Die nicht frist­ge­recht ent­rich­te­te Milchabgabe

Wer­den auf fäl­li­ge, aber nicht gezahl­te Milch­ab­ga­be Zin­sen erho­ben und erstreckt sich der Zins­zeit­raum über meh­re­re Jah­re, ist der der Zins­be­rech­nung zugrun­de zu legen­de Zins­satz am 1.10.eines jeden Jah­res des Zins­zeit­raums neu zu bestimmen.

Die nicht frist­ge­recht ent­rich­te­te Milchabgabe

Nach Art. 15 Abs. 2 VO Nr. 595/​2004 wer­den Jah­res­zin­sen nach dem um einen Pro­zent­punkt erhöh­ten, am 1.10.jedes Jah­res gül­ti­gen drei­mo­na­ti­gen Bezugs­satz gemäß Anhang – II der VO Nr. 595/​2004, d.h. für Deutsch­land nach dem EURIBOR, erho­ben. Anders als das Haupt­zoll­amt und ihm fol­gend das Finanz­ge­richt mei­nen, bedeu­tet das nicht, dass der auf die­se Wei­se ermit­tel­te Zins­satz auf die Ermitt­lung der Zin­sen im gesam­ten meh­re­re Jah­re umfas­sen­den Zins­zeit­raum anzu­wen­den ist. Die For­mu­lie­rung in Art. 15 Abs. 2 Unter­abs. 1 VO Nr. 595/​2004: „Jah­res­zin­sen (…), deren am 1.10.jedes Jah­res gül­ti­ger drei­mo­na­ti­ger Bezugs­satz (…) fest­ge­setzt (…) wird“ macht viel­mehr deut­lich, dass die Vor­schrift sich auch auf meh­re­re Jah­re umfas­sen­de Zins­zeit­räu­me bezieht und in einem sol­chen Fall der am 1.10.eines jeden Jah­res gül­ti­ge Bezugs­satz gemäß Anhang – II der VO Nr. 595/​2004 für den Zins­satz maß­ge­bend ist. Auch die eng­li­sche Ver­si­on lau­tet: „inte­rest annu­al­ly at the three-mon­th refe­rence rates app­li­ca­ble on 1 Octo­ber each year“.

Wes­halb das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf [1] unter Hin­weis auf den 5. Erwä­gungs­grund zur Ver­ord­nung (EG) Nr. 1392/​2001 der Kom­mis­si­on vom 09.07.2001 mit Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen zur Ver­ord­nung (EWG) Nr. 3950/​92 des Rates über die Erhe­bung einer Zusatz­ab­ga­be im Milch­sek­tor [2] meint, es wider­spre­che der Siche­rung der effek­ti­ven Abga­ben­ent­rich­tung und der Ein­füh­rung von Sank­tio­nen bei Nicht­er­fül­lung, Zin­sen nach einem jähr­lich neu zu ermit­teln­den Zins­satz zu berech­nen, erschließt sich dem Bun­des­fi­nanz­hof nicht. Zin­sen sind kein Mit­tel, aus­ste­hen­de Zah­lun­gen zu sank­tio­nie­ren, son­dern glei­chen den Scha­den aus, den der Gläu­bi­ger durch die Vor­ent­hal­tung der ihm zuste­hen­den Geld­be­trä­ge erlei­det. Die Höhe die­ses Scha­dens folgt dem all­ge­mei­nen Zins­ni­veau, das vom Beginn bis zum Ende des Zins­zeit­raums vari­ie­ren kann (vgl. § 288 i.V.m. § 247 BGB). Es sind kei­ne Anhalts­punk­te für die Annah­me ersicht­lich, der Uni­ons­ge­setz­ge­ber habe den EURIBOR am 1.10.des Jah­res des Zins­be­ginns als maß­ge­bend für den gesam­ten, ggf. meh­re­re Jah­re dau­ern­den Zins­zeit­raum fest­le­gen wol­len. Der vor­ge­nann­te vom Finanz­ge­richt ange­führ­te 5. Erwä­gungs­grund zur VO Nr. 1392/​2001 gibt für die Fra­ge eines ein­heit­li­chen oder eines von Jahr zu Jahr wech­seln­den Zins­sat­zes nichts her. Kei­nes­falls kann die Dienst­vor­schrift der deut­schen Zoll­ver­wal­tung über die Quo­ten­re­ge­lung im Milch­sek­tor zur Aus­le­gung des Uni­ons­rechts her­an­ge­zo­gen wer­den. Das liegt auf der Hand und bedarf kei­ner wei­te­ren Begründung.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. Novem­ber 2017 – VII R 10/​17

  1. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 06.06.2016 – 4 K 2307/​15 MOG[]
  2. ABl.EG Nr. L 187/​19[]