Ein­schlag in ste­hen­des Holz – und die Buch­wert­ab­spal­tung

Das ste­hen­de Holz ist ein vom Grund und Boden getrennt zu bewer­ten­des Wirt­schafts­gut. Wirt­schafts­gut ist nicht der ein­zel­ne Baum und auch nicht der gesam­te Baum­be­stand im Eigen­tum des Steu­er­pflich­ti­gen. Als Wirt­schafts­gut ist der in einem selb­stän­di­gen Nut­zungs- und Funk­ti­ons­zu­sam­men­hang ste­hen­de Baum­be­stand anzu­se­hen, der sich durch geo­gra­phi­sche Fak­to­ren, die Holz­art­zu­sam­men­set­zung oder die Alters­klas­sen­zu­sam­men­set­zung deut­lich von den übri­gen Holz­be­stän­den abgrenzt und regel­mä­ßig eine Min­dest­grö­ße von einem Hekt­ar umfasst.

Ein­schlag in ste­hen­des Holz – und die Buch­wert­ab­spal­tung

Ist für den Forst­be­trieb ein amt­lich aner­kann­tes Betriebs­gut­ach­ten oder Betriebs­werk erstellt wor­den, kann regel­mä­ßig für die Bestim­mung des Wirt­schafts­guts an die dar­in aus­ge­wie­se­ne kleins­te Pla­nungs- und Bewirt­schaf­tungs­ein­heit, den Bestand, ange­knüpft wer­den. Die­ser Bestand zählt zu dem nicht abnutz­ba­ren Anla­ge­ver­mö­gen des Forst­be­triebs i.S. von § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG [1].

Aus­ge­hend von die­ser Bestim­mung des Wirt­schafts­guts sind auch die steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen des durch­ge­führ­ten Holz­ein­schlags zu bestim­men.

Neben dem Kahl­schlag, durch den ein gesam­ter Bestand und damit ein Wirt­schafts­gut voll­stän­dig besei­tigt wird, kann auch der Ein­schlag ein­zel­ner hiebs­rei­fer Bäu­me inner­halb eines Bestands Aus­wir­kun­gen auf den Wert des ste­hen­den Hol­zes haben. Ein­schlä­ge in der End­nut­zungs­pha­se vor­han­de­ner Bäu­me füh­ren zu einer Abspal­tung eines Teil­be­trags vom Buch­wert des ste­hen­den Hol­zes, der dann auf das zum Umlauf­ver­mö­gen gehö­ren­de geschla­ge­ne Holz ent­fällt [2]. Der Buch­wert des ver­blei­ben­den Holz­be­stands reprä­sen­tiert des­sen Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten, kann aber durch die Abspal­tung nicht unter des­sen Teil­wert fal­len. Der Teil­wert des jewei­li­gen Bestands bil­det des­halb die Gren­ze der Buch­wert­ab­spal­tung durch Ein­schlag in der End­nut­zung [3].

Für die Buch­wert­ab­spal­tung wegen Sub­stanz­min­de­rung auf Grund des Ein­schlags von hiebs­rei­fen Bestän­den (End­nut­zung) bedarf es kei­nes Über­schrei­tens einer (star­ren) Wesent­lich­keits­schwel­le. Für eine sol­che Min­dest­gren­ze gibt es kei­ne Not­wen­dig­keit; sie könn­te viel­mehr geeig­net sein, forst­wirt­schaft­lich unvor­teil­haf­te Maß­nah­men zu bewir­ken. Aller­dings trägt der Steu­er­pflich­ti­ge nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen die Fest­stel­lungs­last für die Höhe des abge­spal­te­nen Buch­werts [4].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 2. Juli 2015 – IV R 21/​14

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 05.06.2008 – IV R 67/​05, BFHE 222, 265, BStBl II 2008, 960, und – IV R 50/​07, BFHE 222, 301, BStBl II 2008, 968, sowie vom 18.02.2015 – IV R 35/​11, BFHE 249, 182[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 222, 301, BStBl II 2008, 968, unter II. 3.b cc (2), und in BFHE 249, 182, Rz 24[]
  3. vgl. BFH, Urteil in BFHE 222, 301, BStBl II 2008, 968, unter II. 3.b cc (2), sowie in BFHE 249, 182, Rz 24[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 249, 182, Rz 25[]