflich­ti­gen Grund­stücks­nut­zun­gen. Damit ver­bun­den ist das Anlie­gen des Gesetz­ge­bers, die Abstim­mung der Anbau­pla­nung als Mit­tel zur Siche­rung der Koexis­tenz zu för­dern und gleich­zei­tig den Ver­wen­der von Gen­tech­nik zuguns­ten geschütz­ter Inter­es­sen nicht mehr als nötig zu belas­ten. § 16b Abs. 1 Satz 2 GenTG n.F. ist zur Errei­chung die­ser legi­ti­men Ziel­set­zung geeig­net und erfor­der­lich.

Auch die Ange­mes­sen­heit ist gewahrt. Der Gesetz­ge­ber wer­tet typi­sie­rend die­je­ni­gen Per­so­nen, denen der Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men mit­zu­tei­len ist, als schutz­be­dürf­tig. Wer kon­ven­tio­nell oder öko­lo­gisch wirt­schaf­tet, soll dar­auf ver­trau­en dür­fen, dass mög­li­cher­wei­se beein­träch­ti­gen­der Anbau mit­ge­teilt und abge­stimmt wird. Ande­rer­seits ver­langt der Gesetz­ge­ber von den so Geschütz­ten, sich auf kon­kre­te Anfra­ge des Ver­wen­ders von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men inner­halb einer Monats­frist über ihr Schutz­be­dürf­nis zu erklä­ren. Andern­falls wird unter­stellt, dass kein Schutz­be­darf besteht, so dass der Ver­wen­der den geplan­ten Anbau umset­zen kann. Er wird damit auch von der Unsi­cher­heit der Prü­fung ent­las­tet, ob in dem Schwei­gen ein kon­klu­den­ter Ver­zicht liegt. Die­ser Aus­gleich der mög­li­cher­wei­se gegen­läu­fi­gen Inter­es­sen bewegt sich inner­halb des gesetz­ge­be­ri­schen Gestal­tungs­spiel­raums.

All­ge­mei­ner Gleich­heits­satz, Art. 3 I GG[↑]

Die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen über die Vor­sor­ge­pflicht, die gute fach­li­che Pra­xis und die Eig­nung von Per­son und Aus­stat­tung ver­let­zen auch den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG nicht.

Die Ungleich­be­hand­lung der zur Vor­sor­ge ver­pflich­te­ten Ver­wen­der von Gen­tech­nik im Ver­gleich zu kon­ven­tio­nell oder öko­lo­gisch wirt­schaf­ten­den Land­wir­ten folgt aus den beson­de­ren Eigen­schaf­ten der Pro­duk­te, die gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men ent­hal­ten oder dar­aus bestehen. Der Gesetz­ge­ber ver­folgt mit der Dif­fe­ren­zie­rung legi­ti­me Gemein­wohl­zie­le, die so gewich­tig sind, dass sie nicht nur den Ein­griff in Art. 12 Abs. 1 und Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG, son­dern auch die Ungleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen.

Soweit § 16b GenTG zwi­schen den­je­ni­gen, die erwerbs­wirt­schaft­lich oder ver­gleich­bar mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men umge­hen und ande­ren Ver­wen­dern von Gen­tech­nik dif­fe­ren­ziert, beruht dies zum einen dar­auf, dass gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men zu erwerbs­wirt­schaft­li­chen Zwe­cken regel­mä­ßig in grö­ße­rem Umfang als zu ande­ren Zwe­cken ein­ge­setzt wer­den und die Schutz­gü­ter damit in grö­ße­rem Aus­maß gefähr­det sind. Zum ande­ren ste­hen den zusätz­li­chen Anfor­de­run­gen im Rah­men des erwerbs­wirt­schaft­li­chen Umgangs typi­scher­wei­se auch grö­ße­re Vor­tei­le aus der Nut­zung der Gen­tech­no­lo­gie gegen­über. Die­se Umstän­de recht­fer­ti­gen die Ungleich­be­hand­lung.

Die Ungleich­be­hand­lung der zur Vor­sor­ge ver­pflich­te­ten Ver­wen­der von ver­kehrs­zu­ge­las­se­nen gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men im Ver­gleich zu den­je­ni­gen, die sol­che Orga­nis­men zu Ver­suchs­zwe­cken frei­set­zen, knüpft schließ­lich dar­an an, dass in der Frei­set­zungs­ge­neh­mi­gung die nach dem Stand von Wis­sen­schaft und Tech­nik erfor­der­li­chen Sicher­heits­maß­nah­men im Ein­zel­fall und auf den jewei­li­gen Ver­such und Stand­ort ange­passt vor­ge­ge­ben wer­den kön­nen (§ 16 Abs. 1 Nr. 2 GenTG). Eine ange­mes­se­ne Berück­sich­ti­gung kon­kre­ter Anbau­be­din­gun­gen ist hin­ge­gen in der Geneh­mi­gung zum Inver­kehr­brin­gen regel­mä­ßig nicht mög­lich, da die­se für eine Viel­zahl von Anbau­stand­or­ten und all­ge­mein­gül­tig für jeden Mit­glied­staat erteilt wird. Die­ser Umstand recht­fer­tigt die Dif­fe­ren­zie­rung.

Nach­bar­recht­li­che Ansprü­che bei Nut­zungs­be­ein­träch­ti­gun­gen, § 36a GenTG[↑]

§ 36a GenTG ist mit Art. 14 Abs. 1, Art. 12 Abs. 1, Art. 5 Abs. 3 Satz 1 und Art. 3 Abs. 1 GG ver­ein­bar.

Nach der nach­bar­recht­li­chen Kon­zep­ti­on des § 36a GenTG sind Haf­tungs­adres­sa­ten die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer oder Nut­zer des emit­tie­ren­den Grund­stücks, soweit sie die beein­träch­ti­gen­de Nut­zungs­art bestim­men und, wenn die Stö­rung von einer Anla­ge aus­geht, die­je­ni­gen, wel­che die Anla­ge hal­ten und von deren Wil­len die Besei­ti­gung abhängt.

Von § 36a GenTG betrof­fen sind daher in ers­ter Linie die Ver­wen­der von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men in For­schung, Land‑, Forst- und Gar­ten­wirt­schaft. Zum Kreis der Haf­ten­den gehö­ren fer­ner juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts wie bei­spiels­wei­se Uni­ver­si­tä­ten jeden­falls dann, wenn sich die Nut­zung des emit­tie­ren­den Grund­stücks nicht als schlicht hoheit­li­ches, son­dern pri­vat­recht­li­ches Han­deln dar­stellt und sie daher der zivil­recht­li­chen Haf­tung unter­lie­gen. Die Fra­ge, ob sie auch bei schlicht-hoheit­li­chem Han­deln zu den Adres­sa­ten des § 36a GenTG zäh­len, bedarf kei­ner abschlie­ßen­den Klä­rung. Wie die bis­he­ri­ge Recht­spre­chungs­pra­xis zeigt, ist die Haf­tung staat­li­cher For­schungs­ein­rich­tun­gen nach pri­va­tem Nach­bar­recht nicht aus­ge­schlos­sen. Inso­fern ist die Fra­ge einer Ver­let­zung der Wis­sen­schafts­frei­heit ins­be­son­de­re von Uni­ver­si­tä­ten in die Prü­fung ein­zu­be­zie­hen.

Eigen­tums­ga­ran­tie, Art. 14 GG[↑]

§ 36a GenTG ist mit Art. 14 GG ver­ein­bar.

Die Vor­schrift regelt in Ver­bin­dung mit §§ 906, 1004 BGB, die zu den Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mun­gen des Eigen­tums gemäß Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG gehö­ren, die Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen Grund­stücks­nach­barn.

§ 36a GenTG ist kei­ne eigen­stän­di­ge Haf­tungs­re­ge­lung, son­dern kon­kre­ti­siert und ergänzt die bestehen­de ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ge Stö­rer­haf­tung im pri­va­ten Nach­bar­recht (§ 1004, 906 BGB). § 36a GenTG stellt bei der Aus­le­gung und Anwen­dung zen­tra­ler Begrif­fe der nach­bar­recht­li­chen Bestim­mun­gen durch Vor­ga­be zwin­gen­der Inter­pre­ta­ti­ons­re­geln sicher, dass ein nach­bar­recht­li­cher Abwehr- und Aus­gleichs­an­spruch in den Fäl­len besteht, in denen durch Ein­trä­ge von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men, ins­be­son­de­re in Form unge­woll­ter Aus­kreu­zun­gen, die Benut­zung eines frem­den Grund­stücks wesent­lich beein­träch­tigt wird (§ 36a Abs. 1 bis 3 GenTG). Fer­ner wird das pri­va­te Nach­bar­recht um eine Rege­lung ergänzt, die Schwie­rig­kei­ten beim Kau­sa­li­täts­be­weis behebt (§ 36a Abs. 4 GenTG).

Die­se neu­en Haf­tungs­re­ge­lun­gen knüp­fen nicht nur dem Wort­laut nach in § 36a Abs. 1 bis 3 GenTG an § 906 BGB und des­sen Tat­be­stands­merk­ma­le an, son­dern fügen sich auch in die Sys­te­ma­tik der nach­bar­recht­li­chen Stö­rer­haf­tung ein. Wie bis­her gilt, dass wesent­li­che Ein­wir­kun­gen, die ent­we­der nicht orts­üb­lich oder zwar orts­üb­lich, aber mit zumut­ba­rem wirt­schaft­li­chen Auf­wand zu ver­hin­dern sind, nicht hin­ge­nom­men wer­den müs­sen. Der­ar­ti­ge Beein­träch­ti­gun­gen sind rechts­wid­rig. Hier­ge­gen steht dem Betrof­fe­nen grund­sätz­lich ein auf Unter­las­sung oder Besei­ti­gung gerich­te­ter Abwehr­an­spruch aus § 1004 Abs. 1 BGB zu. Hat ein Nach­bar hin­ge­gen Ein­wir­kun­gen zu dul­den, so kann ein Anspruch auf ange­mes­se­nen Aus­gleich in Geld nach § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB oder ana­log die­ser Vor­schrift gege­ben sein. Unbe­rührt blei­ben der Anspruch auf Schutz­vor­keh­run­gen nach § 23 Satz 1 GenTG und der Anspruch auf finan­zi­el­len Aus­gleich nach § 23 Satz 2 GenTG ins­be­son­de­re bei Vor­lie­gen einer nach Anhö­rung (§ 18 Abs. 2 GenTG) erteil­ten, unan­fecht­ba­ren Frei­set­zungs­ge­neh­mi­gung.

Eine § 36a Abs. 4 GenTG ent­spre­chen­de Rege­lung kennt das Bür­ger­li­che Gesetz­buch zwar nicht. Die Vor­schrift kann jedoch als Wei­ter­ent­wick­lung der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung zur gesamt­schuld­ne­ri­schen Haf­tung meh­re­rer emit­tie­ren­der Eigen­tü­mer und zur Anwen­dung von § 830 Abs. 1 Satz 2, § 840 BGB und § 287 ZPO auf den nach­bar­recht­li­chen Aus­gleichs­an­spruch nach § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB gese­hen wer­den.

Die­ses Ver­ständ­nis wird durch die Geset­zes­ma­te­ria­li­en unter­stützt, nach denen durch § 36a Abs. 1 bis 3 GenTG zen­tra­le Ele­men­te der nach­bar­recht­li­chen Bestim­mun­gen (§ 906, 1004 BGB) kon­kre­ti­siert und mit § 36a Abs. 4 GenTG eine gesamt­schuld­ne­ri­sche Haf­tung nach § 830 Abs. 1 Satz 2, § 840 Abs. 1 BGB nor­miert wer­den soll­ten.

§ 36a GenTG stellt sich daher nach sei­nem Sinn und Zweck als Norm der nach­bar­recht­li­chen Stö­rer­haf­tung dar. Eine neu­ar­ti­ge Haf­tung im Sys­tem des pri­va­ten Nach­bar­rechts wird hier­durch nicht begrün­det. Auch die §§ 906, 1004 BGB regeln die Koexis­tenz von Nach­barn.

Der Anspruch auf ange­mes­se­nen Aus­gleich ana­log § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB führt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht zu einer Gefähr­dungs­haf­tung. Denn im Gegen­satz zur Gefähr­dungs­haf­tung für eine gefähr­li­che Ein­rich­tung im Ver­hält­nis zwi­schen Nach­barn geht es bei dem nach­bar­recht­li­chen Aus­gleichs­an­spruch ana­log § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB nicht um das Ein­ste­hen für Schä­den, die allein auf das recht­mä­ßi­ge Vor­han­den­sein einer Anla­ge oder eine erlaub­te Tätig­keit zurück­zu­füh­ren sind, son­dern um die Haf­tung für rechts­wid­ri­ge, aber aus tat­säch­li­chen Grün­den zu dul­den­de Stö­run­gen aus einer bestim­mungs­ge­mä­ßen Grund­stücks­nut­zung. Der Aus­gleich rich­tet sich nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wie bei § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB nach den Grund­sät­zen über die Ent­eig­nungs­ent­schä­di­gung. Die­se Ver­pflich­tung zur Aus­gleichs­leis­tung nach den Grund­sät­zen des Nach­bar­rechts ist mit einem Scha­dens­er­satz­an­spruch nicht not­wen­dig deckungs­gleich; es besteht viel­mehr Raum für eine wer­ten­de Ent­schei­dung.

Kon­kur­rie­ren­de kon­ven­tio­nell oder öko­lo­gisch wirt­schaf­ten­de Land­wir­te sind eben­so wie ande­re Emit­ten­ten auch der ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­gen Stö­rer­haf­tung im Nach­bar­recht unter­wor­fen. Die Bezug­nah­me auf öffent­lich­recht­li­che Grenz­wer­te (§ 906 Abs. 1 Satz 2 und 3 BGB) ist der nach­bar­recht­li­chen Stö­rer­haf­tung eben­so wenig fremd wie die Ursa­chen­ver­mu­tung zur Über­win­dung von Schwie­rig­kei­ten des Kau­sa­li­täts­be­wei­ses bei meh­re­ren Ver­ur­sa­chern (§ 830 Abs. 1 Satz 2 BGB und § 287 ZPO). Dass die Risi­ken einer Grund­stücks­nut­zung mög­li­cher­wei­se nicht ange­mes­sen kal­ku­liert und ver­si­chert wer­den kön­nen, schließt die nach­bar­recht­li­che Stö­rer­haf­tung nicht aus. Eine Frei­stel­lung der Ver­wen­der von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men von der ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­gen Haf­tung im Nach­bar­recht wür­de im Ergeb­nis daher kei­ne Benach­tei­li­gung besei­ti­gen, son­dern die­se im Ver­gleich zu ande­ren Emit­ten­ten pri­vi­le­gie­ren.

§ 36a GenTG bestimmt, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen wegen Ein­trä­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men Abwehr­an­sprü­che aus § 1004 BGB und Aus­gleichs­an­sprü­che nach oder ana­log § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB gegen Grund­stücks­ei­gen­tü­mer oder Nut­zer des emit­tie­ren­den Grund­stücks gel­tend gemacht wer­den kön­nen.

Wie die §§ 906, 1004 BGB legt die Norm in gene­rell-abs­trak­ter Wei­se Rech­te und Pflich­ten der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer fest und ist damit Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung des Eigen­tums gemäß Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG. Die Vor­schrift wahrt die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen, die an eine sol­che Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung zu stel­len sind.

Die Vor­schrift ist hin­rei­chend bestimmt.

Die Bezug­nah­me auf Vor­schrif­ten über die Kenn­zeich­nung von Erzeug­nis­sen, die auch von einem ande­ren, nament­lich dem euro­päi­schen Gesetz­ge­ber erlas­sen und von ihm geän­dert wer­den kön­nen, ist nicht zu bean­stan­den.

Nach § 36a Abs. 1 Nr. 2 und 3 GenTG stel­len die Pflicht zur Kenn­zeich­nung von Erzeug­nis­sen als gen­tech­nisch ver­än­dert (Nr. 2) oder der Ver­lust einer Kenn­zeich­nungs­mög­lich­keit hin­sicht­lich einer bestimm­ten Pro­duk­ti­ons­wei­se (Nr. 3) als Fol­ge eines Ein­trags von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men eine wesent­li­che Beein­träch­ti­gung des Eigen­tums im Sinn von § 906 BGB dar. § 36a Abs. 1 Nr. 2 und 3 GenTG setzt also die Exis­tenz von „Vor­schrif­ten“ oder „Rechts­vor­schrif­ten“ über die Kenn­zeich­nung zwar vor­aus, um einen Sach­ver­halt zu defi­nie­ren, der den Abwehr­an­spruch nach § 1004 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 906 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 BGB oder den Aus­gleichs­an­spruch nach § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB aus­löst. Es han­delt sich jedoch nicht um eine Ver­wei­sung auf die jewei­li­gen Kenn­zeich­nungs­vor­schrif­ten. Die­se wer­den weder zum Bestand­teil von § 36a Abs. 1 Nr. 2 und 3 GenTG noch ändern sich ihr Anwen­dungs­be­reich, Rang oder ihre Qua­li­tät. Der Gesetz­ge­ber hat viel­mehr eine dem Anspruchs­stel­ler nach­tei­li­ge Rechts­la­ge beschrie­ben, deren Fol­gen dem Anspruchs­schuld­ner als Ver­ur­sa­cher zuzu­rech­nen sind. Eine ver­gleich­ba­re Rege­lungs­tech­nik mit Hil­fe einer Gene­ral­klau­sel ent­hält § 823 Abs. 2 BGB, der die Exis­tenz von Schutz­ge­set­zen vor­aus­setzt.

Der Gesetz­ge­ber hat auch im Übri­gen alle wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen selbst getrof­fen. Nach sei­nem Wil­len sol­len der Abwehr­an­spruch nach § 1004 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 906 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 BGB und der Aus­gleichs­an­spruch nach § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB bestehen, wenn der Nut­zungs­be­rech­tig­te eines benach­bar­ten Grund­stücks wegen der Über­tra­gung oder des sons­ti­gen Ein­trags von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men mit einer gesetz­li­chen Pflicht zur Kenn­zeich­nung belas­tet wird oder eine ihm vor­teil­haf­te gesetz­li­che Mög­lich­keit der Kenn­zeich­nung ent­fällt. Die Vor­aus­set­zun­gen für eine Kenn­zeich­nung kön­nen sich zwar – etwa durch Absen­kung oder Anhe­bung bestimm­ter Schwel­len­wer­te – ändern. Die für die Haf­tung rele­van­te Grund­ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, dass eine dem Stö­rer zuzu­rech­nen­de Rechts­pflicht zur Kenn­zeich­nung oder der ihm zuzu­rech­nen­de Ver­lust der Mög­lich­keit einer Kenn­zeich­nung die Benut­zung des Nach­bar­grund­stücks wesent­lich beein­träch­ti­gen, bleibt davon unbe­rührt. Sie schließt auch eine Ver­schär­fung der Haf­tung durch eine Absen­kung von Kenn­zeich­nungs­schwel­len­wer­ten ein.

§ 36a Abs. 1 GenTG begeg­net auch kei­nen Beden­ken im Hin­blick auf das rechts­staat­li­che Bestimmt­heits­ge­bot, soweit die Fall­grup­pen einer wesent­li­chen Beein­träch­ti­gung nicht abschlie­ßend nor­miert wur­den.

§ 36a Abs. 1 GenTG defi­niert und kon­kre­ti­siert den in § 906 BGB ent­hal­te­nen unbe­stimm­ten Rechts­be­griff der „wesent­li­chen Beein­träch­ti­gung“ im Zusam­men­hang mit dem Ein­trag von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men. Soweit der Gesetz­ge­ber die Fäl­le wesent­li­cher Beein­träch­ti­gun­gen nicht abschlie­ßend beschrie­ben hat, trägt dies der Viel­zahl denk­ba­rer, mög­li­cher­wei­se der­zeit nicht voll­stän­dig über­schau­ba­rer Fall­ge­stal­tun­gen Rech­nung.

Der Gesetz­ge­ber hat auch die Inter­es­sen der Betei­lig­ten und das Gemein­wohl in einen gerech­ten Aus­gleich und in ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis gebracht.

Mit der Auf­nah­me des § 36a GenTG ver­folgt der Gesetz­ge­ber legi­ti­me Gemein­wohl­zie­le.

Die­se erge­ben sich sowohl aus der Funk­ti­on der von § 36a GenTG ergänz­ten und kon­kre­ti­sier­ten nach­bar­recht­li­chen Bestim­mun­gen (ins­be­son­de­re § 906 BGB) als auch aus den Zie­len des Gen­tech­nik­ge­set­zes (§ 1 GenTG).

Wie § 906 BGB bezweckt § 36a GenTG den not­wen­di­gen Inter­es­sen­aus­gleich von Grund­stücks­nach­barn bei bestimm­ten Ein­wir­kun­gen, die von einem ande­ren Grund­stück aus­ge­hen. Auch die­se Norm schützt die von Ein­wir­kun­gen betrof­fe­nen Grund­ei­gen­tü­mer in ihrer von Art. 14 Abs. 1 GG gewähr­leis­te­ten Frei­heit, den Eigen­tums­ge­gen­stand nach eige­nen Vor­stel­lun­gen zu nut­zen und über die Ver­wen­dung des Eigen­tums­ob­jekts frei zu ent­schei­den. Wie die §§ 1004, 906 BGB weist § 36a GenTG dem Stö­rer die sach­li­che und finan­zi­el­le Ver­ant­wor­tung für die von sei­nem Grund­stück aus­ge­hen­den Ein­wir­kun­gen zu. Soweit er nach § 1004 BGB oder nach bezie­hungs­wei­se ana­log § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB zur Unter­las­sung, Besei­ti­gung oder zum ange­mes­se­nen Aus­gleich ver­pflich­tet ist, haf­tet er – und nicht unbe­tei­lig­te Drit­te oder die All­ge­mein­heit – für die Kos­ten­fol­gen. Die­se Zurech­nung hat ihren Grund dar­in, dass der Stö­rer die Beein­träch­ti­gung ver­an­lasst hat, dass er sie am bes­ten und effek­tivs­ten behe­ben kann und dass ihm die Vor­tei­le aus der stö­ren­den Grund­stücks­nut­zung zugu­te kom­men. Schließ­lich hat § 36a Abs. 4 GenTG wie § 830 Abs. 1 Satz 2 BGB zum Ziel, eine Beweis­schwie­rig­keit des Geschä­dig­ten zu über­win­den. Des­sen Ersatz­an­spruch soll nicht dar­an schei­tern, dass nicht mit vol­ler Sicher­heit fest­ge­stellt wer­den kann, wer von meh­re­ren Betei­lig­ten, deren Hand­lung den Scha­den bezie­hungs­wei­se die Beein­träch­ti­gung ver­ur­sacht haben kann, der eigent­li­che Schä­di­ger gewe­sen ist. Dem Inter­es­se des Eigen­tü­mers, Nut­zers oder Anla­gen­be­trei­bers, zur Haf­tung nur inso­weit her­an­ge­zo­gen zu wer­den, als ihn eine (Mit-)Verantwortung für die Beein­träch­ti­gung tref­fen kann, wird dadurch Rech­nung getra­gen, dass die ihm zuzu­rech­nen­de Ein­wir­kung nach den tat­säch­li­chen Umstän­den des Ein­zel­falls geeig­net gewe­sen sein muss, die Beein­träch­ti­gung zu ver­ur­sa­chen (§ 36a Abs. 4 Satz 1 GenTG). Die Gesamt­schuld folgt dabei dem für § 840 Abs. 1 BGB maß­geb­li­chen Gesichts­punkt, dass der Geschä­dig­te nicht mit dem Risi­ko belas­tet wer­den darf, dem er bei nur anteils­mä­ßi­ger Haf­tung meh­re­rer Scha­dens­ver­ur­sa­cher aus­ge­setzt wäre.

Mit dem Schutz der Nach­barn dient § 36a GenTG auch der Umset­zung des mit dem Gen­tech­nik­neu­ord­nungs­ge­setz 2004 in den Geset­zes­zweck auf­ge­nom­me­nen Koexis­tenz­be­lan­ges (§ 1 Nr. 2 GenTG) und des euro­päi­schen Koexis­tenz­kon­zep­tes (Art. 26a der Richt­li­nie 2001/​18/​EG). Nach § 1 Nr. 2 GenTG ist Ziel des Geset­zes zu gewähr­leis­ten, dass Pro­duk­te, ins­be­son­de­re Lebens- und Fut­ter­mit­tel sowohl kon­ven­tio­nell oder öko­lo­gisch als auch unter Ein­satz von Gen­tech­nik erzeugt und in den Ver­kehr gebracht wer­den kön­nen. Wie dar­ge­legt, fin­det die­se Ziel­set­zung ihre ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­la­ge in Art. 12 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 GG.

Zur Ver­wirk­li­chung die­ses Zwecks soll mit § 36a GenTG sicher­ge­stellt wer­den, dass ein nach­bar­recht­li­cher Abwehr- und Aus­gleichs­an­spruch für Fäl­le besteht, in denen durch Ein­trä­ge von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men, ins­be­son­de­re in Form unge­woll­ter Aus­kreu­zun­gen, die Nut­zung einer frem­den Sache wesent­lich beein­träch­tigt wird. Wäh­rend mit Vor­sor­ge­pflicht und guter fach­li­cher Pra­xis der ver­ant­wor­tungs­vol­le Umgang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men erreicht und wesent­li­che Beein­träch­ti­gun­gen der in § 1 Nr. 1 und 2 GenTG genann­ten Rechts­gü­ter und Belan­ge durch Ein­trä­ge die­ser Orga­nis­men von vorn­her­ein ver­mie­den wer­den sol­len, dient § 36a GenTG der Abwehr von (den­noch auf­tre­ten­den) Eigen­tums­be­ein­träch­ti­gun­gen und dem Aus­gleich damit ver­bun­de­ner Ver­mö­gens­schä­den bei benach­bar­ten Pro­du­zen­ten. Die Wahl­frei­heit der Pro­du­zen­ten soll gewahrt und das Eigen­tum an den jewei­li­gen Kul­tu­ren geschützt wer­den. Die Aus­übung der einen Pro­duk­ti­ons­me­tho­de soll nicht zu einer wirt­schaft­li­chen Bedro­hung der Per­so­nen füh­ren, die eine ande­re Metho­de anwen­den.

Mit der Gewähr­leis­tung der Koexis­tenz (§ 1 Nr. 2 GenTG) soll fer­ner die Wahl­frei­heit für Ver­brau­cher durch Bereit­stel­lung einer brei­ten, trans­pa­rent gekenn­zeich­ne­ten Pro­dukt­pa­let­te gewahrt, Rechts- und Pla­nungs­si­cher­heit für alle Sei­ten sicher­ge­stellt und jen­seits der Risi­ko­dis­kus­si­on ein gesell­schaft­li­ches Neben­ein­an­der der unter­schied­li­chen Pro­duk­ti­ons­wei­sen sowie eine gesell­schaft­li­che Befrie­dung erzielt wer­den.

Schließ­lich wird mit § 36a GenTG das euro­päi­sche Koexis­tenz­kon­zept auf natio­na­ler Ebe­ne umge­setzt. Dies ver­leiht den mit § 36a GenTG ver­folg­ten Zwe­cken zusätz­li­ches Gewicht. Ins­be­son­de­re das Ziel, den Land­wir­ten eine freie Ent­schei­dung zwi­schen kon­ven­tio­nel­len oder öko­lo­gi­schen Anbau­me­tho­den oder gen­tech­nisch ver­än­der­ten Kul­tu­ren unter Ein­hal­tung der Regeln für Eti­ket­tie­rung und/​oder Sor­ten­rein­heit zu ermög­li­chen, als auch das Ziel, den Ver­brau­chern die freie Wahl zwi­schen gen­tech­nik­frei­en und mit Gen­tech­nik her­ge­stell­ten Pro­duk­ten zu garan­tie­ren, sind zen­tra­le Anlie­gen auch auf euro­päi­scher Ebe­ne. Soweit § 36a Abs. 1 Nr. 1 GenTG das wegen eines Ein­trags von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men ohne ent­spre­chen­de Markt­zu­las­sung gel­ten­de Ver­bot des Inver­kehr­brin­gens als wesent­li­che Beein­träch­ti­gung defi­niert, ent­spricht dies dem euro­pa­recht­lich gel­ten­den Anbau- und Ver­mark­tungs­ver­bot für gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men, die als Pro­duk­te oder in Pro­duk­ten nicht zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­sen sind (Art. 6 Abs. 9, Art. 19 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/​18/​EG).

§ 36a GenTG för­dert außer­dem die Zie­le von § 1 Nr. 1 GenTG und damit den Schutz wich­ti­ger Wer­te von Ver­fas­sungs­rang wie des Lebens und der Gesund­heit von Men­schen, der Umwelt, aber auch der Eigen­tums­frei­heit mög­li­cher Betrof­fe­ner (Art. 2 Abs. 2 Satz 1, Art. 14 Abs. 1 und Art. 20a GG). § 36a GenTG kommt die­sen Zie­len nicht nur als prä­ven­ti­ves Instru­ment zur Durch­set­zung von Vor­sor­ge­pflicht und guter fach­li­cher Pra­xis zugu­te. Auch die für den Nach­barn mit der Kon­kre­ti­sie­rung und Ergän­zung der nach­bar­recht­li­chen Vor­schrif­ten gewähr­leis­te­te Mög­lich­keit, (bestimm­te) Ein­trä­ge abzu­weh­ren, dient dem Schutz der in § 1 Nr. 1 GenTG genann­ten Güter vor mög­li­chen Gefah­ren der Gen­tech­nik. Dies gilt ins­be­son­de­re, soweit die Orga­nis­men noch nicht zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­sen sind (§ 36a Abs. 1 Nr. 1 GenTG).

§ 36a GenTG setzt auch den Zweck um, den recht­li­chen Rah­men für die Erfor­schung, Ent­wick­lung, Nut­zung und För­de­rung der wis­sen­schaft­li­chen, tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten der Gen­tech­nik zu schaf­fen (§ 1 Nr. 3 GenTG). Die Frei­set­zung und der Anbau gen­tech­nisch ver­än­der­ter Kul­tu­ren wer­den grund­sätz­lich akzep­tiert. Nach­barn haben Beein­träch­ti­gun­gen durch Ein­trä­ge von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men im Regel­fall zu dul­den, soweit gesetz­li­che Tole­ranz­wer­te nicht über­schrit­ten oder die Metho­den guter fach­li­cher Pra­xis gewahrt sind. Die haf­tungs­recht­li­che Gleich­stel­lung des Anbaus gen­tech­nisch ver­än­der­ter Pflan­zen mit dem her­kömm­li­chen Anbau (§ 36a Abs. 3 GenTG) kann den groß­räu­mi­gen Ein­satz gen­tech­nisch ver­än­der­ter Kul­tu­ren för­dern.

Die Kon­kre­ti­sie­rung und Ergän­zung des pri­va­ten Nach­bar­rechts in § 36a GenTG ist ange­sichts des brei­ten Spiel­raums, den Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG dem Gesetz­ge­ber bei der Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums gibt, zur Errei­chung der mit dem Gesetz ver­folg­ten Gemein­wohl­zie­le geeig­net und erfor­der­lich.

Es ist auch kein eben­so geeig­ne­tes, aber weni­ger belas­ten­des Mit­tel erkenn­bar, das der Gesetz­ge­ber hät­te wäh­len kön­nen. Lösungs­an­sät­ze wie die Ein­füh­rung eines Media­ti­ons­ver­fah­rens und spe­zi­el­ler Anbau­ge­bie­te für gen­tech­nisch ver­än­der­te Kul­tu­ren und für öko­lo­gi­sche Erzeug­nis­se fol­gen einer ande­ren Kon­zep­ti­on für die Bewäl­ti­gung der Koexis­tenz­pro­ble­ma­tik und sind nicht geeig­net, die mit § 36a GenTG ver­folg­ten Zwe­cke in ihrer Gesamt­heit ver­gleich­bar umzu­set­zen.

Die im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren dis­ku­tier­te Mög­lich­keit eines frei­wil­li­gen Haf­tungs­fonds der Wirt­schaft wur­de von der Saat­gut­in­dus­trie abge­lehnt. Die Ein­rich­tung eines zumin­dest teil­wei­se staat­lich finan­zier­ten Haf­tungs­fonds stellt kein gleich geeig­ne­tes Mit­tel dar, um die mit § 36a GenTG ver­folg­ten Zie­le zu ver­wirk­li­chen. Ein Haf­tungs­fonds dient ande­ren Zie­len. Recht­lich wür­den die Ver­wen­der von Gen­tech­nik von der sie als Stö­rer tref­fen­den Fol­gen­ver­ant­wor­tung zumin­dest teil­wei­se befreit und damit im Ver­gleich zu ihren Kon­kur­ren­ten in der kon­ven­tio­nel­len und öko­lo­gi­schen Pro­duk­ti­on bes­ser gestellt. Volks­wirt­schaft­lich ent­fie­le für sie der Anreiz, neben pri­va­ten oder betriebs­wirt­schaft­li­chen Kos­ten nega­ti­ve exter­ne Effek­te bei ihren Akti­vi­tä­ten zu berück­sich­ti­gen. Schä­di­gen­de Wir­kun­gen der Grund­stücks­nut­zung für Drit­te wür­den über den staat­li­chen Haf­tungs­fonds von der All­ge­mein­heit getra­gen und damit gen­tech­nisch ver­än­der­te Pro­duk­te bezu­schusst wer­den.

Die Ergän­zung und Kon­kre­ti­sie­rung des pri­va­ten Nach­bar­rechts in § 36a GenTG stellt schließ­lich einen ange­mes­se­nen und aus­ge­wo­ge­nen Aus­gleich der betrof­fe­nen Inter­es­sen dar.

Die Ergän­zung und Kon­kre­ti­sie­rung des pri­va­ten Nach­bar­rechts durch § 36a GenTG gibt einer­seits der Nut­zung von Grund­stü­cken für geneh­mig­te Frei­set­zun­gen und geneh­mig­ten Anbau zum Inver­kehr­brin­gen stren­ge­re Rah­men­be­din­gun­gen vor. Ins­be­son­de­re bestehen, ohne dass es auf ein Ver­schul­den ankommt, nach­bar­recht­li­che Ansprü­che auch dann, wenn Ein­trä­ge von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men mit den Metho­den guter fach­li­cher Pra­xis nicht zu ver­hin­dern sind.

Auf der ande­ren Sei­te führt die Vor­ga­be zwin­gen­der Inter­pre­ta­ti­ons­re­geln für zen­tra­le Tat­be­stands­merk­ma­le der nach­bar­recht­li­chen Bestim­mun­gen zu mehr Rechts- und Pla­nungs­si­cher­heit auch für die Ver­wen­der von Gen­tech­nik. Die Gerich­te haben vor Ein­füh­rung des § 36a GenTG die §§ 1004, 906 BGB auf Ein­trä­ge von DNA durch Pol­len, Samen oder auf sons­ti­ge Wei­se ange­wandt, wobei sich eine gefes­tig­te Recht­spre­chung noch nicht her­aus­bil­den konn­te. Durch bestehen­de Aus­le­gungs­spiel­räu­me war die Rechts­la­ge nicht nur für mög­li­che Betrof­fe­ne, son­dern auch für die Ver­wen­der unklar und damit das Haf­tungs­ri­si­ko schwer zu kal­ku­lie­ren. Die­se Lage hat sich nun­mehr ver­bes­sert. So knüp­fen § 36a Abs. 1 Nr. 2 und 3 GenTG das Vor­lie­gen einer wesent­li­chen Beein­träch­ti­gung an gemein­schafts­recht­lich wie auch im deut­schen Recht fest­ge­leg­te Grenz­wer­te, also an nor­ma­ti­ve Stan­dards an, die für den betrof­fe­nen Nut­zungs­be­rech­tig­ten gel­ten und auf die sich ein Nach­bar eben­so ein­stel­len kann. Mit der haf­tungs­recht­li­chen Gleich­stel­lung des Anbaus gen­tech­nisch ver­än­der­ter Pflan­zen und des her­kömm­li­chen Anbaus (§ 36a Abs. 3 GenTG) kann der flä­chen­de­cken­de Anbau gen­tech­nisch ver­än­der­ter Pflan­zen in bestimm­ten Gebie­ten ermög­licht und geför­dert wer­den. Es ist nicht ersicht­lich, dass die Ver­wen­der von Gen­tech­nik eine ver­gleichs­wei­se stren­ge­re „Son­der­haf­tung“ trifft und sie Ein­wir­kun­gen der benach­bar­ten Land­wirt­schaft schutz­los gegen­über­ste­hen. Sie kön­nen wesent­li­che Beein­träch­ti­gun­gen nach §§ 1004, 906 BGB, die von gen­tech­nik­frei bewirt­schaf­te­ten Nach­bar­fel­dern aus­ge­hen, eben­falls abweh­ren oder, sofern sie zur Dul­dung ver­pflich­tet sind, einen ange­mes­se­nen finan­zi­el­len Aus­gleich ver­lan­gen. Die ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ge nach­bar­recht­li­che Stö­rer­haf­tung gibt inso­weit auch die Rah­men­be­din­gun­gen für die Berufs­aus­übung der kon­ven­tio­nell oder öko­lo­gisch arbei­ten­den Land­wir­te vor. Hin­sicht­lich der in § 36a Abs. 4 GenTG gere­gel­ten Beweis­erleich­te­rung gel­ten nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ver­gleich­ba­re Grund­sät­ze nach den all­ge­mei­nen nach­bar­recht­li­chen Vor­schrif­ten.

Die haf­ten­den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und ‑nut­zer haben eine etwai­ge Stö­rung zudem ver­an­lasst, von ihrem Wil­len hängt die Besei­ti­gung der Stö­rung ab und ihnen kom­men die Vor­tei­le aus der stö­ren­den Nut­zung zu. Die Zustands­ver­ant­wort­lich­keit des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers fin­det ihren Grund in der Sach­herr­schaft über das Eigen­tum und den damit ver­bun­de­nen Vor­tei­len, aber auch Las­ten. Wie dem Eigen­tü­mer nach gel­ten­dem Recht die Vor­tei­le der pri­va­ten Nut­zung der Sache auch dann zuflie­ßen, wenn sie ohne sein Zutun ent­ste­hen, muss er die Las­ten der Sache im Übri­gen selbst dann tra­gen, wenn die Gefahr nicht durch ihn ver­ur­sacht wor­den ist.

Mit dem bezweck­ten Inter­es­sen­aus­gleich zwi­schen Grund­stücks­nach­barn, der Siche­rung der Koexis­tenz ver­schie­de­ner land­wirt­schaft­li­cher Erzeu­gungs­for­men sowie dem Schutz und der Vor­sor­ge vor den Gefah­ren der Gen­tech­nik wer­den ins­be­son­de­re Eigen­tum und Berufs­frei­heit, mensch­li­ches Leben, Gesund­heit und Umwelt als andern­falls gefähr­de­te Güter von Ver­fas­sungs­rang geschützt. Wei­te­re wich­ti­ge, auch euro­pa­recht­lich aner­kann­te Gemein­wohl­be­lan­ge wie der Schutz der Ver­brau­cher wer­den gestärkt. Stellt man die­se Schutz­gü­ter in die Abwä­gung der betrof­fe­nen Rech­te und Inter­es­sen ein, so ist die vom Gesetz­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Gewich­tung von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den.

Berufs­aus­übungs­frei­heit, Art. 12 I GG[↑]

§ 36a GenTG greift in die Frei­heit der Berufs­aus­übung nach Art. 12 Abs. 1 GG ein, ist jedoch auch inso­weit ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt.

Die wirt­schaft­li­che Nut­zung eines emit­tie­ren­den Grund­stücks zu Erwerbs­zwe­cken fällt in den Schutz­be­reich von Art. 12 Abs. 1 GG. Die von § 36a GenTG gere­gel­ten Sach­ver­hal­te betref­fen zwar nicht aus­schließ­lich, jedoch typi­scher­wei­se ein von Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­tes berufs­be­zo­ge­nes Ver­hal­ten. § 36a GenTG gibt die recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für die indi­vi­du­el­le Erwerbs- und Leis­tungs­tä­tig­keit unter Anwen­dung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men vor und dient dem Gesetz­ge­ber auch als prä­ven­ti­ves Instru­ment zur För­de­rung der Ent­wick­lung, Anwen­dung und Durch­set­zung einer guten fach­li­chen Pra­xis im Umgang mit die­sen Orga­nis­men. Inso­weit unter­schei­det sich § 36a GenTG von § 906 BGB, der glei­cher­ma­ßen berufs­be­zo­ge­ne wie pri­va­te Grund­stücks­nut­zun­gen erfasst.

§ 36a GenTG ist daher neben Art. 14 Abs. 1 auch an Art. 12 Abs. 1 GG zu mes­sen.

§ 36a GenTG ent­hält zwar kei­nen unmit­tel­ba­ren Ein­griff. Der Grund­rechts­schutz ist aber nicht auf unmit­tel­ba­re Ein­grif­fe beschränkt. Art. 12 Abs. 1 GG ent­fal­tet sei­ne Schutz­wir­kung dabei auch gegen­über sol­chen Nor­men oder Akten, die sich zwar nicht unmit­tel­bar auf die Berufs­tä­tig­keit bezie­hen, jedoch eine objek­tiv berufs­re­geln­de Ten­denz haben.

Die Ergän­zung und Kon­kre­ti­sie­rung des pri­va­ten Nach­bar­rechts in § 36a GenTG ist geeig­net, die freie beruf­li­che Betä­ti­gung zu beein­flus­sen und ein­zu­schrän­ken. Dies gilt zunächst im Hin­blick auf die wirt­schaft­li­chen Fol­gen eines Haf­tungs­falls, die ein­zel­ne Ver­wen­der von Gen­tech­nik erheb­lich tref­fen und von ent­schei­den­der Bedeu­tung für deren wei­te­re beruf­li­che Tätig­keit sein kön­nen. Dar­über hin­aus wird den­je­ni­gen, die ein Grund­stück erwerbs­wirt­schaft­lich nut­zen, ein Anreiz ver­mit­telt, einen Haf­tungs­fall durch Ein­hal­tung der guten fach­li­chen Pra­xis (§ 16b GenTG) zu ver­mei­den und die anfal­len­den Kos­ten bei ihren Ent­schei­dun­gen im Rah­men der Berufs­aus­übung und der Markt­teil­ha­be zu ver­an­schla­gen. Dies kann die Wahl der Mit­tel, des Umfangs und der gegen­ständ­li­chen Aus­ge­stal­tung der Betä­ti­gung eben­so beein­flus­sen wie die Ent­schei­dun­gen über Art, Qua­li­tät und Preis der für den Markt pro­du­zier­ten Güter. Die Ergän­zung und Kon­kre­ti­sie­rung nach­bar­recht­li­cher Vor­schrif­ten erfasst dabei typi­scher­wei­se die von Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­te erwerbs­wirt­schaft­li­che Nut­zung von Grund­stü­cken und setzt die Rah­men­be­din­gun­gen für die ent­spre­chen­de Berufs­aus­übung. Die Haf­tung dient dem Gesetz­ge­ber nicht nur zum Aus­gleich der wider­strei­ten­den Inter­es­sen von Grund­stücks­nach­barn, son­dern auch als prä­ven­ti­ves Instru­ment zur För­de­rung der Ent­wick­lung, Anwen­dung und Durch­set­zung einer guten fach­li­chen Pra­xis im Umgang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men und zur Gewähr­leis­tung der Koexis­tenz ver­schie­de­ner Anbau­for­men in der Land­wirt­schaft.

Etwas ande­res gilt auch nicht, wenn man in § 36a GenTG nur eine Kon­kre­ti­sie­rung des­sen sehen wür­de, was nach § 906 BGB und der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ohne­hin gegol­ten hät­te. Die all­ge­mei­nen Regeln des Nach­bar­rechts sind zwar für die Berufs­aus­übung Rah­men­be­din­gun­gen, wel­che die­se nur reflex­haft tref­fen. § 36a GenTG kommt jedoch eine gegen­über § 906 BGB eigen­stän­di­ge und nicht nur reflex­ar­tig berufs­re­geln­de Wir­kung zu. In § 36a Abs. 1 bis 3 GenTG hat der Gesetz­ge­ber zen­tra­le Tat­be­stands­merk­ma­le der nach­bar­recht­li­chen Haf­tung nach §§ 1004, 906 BGB durch zwin­gen­de Inter­pre­ta­ti­ons­re­geln kon­kre­ti­siert und inso­weit der Aus­le­gung und ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Anwen­dung durch die Gerich­te ent­zo­gen. Dies geschieht gera­de in Bezug auf Sach­ver­hal­te, die typi­scher­wei­se auf der beruf­li­chen Nut­zung von Grund­stü­cken beru­hen. Die der Über­win­dung von Schwie­rig­kei­ten des Kau­sa­li­täts­be­wei­ses die­nen­de Rege­lung in § 36a Abs. 4 GenTG ist im Anwen­dungs­be­reich des Gen­tech­nik­rechts für alle Rechts­an­wen­der ver­bind­lich nor­miert, wäh­rend das Bür­ger­li­che Gesetz­buch eine ent­spre­chen­de Vor­schrift neben den von der Recht­spre­chung ana­log ange­wen­de­ten Bestim­mun­gen in § 830 Abs. 1 Satz 2 BGB und § 287 ZPO nicht kennt.

Der mit­tel­ba­re Ein­griff in die Berufs­frei­heit ist ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt.

Kei­ne rechts­staat­li­chen Beden­ken gegen § 36a GenTG bestehen unter dem Gesichts­punkt des Ver­trau­ens­schut­zes, ver­mit­telt durch eine Geneh­mi­gung zum Inver­kehr­brin­gen. Geneh­mi­gungs­in­ha­ber dürf­te beim kom­mer­zi­el­len Anbau gen­tech­nisch ver­än­der­ter Pflan­zen bereits regel­mä­ßig nicht der nach §§ 1004, 906 BGB, § 36a GenTG haf­ten­de Land­wirt, son­dern der Her­stel­ler des zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­se­nen Saat­gu­tes sein. Jeden­falls darf ein Geneh­mi­gungs­in­ha­ber auf­grund der öffent­lich­recht­li­chen Geneh­mi­gung nicht mit Wir­kung für Drit­te dar­auf ver­trau­en, dass die geneh­mig­te Nut­zung kei­ne Beein­träch­ti­gun­gen oder Schä­den ver­ur­sa­chen wird.

Die Geneh­mi­gung trifft, mit Aus­nah­me der aus­drück­li­chen Prä­k­lu­si­on von Abwehr­an­sprü­chen in § 23 Satz 1 GenTG, für die zivil­recht­li­che Haf­tung kei­ne Aus­sa­ge, über­trägt kei­ne Ver­ant­wor­tung für Beein­träch­ti­gun­gen auf den Staat und schafft kei­nen Ver­trau­ens­tat­be­stand, der einer spä­te­ren Haf­tung ent­ge­gen­steht. Dem­entspre­chend bestim­men Art. 7 Abs. 7 und Art. 19 Abs. 7 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1829/​2003, dass die Ertei­lung der Zulas­sung die all­ge­mei­ne zivil- und straf­recht­li­che Haf­tung der Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­un­ter­neh­mer hin­sicht­lich des betref­fen­den Lebens- oder Fut­ter­mit­tels nicht ein­schränkt. Es kommt auch nicht dar­auf an, ob dem Inha­ber einer gen­tech­nik­recht­li­chen Geneh­mi­gung öffent­lich­recht­li­che Vor­ga­ben gemacht und die­se ein­ge­hal­ten wur­den. Sol­che öffent­lich­recht­li­chen Pflich­ten sol­len im Inter­es­se der All­ge­mein­heit die Risi­ken der Ver­än­de­rung von Erb­ma­te­ri­al gering hal­ten. Sie haben jedoch nicht die Funk­ti­on, einen Stö­rer oder Schä­di­ger von sei­ner zivil­recht­li­chen Ver­ant­wor­tung frei­zu­stel­len.

§ 36a GenTG ist eine ver­hält­nis­mä­ßi­ge Berufs­aus­übungs­re­ge­lung.

Aus den glei­chen Grün­den, aus denen die Vor­schrift als zuläs­si­ge Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung des Eigen­tums für die Nut­zung von Grund­stücks­ei­gen­tum anzu­se­hen ist, dient sie auch unter dem Gesichts­punkt der Rege­lung der Berufs­aus­übung legi­ti­men Gemein­wohl­zie­len und ist für deren Ver­fol­gung geeig­net, erfor­der­lich und ange­mes­sen.

Soweit nicht vom Schutz­be­reich des Art. 12 Abs. 1 GG umfass­te Per­so­nen in ihrer wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gungs­frei­heit ein­ge­schränkt wer­den kön­nen, liegt dar­in ein Ein­griff in die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit (Art. 2 Abs. 1 GG), der aus den­sel­ben Grün­den gerecht­fer­tigt ist.

Wis­sen­schafts­frei­heit, Art. 5 III GG[↑]

Die durch Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG gewähr­leis­te­te Wis­sen­schafts­frei­heit ist gleich­falls nicht ver­letzt.

Die Ergän­zung und Kon­kre­ti­sie­rung des pri­va­ten Nach­bar­rechts in § 36a GenTG ist geeig­net, die freie wis­sen­schaft­li­che Betä­ti­gung zu beein­flus­sen und ein­zu­schrän­ken. Die Norm bestimmt die Vor­aus­set­zun­gen der zivil­recht­li­chen Fol­gen­ver­ant­wor­tung von Wis­sen­schaft­lern und ver­än­dert damit die Rah­men­be­din­gun­gen für eine freie For­schung. Das kon­kre­te Haf­tungs­ri­si­ko, die Fol­gen eines Haf­tungs­falls und die für Vor­sor­ge­maß­nah­men ent­ste­hen­den Auf­wen­dun­gen sind Fak­to­ren, wel­che für die Ent­schei­dung über Fra­ge­stel­lung, Umfang und prak­ti­sche Aus­füh­rung eines For­schungs­pro­jek­tes von maß­geb­li­cher Bedeu­tung sein kön­nen. Mit der stren­gen, ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­gen Haf­tung kann For­schung dahin­ge­hend gesteu­ert wer­den, dass Risi­ken früh­zei­tig bedacht und Expe­ri­men­te so orga­ni­siert und durch­ge­führt wer­den, dass Ein­trä­ge von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men auf ande­re Grund­stü­cke und damit ver­bun­de­ne Nach­tei­le für Drit­te und die All­ge­mein­heit ver­mie­den oder auf ein Min­dest­maß redu­ziert wer­den.

Die­ser Ein­griff in die Wis­sen­schafts­frei­heit ist gerecht­fer­tigt.

Im Bereich der Grund­stücks­nut­zung für For­schungs­ar­bei­ten mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men ste­hen sich ver­schie­de­ne Grund­rech­te und ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Inter­es­sen gegen­über. Denn die mit § 36a GenTG ver­folg­ten Zie­le fin­den eine ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­la­ge in Art. 2 Abs. 2 Satz 1, Art. 12 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1 GG und dem Staats­ziel des Schut­zes der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen in Art. 20a GG. Die­se sind Ver­fas­sungs­wer­te, die auch die Ein­schrän­kung der Wis­sen­schafts­frei­heit recht­fer­ti­gen.

Der Gesetz­ge­ber war um einen Aus­gleich der wider­strei­ten­den Rechts­po­si­tio­nen bemüht. Die­ses Anlie­gen ver­deut­li­chen nicht nur die mit § 36a GenTG ver­folg­ten Gemein­wohl­zie­le, son­dern auch die Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs zum Gen­tech­nik­än­de­rungs­ge­setz 2008. Die Rege­lun­gen des Gen­tech­nik­rechts soll­ten danach so aus­ge­stal­tet wer­den, dass sie For­schung und Anwen­dung der Gen­tech­nik in Deutsch­land för­dern. Gleich­zei­tig soll­te aber der Schutz von Mensch und Umwelt, ent­spre­chend dem Vor­sor­ge­grund­satz, obers­tes Ziel des Gen­tech­nik­rechts blei­ben. Die Wahl­frei­heit der Land­wir­te und Ver­brau­cher und die Koexis­tenz der ver­schie­de­nen Bewirt­schaf­tungs­for­men soll­ten gewahrt blei­ben.

Die­sen Ziel­set­zun­gen ent­spre­chend die­nen dem Gesetz­ge­ber neben der grund­sätz­li­chen Akzep­tanz von Frei­set­zung und Anbau gen­tech­nisch ver­än­der­ter Kul­tu­ren ins­be­son­de­re Ver­fah­rens­er­leich­te­run­gen dazu, die For­schung auf dem Gebiet der „grü­nen“ Gen­tech­nik vor­an­zu­brin­gen. Ande­rer­seits setzt der Gesetz­ge­ber der For­schung mit­tels einer stren­gen zivil­recht­li­chen Haf­tung dort Gren­zen, wo Rech­te Drit­ter gefähr­det oder beein­träch­tigt wer­den.

Die vom Gesetz­ge­ber gewähl­te Lösung berück­sich­tigt die betei­lig­ten ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Rechts­gü­ter in aus­rei­chen­dem Maße und wahrt die ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben.

Zwar unter­wirft § 36a GenTG die freie Wis­sen­schaft und For­schung zum Schutz kol­li­die­ren­der Rechts­gü­ter der­sel­ben stren­gen Haf­tung, wie sie auch für den sons­ti­gen Ein­satz von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men gilt. Wer­den nicht zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­se­ne Orga­nis­men zu For­schungs­zwe­cken frei­ge­setzt, kön­nen bereits Ein­trä­ge ab der Nach­weis­gren­ze zu einer wesent­li­chen Beein­träch­ti­gung und der damit ver­bun­de­nen ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­gen nach­bar­recht­li­chen Haf­tung füh­ren (§ 36a Abs. 1 Nr. 1 GenTG). Wer­den zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­se­ne gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men unter­sucht und erprobt, sind die Metho­den guter fach­li­cher Pra­xis zu beach­ten (§ 16b Abs. 2 und 3 GenTG). Die­se gel­ten gemäß § 36a Abs. 2 GenTG als wirt­schaft­lich zumut­bar. Auch die For­schung ist nicht von der Haf­tung frei­ge­stellt, soweit eine wesent­li­che Beein­träch­ti­gung nicht bereits durch Schutz­maß­nah­men und gute fach­li­che Pra­xis ver­hin­dert wer­den kann. Das Risi­ko eines gewis­sen, beim Anbau auf offe­nen Fel­dern mög­li­cher­wei­se nicht zu ver­mei­den­den Gen­trans­fers tra­gen auch im For­schungs­be­reich die Benut­zer des emit­tie­ren­den Grund­stücks. Geeig­ne­te Stand­or­te für das expe­ri­men­tel­le Ein­brin­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men in die Umwelt müs­sen von ihnen daher beson­ders sorg­fäl­tig aus­ge­wählt wer­den. Der Gesetz­ge­ber geht jedoch trotz die­ser stren­gen Haf­tung davon aus, den För­de­rungs­zweck des § 1 Nr. 3 GenTG umset­zen und einen Bei­trag für die Siche­rung des For­schungs­stand­orts Deutsch­land leis­ten zu kön­nen. Sei­ne Annah­me, die For­schung bei gleich­zei­ti­gem Schutz von Mensch und Umwelt und Wah­rung der Koexis­tenz för­dern zu kön­nen, ist ver­tret­bar.

Bei der Abwä­gung der gegen­läu­fi­gen Inter­es­sen ist zuguns­ten der Wis­sen­schafts­frei­heit zu berück­sich­ti­gen, dass gera­de eine von gesell­schaft­li­chen Nütz­lich­keits- und poli­ti­schen Zweck­mä­ßig­keits­vor­stel­lun­gen befrei­te Wis­sen­schaft dem Staat und der Gesell­schaft im Ergeb­nis am bes­ten dient. Die For­schung im Bereich der „grü­nen“ Gen­tech­nik, sei es Sicher­heits­for­schung, Ent­wick­lungs­for­schung oder Begleit­for­schung, ist zudem von hoher Bedeu­tung für das Gemein­wohl und dient regel­mä­ßig dem Schutz wesent­li­cher Belan­ge wie der mensch­li­chen Gesund­heit und der Umwelt. Die absicht­li­che Frei­set­zung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men ist in den meis­ten Fäl­len ein not­wen­di­ger Schritt auf dem Weg zur Ent­wick­lung neu­er Pro­duk­te, die von sol­chen Orga­nis­men abge­lei­tet sind oder die­se ent­hal­ten. Nach dem „Stu­fen­prin­zip“ dür­fen die Ein­schlie­ßung sol­cher Orga­nis­men nur dann stu­fen­wei­se gelo­ckert und ihre Frei­set­zung aus­ge­wei­tet wer­den, wenn die Bewer­tung der vor­he­ri­gen Stu­fe in Bezug auf den Schutz der mensch­li­chen Gesund­heit und der Umwelt erge­ben hat, dass die nächs­te Stu­fe ein­ge­lei­tet wer­den kann. Gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men in Pro­duk­ten oder als Pro­duk­te dür­fen für eine Markt­frei­ga­be nur dann in Betracht kom­men, wenn sie zuvor im For­schungs- und Ent­wick­lungs­sta­di­um in Feld­ver­su­chen in Öko­sys­te­men, die von ihrer Anwen­dung betrof­fen sein kön­nen, aus­rei­chend prak­tisch erprobt wur­den. Nach der Zulas­sung fin­det eine Über­wa­chung und markt­be­glei­ten­de Beob­ach­tung statt. Neue oder zusätz­li­che wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se über Gefah­ren für die mensch­li­che Gesund­heit oder die Umwelt kön­nen einen Mit­glied­staat berech­ti­gen, den Ein­satz und Ver­kauf eines gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­mus als Pro­dukt oder in einem Pro­dukt vor­über­ge­hend ein­zu­schrän­ken oder zu ver­bie­ten. For­schung mit zum Inver­kehr­brin­gen zuge­las­se­nen gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men kann der Koexis­tenz der ver­schie­de­nen land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­for­men die­nen, indem sie die Grund­la­gen für die Ent­wick­lung einer guten fach­li­chen Pra­xis lie­fert. Schließ­lich ist die Wech­sel­wir­kung des in die Umwelt ein­ge­brach­ten gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­mus mit einem umge­ben­den Öko­sys­tem nicht nur unbe­ab­sich­tig­te Neben­fol­ge, son­dern unver­zicht­ba­rer Gegen­stand der Unter­su­chung. Dies kann der Fall sein, wenn im Rah­men wis­sen­schaft­li­cher Pro­jek­te Basis­da­ten zur Koexis­tenz von Anbau­for­men mit oder ohne Gen­tech­nik erho­ben, aus­ge­wer­tet und in Emp­feh­lun­gen für die Pra­xis umge­setzt wer­den sol­len. Aber auch in der Ent­wick­lungs- und Sicher­heits­for­schung kann die Ver­brei­tung des gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­mus in der Umwelt not­wen­di­ger Teil eines Expe­ri­men­tes sein.

Zuguns­ten der kol­li­die­ren­den Rechts­gü­ter von Ver­fas­sungs­rang – Eigen­tum und Berufs­frei­heit, mensch­li­ches Leben, Gesund­heit und Umwelt – ist in die Abwä­gung ein­zu­stel­len, dass die For­schung an gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men sie gefähr­den kann. Ins­be­son­de­re die Sicher­heits- und Ent­wick­lungs­for­schung vor der Markt­zu­las­sung eines gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­mus kann ein hohes Risi­ko­po­ten­ti­al ber­gen, da noch unklar sein kann, wie die­ser Orga­nis­mus funk­tio­niert und wel­che Schä­den er für Men­schen, Pflan­zen, Tie­re und Bio­di­ver­si­tät ver­ur­sacht. Der Erpro­bungs­an­bau von ver­kehrs­zu­ge­las­se­nen gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men kann das ver­träg­li­che Neben­ein­an­der der ver­schie­de­nen land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­for­men einer­seits durch die Erlan­gung von Daten zur Koexis­tenz för­dern, ande­rer­seits durch Aus­kreu­zun­gen oder ande­re Ein­trä­ge die­ser Orga­nis­men auf benach­bar­te Flä­chen die kol­li­die­ren­den Belan­ge ((ins­be­son­de­re Art. 12 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1, Art. 20a GG) beein­träch­ti­gen. Für jeden For­schungs­be­reich gilt, dass ein­mal in die Umwelt absicht­lich ein­ge­brach­te oder durch einen Stör­fall frei­ge­setz­te Orga­nis­men unter Umstän­den nicht mehr zurück­ge­holt wer­den und Beein­träch­ti­gun­gen oder Schä­den an Rechts­gü­tern Drit­ter oder der Umwelt damit irrever­si­bel sein kön­nen.

Bezieht man die­se Gesichts­punk­te in die Betrach­tung ein, so ist die vom Gesetz­ge­ber in § 36a GenTG vor­ge­nom­me­ne Gewich­tung zuguns­ten der kol­li­die­ren­den Gemein­wohl­be­lan­ge nicht zu bean­stan­den. Die Gren­ze der Zumut­bar­keit ist auch für die zu For­schungs­zwe­cken han­deln­den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer oder Grund­stücks­nut­zer nicht über­schrit­ten.

All­ge­mei­ner Gleich­heits­satz, Art. 3 GG[↑]

§ 36a GenTG ver­letzt nicht den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz.

Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) gebie­tet, alle Men­schen vor dem Gesetz gleich zu behan­deln. Dem Gesetz­ge­ber ist damit aber nicht jede Dif­fe­ren­zie­rung ver­wehrt. Je nach Rege­lungs­ge­gen­stand und Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­len erge­ben sich unter­schied­li­che Gren­zen für den Gesetz­ge­ber, die vom blo­ßen Will­kür­ver­bot bis zu einer stren­gen Bin­dung an Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­er­for­der­nis­se rei­chen.

In § 36a Abs. 1, 2 und 4 GenTG wer­den die­je­ni­gen, die ein Grund­stück unter Ein­satz von Gen­tech­nik nut­zen und daher in den Anwen­dungs­be­reich der das pri­va­te Nach­bar­recht kon­kre­ti­sie­ren­den und ergän­zen­den Bestim­mun­gen fal­len, ungleich behan­delt im Ver­gleich zu ande­ren Emit­ten­ten, die nach all­ge­mei­nem zivil­recht­li­chen Nach­bar­recht haf­ten. Auch wenn die Haf­tungs­be­stim­mun­gen damit jeweils ande­re Per­so­nen­grup­pen betref­fen, geht es um die unter­schied­li­che Behand­lung ver­schie­de­ner Sach­ver­hal­te, näm­lich den Ein­satz von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men im Unter­schied zur sons­ti­gen Grund­stücks­nut­zung. Daher ist der Gesetz­ge­ber nur an den Will­kür­maß­stab gebun­den.

Der Gesetz­ge­ber hat die Dif­fe­ren­zie­rung nach sach­be­zo­ge­nen Kri­te­ri­en vor­ge­nom­men. § 36a Abs. 1 Nr. 1 bis 3 GenTG knüpft die Ungleich­be­hand­lung an eine für die betrof­fe­nen Nut­zungs­be­rech­tig­ten im Zusam­men­hang mit Ein­trä­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men gel­ten­de Rechts­la­ge und dar­aus resul­tie­ren­de Nach­tei­le an. Ver­gleich­ba­re Geneh­mi­gungs- und Kenn­zeich­nungs­pflich­ten für gen­tech­nisch ver­än­der­te Pro­duk­te, die durch Ein­trä­ge aus kon­ven­tio­nel­ler oder öko­lo­gi­scher Pro­duk­ti­on aus­ge­löst wer­den könn­ten, bestehen der­zeit nicht. In § 36a Abs. 2 GenTG knüpft die Ungleich­be­hand­lung an eine beson­de­re Rechts­la­ge an, die nur für die­je­ni­gen gilt, die mit ver­kehrs­zu­ge­las­se­nen gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­men umge­hen. § 36a Abs. 4 GenTG beruht auf dem Anlie­gen, die von der Recht­spre­chung im Rah­men der all­ge­mei­nen nach­bar­recht­li­chen Stö­rer­haf­tung für ande­re Emit­ten­ten ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze für den Bereich des Gen­tech­nik­rechts gesetz­lich zu regeln.

Der Gesetz­ge­ber ver­folgt mit der Dif­fe­ren­zie­rung die bereits dar­ge­stell­ten, ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten legi­ti­men Gemein­wohl­zie­le. Die­se sind so gewich­tig, dass sie nicht nur den Ein­griff in Art. 12 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1 und Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG, son­dern auch eine Ungleich­be­hand­lung ver­schie­de­ner Grup­pen von Emit­ten­ten und erst recht die unter­schied­li­che Behand­lung von Sach­ver­hal­ten recht­fer­ti­gen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 24. Novem­ber 2010 – 1 BvF 2/​05

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