Einschlag in stehendes Holz — und die Buchwertabspaltung

Das ste­hende Holz ist ein vom Grund und Boden getren­nt zu bew­er­tendes Wirtschaftsgut. Wirtschaftsgut ist nicht der einzelne Baum und auch nicht der gesamte Baumbe­stand im Eigen­tum des Steuerpflichti­gen. Als Wirtschaftsgut ist der in einem selb­ständi­gen Nutzungs- und Funk­tion­szusam­men­hang ste­hende Baumbe­stand anzuse­hen, der sich durch geo­graphis­che Fak­toren, die Holzartzusam­menset­zung oder die Alter­sklassen­zusam­menset­zung deut­lich von den übri­gen Holzbestän­den abgren­zt und regelmäßig eine Min­dest­größe von einem Hek­tar umfasst.

Einschlag in stehendes Holz — und die Buchwertabspaltung

Ist für den Forst­be­trieb ein amtlich anerkan­ntes Betrieb­sgutacht­en oder Betrieb­swerk erstellt wor­den, kann regelmäßig für die Bes­tim­mung des Wirtschaftsguts an die darin aus­gewiesene kle­in­ste Pla­nungs- und Bewirtschaf­tung­sein­heit, den Bestand, angeknüpft wer­den. Dieser Bestand zählt zu dem nicht abnutzbaren Anlagev­er­mö­gen des Forst­be­triebs i.S. von § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG1.

Aus­ge­hend von dieser Bes­tim­mung des Wirtschaftsguts sind auch die steuer­lichen Auswirkun­gen des durchge­führten Holzein­schlags zu bes­tim­men.

Neben dem Kahlschlag, durch den ein gesamter Bestand und damit ein Wirtschaftsgut voll­ständig beseit­igt wird, kann auch der Ein­schlag einzel­ner hieb­sreifer Bäume inner­halb eines Bestands Auswirkun­gen auf den Wert des ste­hen­den Holzes haben. Ein­schläge in der End­nutzungsphase vorhan­den­er Bäume führen zu ein­er Abspal­tung eines Teil­be­trags vom Buch­w­ert des ste­hen­den Holzes, der dann auf das zum Umlaufver­mö­gen gehörende geschla­gene Holz ent­fällt2. Der Buch­w­ert des verbleiben­den Holzbe­stands repräsen­tiert dessen Anschaf­fungs- und Her­stel­lungskosten, kann aber durch die Abspal­tung nicht unter dessen Teil­w­ert fall­en. Der Teil­w­ert des jew­eili­gen Bestands bildet deshalb die Gren­ze der Buch­w­ertab­spal­tung durch Ein­schlag in der End­nutzung3.

Für die Buch­w­ertab­spal­tung wegen Sub­stanz­min­derung auf Grund des Ein­schlags von hieb­sreifen Bestän­den (End­nutzung) bedarf es keines Über­schre­it­ens ein­er (star­ren) Wesentlichkeitss­chwelle. Für eine solche Min­dest­gren­ze gibt es keine Notwendigkeit; sie kön­nte vielmehr geeignet sein, forstwirtschaftlich unvorteil­hafte Maß­nah­men zu bewirken. Allerd­ings trägt der Steuerpflichtige nach all­ge­meinen Grund­sätzen die Fest­stel­lungslast für die Höhe des abges­pal­te­nen Buch­w­erts4.

Bun­des­fi­nanzhof, Urteil vom 2. Juli 2015 — IV R 21/14

  1. vgl. BFH, Urteile vom 05.06.2008 — IV R 67/05, BFHE 222, 265, BSt­Bl II 2008, 960, und — IV R 50/07, BFHE 222, 301, BSt­Bl II 2008, 968, sowie vom 18.02.2015 — IV R 35/11, BFHE 249, 182 []
  2. vgl. BFH, Urteile in BFHE 222, 301, BSt­Bl II 2008, 968, unter II. 3.b cc (2), und in BFHE 249, 182, Rz 24 []
  3. vgl. BFH, Urteil in BFHE 222, 301, BSt­Bl II 2008, 968, unter II. 3.b cc (2), sowie in BFHE 249, 182, Rz 24 []
  4. BFH, Urteil in BFHE 249, 182, Rz 25 []