Gemein­schaft­li­che Tier­hal­tung bei betei­li­gungs­iden­ti­schen Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten

Über­trägt eine land­wirt­schaft­lich täti­ge GbR die sich für sie erge­ben­de Mög­lich­keit zur land­wirt­schaft­li­chen Tier­hal­tung in Vieh­ein­hei­ten auf eine KG, die einen Betrieb zur Tier­hal­tung ohne aus­rei­chen­de Nut­zung eige­ner land­wirt­schaft­li­cher Flä­chen unter­hält, und sind an bei­den Gesell­schaf­ten jeweils die­sel­ben Gesell­schaf­ter betei­ligt, kann die Tier­hal­tung der KG zur land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung gehö­ren, wenn alle Gesell­schaf­ter die Vor­aus­set­zun­gen des § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BewG erfül­len.

Gemein­schaft­li­che Tier­hal­tung bei betei­li­gungs­iden­ti­schen Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te eine im Jahr 2006 gegrün­de­te KG geklagt, die auf dem Teil eines Grund­stücks (7.600 m²) einen Hüh­ner­mast­be­trieb unter­hält; das Stall­ge­bäu­de wur­de im Jahr 2006 errich­tet. Kom­man­di­tis­ten sind die Ehe­leu­te F und M. Allei­ni­ger per­sön­lich haf­ten­der Gesell­schaf­ter ist ihr Sohn S. Die­ser brach­te das Grund­stück in das Gesamt­hand­s­ver­mö­gen der KG ein. Die nicht für den Hüh­ner­mast­be­trieb genutz­te Grund­stücks­teil­flä­che von 10.539 m² (Acker) ver­pach­tet die KG an eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR), die im Jahr 1998 durch die Ehe­leu­te F und M gegrün­det wor­den ist. Gegen­stand des Unter­neh­mens der GbR ist die Bewirt­schaf­tung eines land­wirt­schaft­li­chen Betriebs. Bei­de Gesell­schaf­ter hat­ten zuvor eige­ne land­wirt­schaft­li­che Unter­neh­men betrie­ben. F und M brach­ten die Wirt­schafts­gü­ter aus ihren Ein­zel­un­ter­neh­men in das Gesamt­hand­s­ver­mö­gen der GbR ein. Die in ihrem Eigen­tum ste­hen­den Grund­stü­cke und Gebäu­de stel­len sie der GbR zur Nut­zung zur Ver­fü­gung. Im Jahr 2006 nah­men sie S als wei­te­ren Gesell­schaf­ter der GbR auf. Die­ser bringt sei­ne Arbeits­kraft in die GbR ein. Die Gesell­schaf­ter der KG und der GbR sind land­wirt­schaft­li­che Unter­neh­mer i.S. des § 1 Abs. 2 des Geset­zes über die Alters­si­che­rung der Land­wir­te (ALG). Mit Ver­trag vom 01.07.2007 über­ließ die GbR ab die­sem Zeit­punkt 500 Vieh­ein­hei­ten an die KG.

Wegen der Errich­tung des Stall­ge­bäu­des und der Auf­nah­me der Hüh­ner­zucht im Jahr 2007 kam es zu einer Nach­fest­stel­lung für den mit dem Hüh­ner­mast­stall bebau­ten Grund­stücks­teil. Das Finanz­amt ging davon aus, dass die KG kei­ne eige­nen Flä­chen land­wirt­schaft­lich nut­ze; die Acker­flä­che sei an die GbR ver­pach­tet und als Stück­län­de­rei zu bewer­ten. Mit Bescheid vom 29.05.2009 stell­te das Finanz­amt den Ein­heits­wert für den mit dem Hüh­ner­mast­stall bebau­ten Grund­stücks­teil auf den 01.01.2008 auf … € und als Grund­stücks­art „Geschäfts­grund­stück“ (Betriebs­grund­stück) fest; das Grund­stück wur­de der KG zuge­rech­net. Der Bescheid wur­de bestands­kräf­tig.

Mit Schrei­ben vom 13.08.2009 bean­trag­te die KG beim Finanz­amt eine feh­ler­be­sei­ti­gen­de Art- und Wert­fort­schrei­bung für den mit dem Hüh­ner­mast­stall bebau­ten Grund­stücks­teil auf den 01.01.2009. Zur Begrün­dung ver­wies sie dar­auf, dass sie alle Vor­aus­set­zun­gen einer Tier­hal­tungs­ko­ope­ra­ti­on i.S. des § 51a des Bewer­tungs­ge­set­zes (BewG) erfül­le und damit einen Betrieb der Land- und Forst­wirt­schaft unter­hal­te. Das Finanz­amt lehn­te mit Bescheid vom 11.11.2010 den Antrag ab, weil kei­ne gemein­schaft­li­che Tier­hal­tung vor­lie­ge.

Wäh­rend des Ein­spruchs­ver­fah­rens wur­de bei der KG eine Außen­prü­fung durch­ge­führt, die sich u.a. auf die Gewer­be­steu­er 2006 bis 2008 erstreck­te. Im Prü­fungs­be­richt vom 25.02.2013 kam das für die Prü­fung zustän­di­ge Finanz­amt zu dem Ergeb­nis, dass die Vor­aus­set­zun­gen einer gemein­schaft­li­chen Tier­hal­tung nach § 51a BewG im Fall der KG erfüllt sei­en. Die GbR unter­hal­te einen land­wirt­schaft­li­chen Betrieb und über­las­se von den ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den Vieh­ein­hei­ten ins­ge­samt 500 an die KG. Die Gesell­schaf­ter der GbR sei­en Haupt­er­werbs­land­wir­te. Die aus der Hüh­ner­mast erziel­ten Erträ­ge sei­en daher grund­sätz­lich Ein­künf­te aus Land- und Forst­wirt­schaft. Dar­auf­hin wur­den die Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­de 2006 bis 2008, die gegen­über der KG ergan­gen waren, auf­ge­ho­ben. Dem­ge­gen­über wies das Finanz­amt den Ein­spruch gegen die Ableh­nung des Antrags der KG auf feh­ler­be­sei­ti­gen­de Art- und Wert­fort­schrei­bung für den mit dem Hüh­ner­mast­stall bebau­ten Grund­stücks­teil mit Ein­spruchs­ent­schei­dung vom 04.09.2014 als unbe­grün­det zurück.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge der KG befass­te Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt hob den Ableh­nungs­be­scheid vom 11.11.2010 und die Ein­spruchs­ent­schei­dung vom 04.09.2014 auf und ver­pflich­te­te das Finanz­amt, bezüg­lich des Grund­stücks der KG auf den 01.01.2009 eine Art- und Wert­fort­schrei­bung zum land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gen vor­zu­neh­men und den Ein­heits­wert des land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gens auf 57.428 € fest­zu­set­zen [1]. Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Finanz­am­tes wies der Bun­des­fi­nanz­hof als unbe­grün­det zurück:

Nach § 22 Abs. 3 Satz 1 BewG fin­det eine Fort­schrei­bung auch zur Besei­ti­gung eines Feh­lers der letz­ten Fest­stel­lung statt, wenn die Wert­fort­schrei­bungs­gren­zen des § 22 Abs. 1 BewG erreicht bzw. über­schrit­ten sind. Feh­ler i.S. von § 22 Abs. 3 Satz 1 BewG ist jede objek­ti­ve ‑mate­ri­el­le- Unrich­tig­keit, wobei es nicht dar­auf ankommt, ob die­se klar­lie­gend, leicht fest­stell­bar oder unmit­tel­bar ein­sich­tig ist. Ent­schei­dend ist allein, dass die getrof­fe­ne Rege­lung gel­ten­dem Recht wider­spricht [2].

Eine Fort­schrei­bung ist vor­zu­neh­men, wenn dem Finanz­amt bekannt wird, dass die Vor­aus­set­zun­gen für sie vor­lie­gen (§ 22 Abs. 4 Satz 1 BewG). Fort­schrei­bungs­zeit­punkt ist bei einer feh­ler­be­sei­ti­gen­den Fort­schrei­bung der Beginn des Kalen­der­jahrs, in dem der Feh­ler dem Finanz­amt bekannt wird (§ 22 Abs. 4 Satz 3 Nr. 2 Alter­na­ti­ve 1 BewG).

Die Vor­aus­set­zun­gen für eine feh­ler­be­sei­ti­gen­de Art- und Wert­fort­schrei­bung sind im Streit­fall für den Bewer­tungs­stich­tag 01.01.2009 erfüllt. Das Finanz­ge­richt hat zu Recht ange­nom­men, dass die mit dem Hüh­ner­mast­stall bebau­te Grund­stücks­teil­flä­che dem land­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gen der KG und nicht dem Betriebs­ver­mö­gen zuzu­ord­nen ist. Die dort gehal­te­nen Tier­be­stän­de gehö­ren zur land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung, auch wenn die KG selbst kei­ne bzw. nicht genü­gend eige­ne Flä­chen regel­mä­ßig land­wirt­schaft­lich genutzt hat.

Nach § 51a Abs. 1 BewG gehört zur land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung auch die Tier­zucht und Tier­hal­tung von Gesell­schaf­ten, bei denen die Gesell­schaf­ter als Unter­neh­mer (Mit­un­ter­neh­mer) anzu­se­hen sind (§ 97 Abs. 1 Nr. 5 BewG), wenn bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen erfüllt wer­den.

In per­sön­li­cher Hin­sicht müs­sen gemäß § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a bis d BewG alle Gesell­schaf­ter Inha­ber eines Betriebs der Land- und Forst­wirt­schaft mit selbst bewirt­schaf­te­ten regel­mä­ßig land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen (Buchst. a) sein, nach dem Gesamt­bild der Ver­hält­nis­se haupt­be­ruf­lich Land- und Forst­wir­te (Buchst. b) und nach­weis­lich auf­grund einer Beschei­ni­gung der zustän­di­gen Alters­kas­se Land­wir­te i.S. des § 1 Abs. 2 ALG (Buchst. c) sein sowie die sich nach § 51 Abs. 1a BewG für sie erge­ben­de Mög­lich­keit zur land­wirt­schaft­li­chen Tier­er­zeu­gung oder Tier­hal­tung in Vieh­ein­hei­ten ganz oder teil­wei­se auf die Gesell­schaft über­tra­gen haben (Buchst. d).

Wei­te­re Vor­aus­set­zung ist gemäß § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a und b BewG in sach­li­cher Hin­sicht, dass die Anzahl der von der Gesell­schaft im Wirt­schafts­jahr erzeug­ten oder gehal­te­nen Vieh­ein­hei­ten kei­ne der nach­fol­gen­den Gren­zen nach­hal­tig über­schrei­tet:

die Sum­me der sich nach § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. d BewG erge­ben­den Vieh­ein­hei­ten und

die Sum­me der Vieh­ein­hei­ten, die sich nach § 51 Abs. 1a BewG auf der Grund­la­ge der Sum­me der von den Gesell­schaf­tern regel­mä­ßig land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen ergibt.

Zudem dür­fen die Betrie­be der Gesell­schaf­ter nicht mehr als 40 km von der Pro­duk­ti­ons­stät­te der Gesell­schaft ent­fernt lie­gen (§ 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BewG).

Die Vor­aus­set­zun­gen des § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. d und Nr. 2 BewG sind durch beson­de­re, lau­fend zu füh­ren­de Ver­zeich­nis­se nach­zu­wei­sen (§ 51a Abs. 1 Satz 2 BewG). Der Anwen­dung des § 51a Abs. 1 BewG steht es nicht ent­ge­gen, wenn die dort bezeich­ne­ten Gesell­schaf­ten die Tier­er­zeu­gung oder Tier­hal­tung ohne regel­mä­ßig land­wirt­schaft­lich genutz­te Flä­chen betrei­ben (§ 51a Abs. 2 BewG).

Eine gemein­schaft­li­che Tier­hal­tung i.S. des § 51a BewG bil­det nach § 34 Abs. 6a BewG einen Betrieb der Land- und Forst­wirt­schaft und ist damit eine eigen­stän­di­ge wirt­schaft­li­che Ein­heit. Um die Ein­stu­fung des Betriebs als gewerb­lich zu ver­mei­den, kön­nen freie Vieh­ein­hei­ten unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 51a Abs. 1 BewG zusam­men­ge­legt wer­den. Da mit der Über­tra­gung der Vieh­ein­hei­ten kei­ne tat­säch­li­che Grund­stücks­über­tra­gung ein­her­ge­hen muss, kann eine Gesell­schaft letzt­lich Tier­hal­tung betrei­ben, ohne selbst land­wirt­schaft­li­che Nutz­flä­chen zu bewirt­schaf­ten [3]. Zweck des § 51a BewG ist es, die bäu­er­li­che Ver­ede­lungs­wirt­schaft durch land­wirt­schaft­li­che Tier­hal­tungs­ge­mein­schaf­ten zu för­dern, indem Zusam­men­schlüs­se von Land­wir­ten zur gemein­schaft­li­chen Tier­hal­tung unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht als Gewer­be­be­trie­be, son­dern als Betrie­be der Land- und Forst­wirt­schaft behan­delt wer­den [4].

Die gemein­schaft­li­che Tier­hal­tung einer Gesell­schaft ist der land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung zuzu­ord­nen, wenn alle Gesell­schaf­ter die per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BewG erfül­len. Grund­sätz­lich kön­nen nur natür­li­che Per­so­nen haupt­be­ruf­lich Land- und Forst­wir­te sein, unter § 1 Abs. 2 ALG fal­len und somit die Vor­aus­set­zun­gen des § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. b und c BewG erfül­len [5]. Dies spricht dafür, dass auch für die Beur­tei­lung der wei­te­ren per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nach § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a und d BewG auf die an der Tier­hal­tungs­ge­sell­schaft betei­lig­ten natür­li­chen Per­so­nen abzu­stel­len ist. Der Umstand, dass an einer Tier­hal­tungs­ge­sell­schaft eine Per­so­nen­ge­sell­schaft betei­ligt ist, wur­de jedoch nicht als schäd­lich für die Annah­me einer gemein­schaft­li­chen Tier­hal­tung i.S. des § 51a BewG gewer­tet [6]. Die Per­so­nen­ge­sell­schaft ist inso­weit als trans­pa­rent anzu­se­hen. Die Betei­li­gung einer Per­so­nen­ge­sell­schaft an einer Tier­hal­tungs­ge­sell­schaft steht der Anwen­dung des § 51a BewG nicht ent­ge­gen, wenn alle Gesell­schaf­ter der Per­so­nen­ge­sell­schaft den Anfor­de­run­gen des § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BewG genü­gen.

Über­trägt eine land­wirt­schaft­lich täti­ge GbR die sich für sie erge­ben­de Mög­lich­keit zur land­wirt­schaft­li­chen Tier­hal­tung in Vieh­ein­hei­ten auf eine KG, die einen Betrieb zur Tier­hal­tung ohne aus­rei­chen­de Nut­zung eige­ner land­wirt­schaft­li­cher Flä­chen unter­hält, und sind an bei­den Gesell­schaf­ten jeweils die­sel­ben Gesell­schaf­ter betei­ligt, kann die Tier­hal­tung der KG zur land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung gehö­ren, wenn alle Gesell­schaf­ter die Vor­aus­set­zun­gen des § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BewG erfül­len.

Die Gesell­schaf­ter der KG sind auf­grund ihrer Betei­li­gung als Mit­un­ter­neh­mer an der land­wirt­schaft­lich täti­gen GbR Inha­ber eines Betriebs der Land­wirt­schaft mit selbst bewirt­schaf­te­ten regel­mä­ßig land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen i.S. des § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a BewG.

Unter­neh­mer einer Land­wirt­schaft ist der­je­ni­ge, der sie betreibt; das ist der­je­ni­ge, auf des­sen Rech­nung und Gefahr der Betrieb geführt wird [7]. Ist eine GbR land­wirt­schaft­lich tätig, ist sie aus ertrag­steu­er­recht­li­cher Sicht Inha­be­rin des Betriebs [8].

Auch die Gesell­schaf­ter einer land­wirt­schaft­lich täti­gen GbR sind als Mit­un­ter­neh­mer Inha­ber (Mit­in­ha­ber) eines land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs i.S. von § 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a BewG [9]. Die Mit­un­ter­neh­merstel­lung eines Gesell­schaf­ters und sein Anteil am Gesell­schafts­ver­mö­gen (vgl. § 719 Abs. 1 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs ‑BGB-) begrün­den bewer­tungs­recht­lich sei­ne Stel­lung als Mit­in­ha­ber des von der GbR nach § 34 Abs. 6 BewG betrie­be­nen land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs. Die Ein­künf­te aus Land- und Forst­wirt­schaft aus den von der GbR genutz­ten land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen sind den Gesell­schaf­tern ein­kom­men­steu­er­recht­lich zuzu­rech­nen. Die GbR unter­liegt als sol­che nicht der Ein­kom­men­steu­er. § 1 Abs. 1 Satz 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) bestimmt, dass nur natür­li­che Per­so­nen ein­kom­men­steu­er­pflich­tig sind. Gemäß § 13 Abs. 7 EStG ist bei den Ein­künf­ten aus Land- und Forst­wirt­schaft § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG ent­spre­chend anzu­wen­den. Danach gehö­ren zu den Ein­künf­ten aus Land- und Forst­wirt­schaft u.a. die Gewinn­an­tei­le der Gesell­schaf­ter einer GbR, bei der die Gesell­schaf­ter als Unter­neh­mer (Mit­un­ter­neh­mer) des Betriebs anzu­se­hen sind (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 EStG). Mit­un­ter­neh­mer ist regel­mä­ßig der­je­ni­ge, der zivil­recht­lich Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft ist.

Die von einer land­wirt­schaft­lich täti­gen GbR vor­ge­nom­me­ne Über­tra­gung der Mög­lich­keit zur land­wirt­schaft­li­chen Tier­hal­tung in Vieh­ein­hei­ten auf eine KG, die Tier­hal­tung betreibt, ist den Gesell­schaf­tern der GbR, die zugleich Gesell­schaf­ter der KG sind, zuzu­rech­nen. Die GbR ist inso­weit für Zwe­cke der Bewer­tung trans­pa­rent. Dies­be­züg­lich gel­ten die glei­chen Erwä­gun­gen wie zur Qua­li­fi­zie­rung der Gesell­schaf­ter der GbR als Mit­in­ha­ber des Betriebs der GbR. Die Über­tra­gung durch die GbR ist so zu behan­deln, als ob die ein­zel­nen Gesell­schaf­ter der GbR Vieh­ein­hei­ten auf die KG über­tra­gen hät­ten. Mit der Über­tra­gung auf die KG geht die zunächst dem ein­zel­nen Gesell­schaf­ter nach der Grö­ße der land­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­che zuste­hen­de Berech­ti­gung, eine ent­spre­chen­de Anzahl von Vieh­ein­hei­ten als zur land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung gehö­rend zu behan­deln, auf die Gesell­schaft über [10].

Im Streit­fall war eine feh­ler­be­sei­ti­gen­de Art- und Wert­fort­schrei­bung auf den 01.01.2009 vor­zu­neh­men. Dem Finanz­amt ist im Jahr 2009 bekannt gewor­den, dass die Nach­fest­stel­lung auf den 01.01.2008 feh­ler­haft war. Die Vor­aus­set­zun­gen einer gemein­schaft­li­chen Tier­hal­tung lagen zum strei­ti­gen Stich­tag vor. Die Anfor­de­run­gen an die Gesell­schaf­ter der KG bezüg­lich ihrer Stel­lung als Inha­ber eines Betriebs der Land­wirt­schaft (§ 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a BewG) und an die Über­tra­gung der sich für sie erge­ben­den Mög­lich­keit zur land­wirt­schaft­li­chen Tier­hal­tung in Vieh­ein­hei­ten (§ 51a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. d BewG) wur­den durch alle Gesell­schaf­ter erfüllt.

Nach dem Gesell­schafts­ver­trag von 2006 waren Gesell­schaf­ter der KG die natür­li­chen Per­so­nen M, F und S. Die­se waren im Zeit­punkt des Abschlus­ses des Ver­trags zur Über­las­sung der Vieh­ein­hei­ten an die KG am 01.07.2007 auf­grund ihrer Betei­li­gung an der GbR Mit­in­ha­ber eines Betriebs der Land- und Forst­wirt­schaft.

Die Gesell­schaf­ter der KG M, F und S haben auch die sich für sie erge­ben­de Mög­lich­keit zur land­wirt­schaft­li­chen Tier­hal­tung in Vieh­ein­hei­ten teil­wei­se auf die KG über­tra­gen. Der Ein­wand des Finanz­amt, S habe man­gels Über­las­sung eines land­wirt­schaft­lich genutz­ten Grund­stücks kei­ne Vieh­ein­hei­ten auf die KG über­tra­gen kön­nen, geht fehl. Denn die KG hat das von S in die­se Gesell­schaft ein­ge­brach­te und somit zum Gesamt­hand­s­ver­mö­gen gehö­ren­de Grund­stück, soweit es als Acker­flä­che genutzt wird, an die GbR ver­pach­tet. Auch die­se Acker­flä­che gene­riert bei der GbR Vieh­ein­hei­ten, die bei der Über­tra­gung dem Gesell­schaf­ter S antei­lig zuzu­rech­nen sind.

Die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen des § 51a Abs. 1 BewG sind nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt erfüllt und wer­den vom Finanz­amt auch nicht bestrit­ten. Eben­so unstrei­tig ist der vom Finanz­ge­richt ermit­tel­te Wert für den mit dem Hüh­ner­mast­stall bebau­ten Grund­stücks­teil.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 27. Novem­ber 2019 – II R 43/​16

  1. Nds. FG, Urteil vom 26.10.2016 – 1 K 235/​14, EFG 2017, 274[]
  2. BFH, Urteil vom 06.05.2015 – II R 9/​13, BFHE 250, 178, BStBl II 2015, 888[]
  3. vgl. Leingärtner/​Kreckl, Besteue­rung der Land­wir­te, Kap. 7, Rz 16[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 05.11.2009 – IV R 13/​07, BFH/​NV 2010, 652, Rz 17[]
  5. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2010, 652, Rz 14[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 03.07.2019 – VI R 49/​16, BFHE 266, 43, BStBl II 2020, 86[]
  7. BFH, Urteil vom 16.05.2018 – VI R 45/​16, BFHE 261, 508, BStBl II 2019, 60, Rz 12[]
  8. vgl. BFH, Urteil in BFHE 261, 508, BStBl II 2019, 60, Rz 14[]
  9. vgl. Leingärtner/​Kreckl, a.a.0., Kap. 7, Rz 11[]
  10. vgl. Gürsching/​Stenger, Bewer­tungs­recht, § 51a BewG Rz 41[]