Die Holzlieferung als Arbeitsunfall des Käufers

Mit ein­er ungewöhn­lichen Kon­stel­la­tion hat­te sich jet­zt das Sozial­gericht Aachen zu befassen: Die Kfz-Haftpflichtver­sicherung eines Land­wirts aus dem bay­erischen Freis­ing klagte gegen die Beruf­sgenossen­schaft als zuständi­gem Unfal­lver­sicherungsträger. Anlass für den Stre­it bot ein bere­its dreiein­halb Jahre zurück­liegen­der Unfall bei ein­er Hol­zliefer­ung: Der Sohn des Land­wirts hat­te eine Ladung Brennholz auf einem Anhänger zum Haus des Käufers gebracht und diesen gebeten, ihm beim Öff­nen der Ladeklappe zu helfen. Hier­bei löste sich die Klappe plöt­zlich und ver­let­zte den Käufer so stark am linken Bein und der recht­en Hand, dass er im Kranken­haus behan­delt wer­den musste. Vor Gericht strit­ten bei­de Ver­sicherun­gen nun darum, ob es sich im Fall des Käufers um einen Arbeits- oder einen Pri­vatun­fall gehan­delt hat.

Die Holzlieferung als Arbeitsunfall des Käufers

Das Sozial­gericht Aachen sah das Geschehen als einen Arbeit­sun­fall an: Selb­st wenn das Abladen des Holzes vom Anhänger möglicher­weise Auf­gabe des Käufers gewe­sen sei, so gehöre zur ord­nungs­gemäßen Anliefer­ung ein­er Ware auch das Bere­it­machen des Trans­port­fahrzeugs zum Abladen. Da sich der Käufer nicht beim Abladen selb­st, son­dern beim Öff­nen der Ladeklappe ver­let­zt habe, habe er eine Auf­gabe des Land­wirts erfüllt und sei deswe­gen wie dessen Arbeit­nehmer tätig gewor­den. Dies gilt nach Auf­fas­sung des Gerichts auch dann, wenn der hil­fs­bere­ite Empfänger let­ztlich den Zweck ver­fol­gte hat­te, schneller an sein Brennholz zu kom­men.

Sozial­gericht Aachen, Urteil vom 17. März 2010 – S 8 U 34/09 (nicht recht­skräftig)