Hof­zu­ge­hö­rig­keits­ver­mer­ke

Die zu einem Hof des­sel­ben Eigen­tü­mers gehö­ren­den Grund­stü­cke sind auf Ersu­chen des Land­wirt­schafts­ge­richts grund­sätz­lich auf einem beson­de­ren Grund­buch­blatt ein­zu­tra­gen (§ 7 Abs. 1 HöfeV­fO); schei­tert dies jedoch dar­an, dass bei einer Zusam­men­schrei­bung Ver­wir­rung nach § 4 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 GBO zu besor­gen wäre, ist die Hof­zu­ge­hö­rig­keit ent­spre­chend § 6 Abs. 4 HöfeV­fO aus­nahms­wei­se durch Ein­tra­gung wech­sel­sei­ti­ger Hof­zu­ge­hö­rig­keits­ver­mer­ke kennt­lich zu machen.

Hof­zu­ge­hö­rig­keits­ver­mer­ke

Aller­dings ist umstrit­ten, ob § 7 Abs. 1 HöfeV­fO die aus­nahms­lo­se Pflicht zur Anle­gung eines ein­heit­li­chen Grund­buch­blatts mit der Fol­ge zu ent­neh­men ist, dass die Ein­tra­gung von Hof­zu­ge­hö­rig­keits­ver­mer­ken aus­schei­det. Wäh­rend die Fra­ge ins­be­son­de­re unter Hin­weis auf § 4 Abs. 2 GBO teil­wei­se selbst dann bejaht wird, wenn die Hof­grund­stü­cke in ver­schie­de­nen Grund­buch­be­zir­ken lie­gen, kann nach der Gegen­auf­fas­sung die Hof­zu­ge­hö­rig­keit durch Ein­tra­gung eines Ver­merks kennt­lich gemacht wer­den. Die Buchung eines Grund­stücks in dem Grund­buch einer ande­ren Gemar­kung las­se den unzu­tref­fen­den Ein­druck ent­ste­hen, das Grund­stück sei dort bele­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund ent­spre­che es einer weit­ver­brei­te­ten Pra­xis, Hof­grund­stü­cke nur gemar­kungs­wei­se auf einem Grund­buch­blatt zusam­men­zu­schrei­ben.

Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schei­det die Streit­fra­ge dahin, dass die zu einem Hof des­sel­ben Eigen­tü­mers gehö­ren­den Grund­stü­cke auf Ersu­chen des Land­wirt­schafts­ge­richts grund­sätz­lich auf einem beson­de­ren Grund­buch­blatt ein­zu­tra­gen sind (§ 7 Abs. 1 HöfeV­fO); schei­tert dies jedoch dar­an, dass bei einer sol­chen Zusam­men­schrei­bung Ver­wir­rung nach § 4 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 GBO zu besor­gen wäre, ist die Hof­zu­ge­hö­rig­keit ent­spre­chend § 6 Abs. 4 HöfeV­fO aus­nahms­wei­se durch Ein­tra­gung wech­sel­sei­ti­ger Hof­zu­ge­hö­rig­keits­ver­mer­ke kennt­lich zu machen.

Nach § 4 Abs. 1 GBO kann über meh­re­re Grund­stü­cke des­sel­ben Eigen­tü­mers, deren Grund­bü­cher von dem­sel­ben Grund­buch­amt geführt wer­den, ein gemein­schaft­li­ches Grund­buch­blatt geführt wer­den, wenn hier­von Ver­wir­rung nicht zu besor­gen ist. Das gilt nach dem kla­ren und ein­deu­ti­gen Wort­laut des § 4 Abs. 2 GBO auch dann, wenn die zu einem Hof im Sin­ne der Höfe­ord­nung gehö­ren­den Grund­stü­cke in ver­schie­de­nen Grund­buch­be­zir­ken lie­gen. Auch in die­sen Fäl­len darf danach kei­ne Ver­wir­rung zu besor­gen sein.

Aus § 7 Abs. 1 HöfeV­fO, wonach das Land­wirt­schafts­ge­richt das Grund­buch­amt von Amts wegen zu ersu­chen hat, die zu einem Hof gehö­ren­den Grund­stü­cke auf einem beson­de­ren Grund­buch­blatt ein­zu­tra­gen, ergibt sich nichts ande­res. Die Vor­schrift muss im Zusam­men­hang mit § 4 Abs. 2 GBO gese­hen wer­den, des­sen Ent­ste­hungs­ge­schich­te belegt, dass der Gesetz­ge­ber eine Zusam­men­schrei­bungs­pflicht nur unter den in die­ser Norm genann­ten Vor­aus­set­zun­gen sta­tu­ie­ren woll­te. Der in der Vor­schrift ent­hal­te­ne Ver­weis auf einen “Hof im Sin­ne der Höfe­ord­nung” wur­de durch Art. 1 Nr. 4 des Regis­ter­ver­fah­rens­be­schleu­ni­gungs­ge­set­zes vom 20.12.1993 mit der Begrün­dung ein­ge­führt, § 7 HöfeV­fO ent­hal­te kei­ne beson­de­re Rege­lung für die Fäl­le, in denen der Hof in den Bezir­ken meh­re­rer Grund­buch­äm­ter lie­ge. Um eine gemein­sa­me Buchung “zuzu­las­sen”, bedür­fe es der Ergän­zung des § 7 HöfeV­fO durch § 4 Abs. 2 GBO.

Teleo­lo­gi­sche Erwä­gun­gen unter­mau­ern die­sen Befund. Das Grund­buch­recht wird von dem Grund­satz der Grund­buch­klar­heit beherrscht. Dem trägt das Gesetz u.a. dadurch Rech­nung, dass nach § 3 Abs. 1 Satz 1 GBO jedes Grund­stück ein eige­nes Grund­buch­blatt erhält. Über meh­re­re Grund­stü­cke des­sel­ben Eigen­tü­mers, deren Grund­bü­cher von dem­sel­ben Grund­buch­amt geführt wer­den, kann zwar ein gemein­schaft­li­ches Grund­buch­blatt geführt wer­den. Jedoch ist die­se Aus­nah­me im Inter­es­se der Grund­buch­klar­heit an die Vor­aus­set­zung geknüpft, dass kei­ne Ver­wir­rung zu besor­gen ist (§ 4 Abs. 1 GBO). Dass vor die­sem Hin­ter­grund eine Zusam­men­schrei­bung von Hof­grund­stü­cken trotz zu besor­gen­der Ver­wir­rung sach­wid­rig wäre, liegt auf der Hand. Dies gilt umso mehr, wenn Grund­stü­cke – wie in den Fäl­len des § 4 Abs. 2 GBO – in ver­schie­de­nen Grund­buch­be­zir­ken lie­gen.

Wie in Kon­stel­la­tio­nen zu ver­fah­ren ist, in denen eine Zusam­men­schrei­bung wegen zu besor­gen­der Ver­wir­rung aus­schei­det, ist gesetz­lich nicht gere­gelt. Inso­weit besteht eine plan­wid­ri­ge Geset­zes­lü­cke, die im Wege einer ent­spre­chen­den Anwen­dung des § 6 Abs. 4 HöfeV­fO dadurch zu schlie­ßen ist, dass in den jewei­li­gen Grund­bü­chern wech­sel­sei­ti­ge Hof­zu­ge­hö­rig­keits­ver­mer­ke ein­ge­tra­gen wer­den. In sol­chen Fäl­len ist die Inter­es­sen­la­ge der in § 6 Abs. 4 HöfeV­fO gere­gel­ten ver­gleich­bar, bei der ein zum Hof gehö­ren­der Mit­ei­gen­tums­an­teil auf einem ande­ren Grund­buch­blatt als die Hof­s­tel­le ein­ge­tra­gen ist.

Die Fra­ge, ob vor­lie­gend eine Zusam­men­schrei­bung nach § 4 Abs. 2 GBO aus­schei­det, liegt hier außer­halb der Prü­fungs­kom­pe­tenz des Grund­buch­amts.

Das folgt aller­dings nicht schon dar­aus, dass bei Behör­den­er­su­chen das Grund­buch­amt nach § 38 GBO nur zu prü­fen hat, ob die Behör­de – wie hier nach § 7 i.V.m. einer ent­spre­chen­den Anwen­dung von § 6 Abs. 4 HöfeV­fO – zur Stel­lung eines Ersu­chens der in Rede ste­hen­den Art abs­trakt befugt ist, ob das Ersu­chen bezüg­lich sei­ner Form den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten ent­spricht und ob die durch das Ersu­chen nicht ersetz­ten Ein­tra­gungs­er­for­der­nis­se gege­ben sind. Ob hin­ge­gen im kon­kre­ten Ein­zel­fall die Vor­aus­set­zun­gen für das Ersu­chen vor­lie­gen, ist vom Grund­buch­amt grund­sätz­lich nicht zu prü­fen. Hier­für trägt die ersu­chen­de Behör­de die Ver­ant­wor­tung, soweit die ihr recht­lich zuge­schrie­be­ne Sach­kom­pe­tenz bei der Beur­tei­lung der Ein­tra­gungs­vor­aus­set­zun­gen reicht.

Danach besteht vor­lie­gend zwar eine Bin­dungs­wir­kung bei der Beur­tei­lung der hier bejah­ten Fra­gen, ob ein Hof im Sin­ne der Höfe­ord­nung vor­liegt und ob der im Grund­buch­be­zirk lie­gen­de Grund­be­sitz dem Hof zuzu­ord­nen ist; dar­über zu befin­den, liegt allein in der Sach­kom­pe­tenz des Land­wirt­schafts­ge­richts. Nicht hier­zu gehört jedoch, ob die grund­buch­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die nur sub­si­di­är mög­li­che Ein­tra­gung von Hof­zu­ge­hö­rig­keits­ver­mer­ken vor­lie­gen, ob also bei einer Zusam­men­schrei­bung Ver­wir­rung zu besor­gen wäre (§ 4 Abs. 2 GBO). Hüter des Grund­sat­zes der Grund­buch­klar­heit ist zuvör­derst das jeweils zustän­di­ge Grund­buch­amt. Ihm obliegt es ins­be­son­de­re, das Grund­buch in den Ver­fah­ren nach § 84 ff. GBO und § 90 ff. GBO zu berei­ni­gen und Ver­wir­rung im Grund­buch zu ver­hin­dern (§§ 4 ff. GBO). Eine Bin­dung an ein Ersu­chen des Land­wirt­schafts­ge­richts besteht daher inso­weit nicht.

Jedoch hat das Grund­buch­amt nur über die Klar­heit der bei ihm geführ­ten Grund­bü­cher zu wachen. Da es nur dafür die Ver­ant­wor­tung trägt, obliegt die Prü­fung, ob bei einer Zusam­men­schrei­bung Ver­wir­rung zu besor­gen wäre, allein dem Grund­buch­amt, in des­sen Grund­buch eine Zusam­men­schrei­bung in Betracht kommt. Das gilt zur Ver­mei­dung diver­gie­ren­der Ent­schei­dun­gen auch dann, wenn es um die Ein­tra­gung von Hof­zu­ge­hö­rig­keits­ver­mer­ken geht. Ggf. hat das Grund­buch­amt, bei dem es ent­spre­chend § 6 Abs. 4 Alt. 2 HöfeV­fO ledig­lich um die Ein­tra­gung des kor­re­spon­die­ren­den Hof­zu­ge­hö­rig­keits­ver­merks geht, die Ent­schlie­ßung des für die Zusam­men­schrei­bung zustän­di­gen Grund­buch­amts abzu­war­ten. Vor­lie­gend hat das nach § 4 Abs. 2 Satz 2 GBO zustän­di­ge Grund­buch­amt jedoch bereits einen Hof­zu­ge­hö­rig­keits­ver­merk in das bei ihm geführ­te Grund­buch ein­ge­tra­gen und damit der Sache nach auch die dafür erfor­der­li­chen recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen bejaht. An die­se Beur­tei­lung ist das Grund­buch­amt gebun­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Dezem­ber 2012 – V ZB 95/​12

Hofzugehörigkeitsvermerke