Betriebs­über­gang im Milch­wirt­schafts­jahr

Geht eine Milch­quo­te wäh­rend eines Milch­wirt­schafts­jahrs von einem an einen ande­ren Milch­er­zeu­ger über, nimmt die­ser an einer Sal­die­rung von ihm über­lie­fer­ter Milch­men­gen mit Unter­lie­fe­run­gen ande­rer Erzeu­ger auch mit dem Teil der über­ge­gan­ge­nen Milch­quo­te teil, auf die von dem frü­he­ren Betriebs­in­ha­ber in dem Milch­wirt­schafts­jahr bereits Milch gelie­fert wor­den war.

Betriebs­über­gang im Milch­wirt­schafts­jahr

Mit die­sem Urteil setzt der Bun­des­fi­nanz­hof ein Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on um, dass auf ein in die­ser Sache an den Euro­päi­schen Gerichts­hof gerich­te­tes Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des Bun­des­fi­nanz­hofs ergan­gen war.

Danach ist eine “Neu­zu­wei­sung des unge­nutz­ten Anteils der für Lie­fe­run­gen zuge­wie­se­nen ein­zel­staat­li­chen Refe­renz­men­gen … pro­por­tio­nal zu den Refe­renz­men­gen der ein­zel­nen Erzeu­ger” durch­zu­füh­ren. Die maß­geb­li­che “Refe­renz­men­ge des ein­zel­nen Erzeu­gers” sei dabei nicht die in Art. 10 Abs. 3 Buchst. a VO Nr. 1788/​2003 erwähn­te ver­füg­ba­re Refe­renz­men­ge, die Art. 5 Buchst. k VO Nr. 1788/​2003 defi­nie­re, son­dern die in Art. 5 Buchst. j VO Nr. 1788/​2003 defi­nier­te ein­zel­be­trieb­li­che Refe­renz­men­ge des Erzeu­gers am 1.04.des betref­fen­den Zwölf­mo­nats­zeit­raums.

Ver­än­de­run­gen der Refe­renz­men­ge wäh­rend des Zwölf­mo­nats­zeit­raums durch Über­tra­gun­gen, Über­las­sun­gen, Umwand­lun­gen und zeit­wei­li­ge Neu­zu­wei­sun­gen bestim­men nach vor­ge­nann­ten Rege­lun­gen nur die ver­füg­ba­re Refe­renz­men­ge, nicht aber die für die uni­ons­recht­li­che Sal­die­rungs­re­gel ent­schei­den­de- ein­zel­be­trieb­li­che Refe­renz­men­ge. Sie sind nach Maß­ga­be der unmit­tel­bar im Uni­ons­recht auf­ge­stell­ten Rege­lung folg­lich bei einer Sal­die­rung, d.h. der zeit­wei­li­gen Neu­zu­wei­sung ander­weit nicht genutz­ter Refe­renz­men­gen, nicht zu berück­sich­ti­gen.

Dem­entspre­chend kann der Klä­ger sein Begeh­ren auf die VO Nr. 1788/​2003 nicht stüt­zen, weil sei­ne ein­zel­be­trieb­li­che Refe­renz­men­ge am 1.04.des hier maß­geb­li­chen Zwölf­mo­nats­zeit­raums 2004/​2005 die Quo­te des von ihm erst am 1.11.2004 zusätz­lich zu sei­nem bis­he­ri­gen Betrieb über­nom­me­nen Milch­wirt­schafts­be­triebs, deren voll­stän­di­ge Berück­sich­ti­gung bei der Sal­die­rung er in die­sem Ver­fah­ren begehrt, noch nicht umfass­te.

Der EuGH hat jedoch Art. 10 Abs. 3 VO Nr. 1788/​2003 ent­nom­men, die Mit­glied­staa­ten hät­ten die Mög­lich­keit, nach durch ihr eige­nes Recht fest­ge­leg­ten objek­ti­ven Kri­te­ri­en die Sal­die­rung von Über­lie­fe­run­gen und Unter­lie­fe­run­gen vor­zu­neh­men. Mit­hin ist zu unter­su­chen, ob sich aus dem deut­schen Recht, ins­be­son­de­re des­sen Rege­lun­gen betref­fend die Milch­ab­ga­be (heu­te: Milch­quo­ten­ver­ord­nung) eine sol­che Fest­le­gung vom unmit­tel­bar anwend­ba­ren Uni­ons­recht abwei­chen­der Sal­die­rungs­re­geln ergibt.

Das ist der Fall. Danach schmä­lern anders als das Haupt­zoll­amt meint- die wäh­rend des betref­fen­den Zwölf­mo­nats­zeit­raums auf eine Quo­te vor ihrem Über­gang auf einen ande­ren Erzeu­ger gelie­fer­ten Milch­men­gen den Sal­die­rungs­vor­teil des Betriebs­über­neh­mers nicht.

Das ergibt sich aus fol­gen­den Über­le­gun­gen:

Nach § 14 Abs. 1 Milch­AbgV 2004 war bei der Sal­die­rung von der “Anlie­fe­rungs­Re­fe­renz­men­ge des Über­lie­fe­rers” aus­zu­ge­hen. In § 4 Abs. 1 Milch­AbgV 2004 wird der Begriff der (Anlieferungs-)Referenzmenge den Milch­men­gen gegen­über­ge­stellt, die von dem Milch­er­zeu­ger (Inha­ber der Anlie­fe­rungs-Refe­renz­men­ge) an Käu­fer gelie­fert wor­den sind; soweit die­se Men­gen die Refe­renz­men­ge über­schrei­ten, soll die Abga­be erho­ben wer­den.

Die­se Vor­schrif­ten geben, auch in der Zusam­men­schau, kei­ne Ant­wort auf die hier ent­schei­den­de Fra­ge, ob bei der Anwen­dung der in § 14 Abs. 1 Milch­AbgV 2004 nor­mier­ten Sal­die­rungs­for­mel (Sum­me der Unter­lie­fe­run­gen [der Lie­fe­ran­ten einer Mol­ke­rei], mul­ti­pli­ziert mit der Anlie­fe­rungs-Refe­renz­men­ge des Über­lie­fe­rers, geteilt durch die Sum­me der Anlie­fe­rungs-Refe­renz­men­gen der Über­lie­fe­rer [i.e. der Lie­fe­ran­ten der Mol­ke­rei]) eine wäh­rend des Milch­wirt­schafts­jahrs hin­zu­er­wor­be­ne Refe­renz­men­ge zu berück­sich­ti­gen ist und ob sie auch dann zu berück­sich­ti­gen ist, wenn der frü­he­re Betriebs­in­ha­ber auf sie bereits Milch gelie­fert hat. Der Begriff der “Anlie­fe­rungs­Re­fe­renz­men­ge” besagt dazu schon des­halb nichts, weil, wie bereits aus­ge­führt, das Uni­ons­recht zwei­er­lei Refe­renz­men­gen kennt: die sog. “ein­zel­be­trieb­li­che Refe­renz­men­ge” und die “ver­füg­ba­re Refe­renz­men­ge”, Begrif­fe, die aller­dings bei For­mu­lie­rung der deut­schen Sal­die­rungs­re­gel im Uni­ons­recht noch nicht defi­niert waren, wor­auf die Revi­si­on mit Recht hin­weist.

Die Sal­die­rungs­for­mel bedarf daher für Fäl­le der hier strei­ti­gen Art, näm­lich des Über­gangs einer bereits teil­wei­se von einem vor­ma­li­gen Betriebs­in­ha­ber belie­fer­ten Milch­quo­te, einer Aus­le­gung und ggf. rich­ter­recht­li­chen Ergän­zung. Dabei ist maß­geb­lich zu berück­sich­ti­gen, dass die Hand­ha­bung der Sal­die­rungs­for­mel dem Sinn und Zweck der Zutei­lung zusätz­li­cher, ander­weit nicht aus­ge­nutz­ter Milch­quo­ten an Über­lie­fe­rer hin­rei­chend Rech­nung tra­gen und Milch­er­zeu­ger in glei­cher Lage an der Ver­tei­lung der Sal­die­rungs­men­ge in glei­chem Umfang betei­li­gen muss.

Die Pra­xis der deut­schen Ver­wal­tung, in der sich die Rege­lungs­ab­sicht des Ver­ord­nungs­ge­bers spie­geln dürf­te, spricht zunächst für den Rechts­stand­punkt des Haupt­zoll­amt, dass im Fall eines Über­gangs der Quo­te in dem betref­fen­den Milch­wirt­schafts­jahr die­sel­be nicht ohne Wei­te­res Bezugs­grö­ße der Sal­die­rung sein kön­ne. Die­se Pra­xis bestand nach dem unwi­der­spro­che­nen Vor­trag der Revi­si­on, des­sen Rich­tig­keit durch den Ablauf die­ses Ver­fah­rens bestä­tigt wird und auch aus der Begrün­dung der Milch­AbgV 2007 erkenn­bar wird, offen­bar dar­in, bei der Bestim­mung der im Rah­men der Sal­die­rung anzu­set­zen­den Milch­quo­te des Über­lie­fe­rers eine wäh­rend des Zwölf­mo­nats­zeit­raums (ggf. hinzu)erworbene Quo­te nur inso­weit zu berück­sich­ti­gen, als der vor­he­ri­ge Betriebs­in­ha­ber sie vor dem Über­gang noch nicht belie­fert und damit inso­fern das in der Quo­te ver­kör­per­te Milch­lie­fe­rungs­recht für das betref­fen­de Milch­wirt­schafts­jahr ver­braucht hat­te.

Die in der Milch­AbgV 2004 getrof­fe­ne Rege­lung hät­te aller­dings, leg­te man die­se Ver­wal­tungs­pra­xis als für die Aus­le­gung der Sal­die­rungs­for­mel maß­geb­lich zugrun­de, einen Inhalt, der von der uni­ons­recht­li­chen Ver­tei­lungs­re­ge­lung abweicht und einen im Uni­ons­recht unbe­kann­ten Begriff der Refe­renz­men­ge ver­wen­det (Anlie­fe­rungs-Refe­renz­men­ge des Über­lie­fe­rers in die­sem Sin­ne ist weder die ein­zel­be­trieb­li­che Refe­renz­men­ge i.S. des Art. 5 Buchst. j VO Nr. 1788/​2003 noch die ver­füg­ba­re Refe­renz­men­ge i.S. des Art. 5 Buchst. k VO Nr. 1788/​2003 und das Uni­ons­recht kennt kei­ne Refe­renz­men­ge, die sich unter Berück­sich­ti­gung tat­säch­li­cher Milch­lie­fe­run­gen in einem bestimm­ten Milch­wirt­schafts­jahr ergibt). Zudem gin­ge die Ver­tei­lungs­re­gel, so ver­stan­den, von einem im Grund­satz kon­trä­ren Ver­tei­lungs­prin­zip aus. Sie berück­sich­tig­te Ver­än­de­run­gen der Quo­te im lau­fen­den Milch­wirt­schafts­jahr ent­ge­gen Satz 2 des ers­ten Ent­schei­dungs­sat­zes der Vor­ab­ent­schei­dung grund­sätz­lich zuguns­ten des Abga­be­schuld­ners. Anders als im “Nor­mal­fall”, in dem sich die Quo­te wäh­rend des Zwölf­mo­nats­zeit­raums nicht ver­än­dert, wirk­te sich bei die­sem Ver­ständ­nis der Umfang der Milch­lie­fe­rung auf die Grö­ße des Sal­die­rungs­vor­teils aus.

Die Milch­AbgV 2004 ver­weist also nicht schlicht auf eine im Uni­ons­recht ent­hal­te­ne Sal­die­rungs­re­gel, son­dern legt selbst objek­ti­ve Kri­te­ri­en fest, wie Über­lie­fe­run­gen und Unter­lie­fe­run­gen zu sal­die­ren sind. Andern­falls wäre § 14 Abs. 1 Milch­AbgV 2004 von vorn­her­ein über­flüs­sig gewe­sen. Zwar ist zwei­fel­haft, ob der Ver­ord­nungs­ge­ber bewusst eine im Grund­satz vom Uni­ons­recht abwei­chen­de Regel auf­ge­stellt hat. Denn soweit ersicht­lich, ist erst­mals der EuGH in Aus­le­gung des Uni­ons­rechts zu dem Schluss gelangt, die uni­ons­recht­li­che Sal­die­rungs­re­ge­lung berück­sich­ti­ge Quo­ten­über­tra­gun­gen in dem Milch­wirt­schafts­jahr nicht, was sich nach dem Text nament­lich der deut­schen Fas­sung der VO Nr. 1788/​2003 nicht ohne Wei­te­res erschließt. Selbst wenn des­halb davon aus­zu­ge­hen sein soll­te, § 14 Abs. 1 Milch­AbgV 2004 ver­ste­he sich ledig­lich als authen­ti­sche Inter­pre­ta­ti­on des Uni­ons­rechts, änder­te dies aber nichts dar­an, dass nach dem Wil­len des Ver­ord­nungs­ge­bers in Deutsch­land offen­bar der Über­gang einer Quo­te oder eines Teils der­sel­ben bei der Sal­die­rung berück­sich­tigt wer­den soll­te.

Aller­dings hat die­se Rege­lungs­ab­sicht des Ver­ord­nungs­ge­bers in der Fas­sung der Vor­schrif­ten der Milch­AbgV 2004 eben­so wenig einen hin­rei­chend deut­li­chen Nie­der­schlag gefun­den wie die von der Ver­wal­tung prak­ti­zier­te Berück­sich­ti­gung nur der vom vor­ma­li­gen Betriebs­in­ha­ber noch nicht belie­fer­ten Quo­te. In der Milch­AbgV 2004 ist nicht gere­gelt, wel­che Quo­te dem Betriebs­über­neh­mer im Jahr des Hin­zu­er­werbs einer Quo­te zusteht und mit wel­cher Quo­te er in die­sem Jahr ggf. an einem Sal­die­rungs­ver­fah­ren teil­nimmt.

Die bis­he­ri­ge Ver­wal­tungs­pra­xis beruht nach Auf­fas­sung des BFHs auf einem unzu­tref­fen­den Ver­ständ­nis der Bedeu­tung der Refe­renz­men­ge und der unzu­tref­fen­den Annah­me, eine sol­che kön­ne nicht auf einen ande­ren über­ge­hen, wenn sie bereits belie­fert wor­den ist. Sie führt vor allem zu einem dem Sinn des Sal­die­rungs­ver­fah­rens wider­spre­chen­den Ergeb­nis. Wenn das Haupt­zoll­amt bei Über­gang einer (ggf. zusätz­li­chen) Quo­te wäh­rend eines Milch­wirt­schafts­jahrs als bei der Sal­die­rung berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge “Anlie­fe­rungs­Re­fe­renz­men­ge des Über­lie­fe­rers” nur den Teil der über­ge­gan­ge­nen Quo­te berück­sich­tigt wis­sen will, den der vor­ma­li­ge Betriebs­in­ha­ber noch nicht selbst belie­fert hat, wird dies der Sys­te­ma­tik des Milch­ab­ga­be­rechts nicht gerecht. Dazu bemerkt der Bun­des­fi­nanz­hof Fol­gen­des:

Die Refe­renz­men­ge ist ein Wert, der nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs und der eige­nen Pra­xis der Ver­wal­tung durch einen Grund­la­gen­be­scheid fest­ge­setzt wird, bzw. es wird die Fest­set­zung durch eine Anmel­dung der Mol­ke­rei bewirkt (vgl. nur § 18 Abs. 1 Milch­AbgV 2004). Die Refe­renz­men­ge ist also kein Wert, der erst bei der Abga­ben­be­rech­nung und –fest­set­zung nach Maß­ga­be der tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten des Ein­zel­falls zu ermit­teln wäre. Auch in den Über­tra­gungs­fäl­len exis­tie­ren dem­entspre­chend nicht meh­re­re sol­che Grund­la­gen­be­schei­de, näm­lich über die Refe­renz­men­gen des vor­ma­li­gen und des spä­te­ren Betriebs­in­ha­bers sowie des­sel­ben nach der Betriebs­über­nah­me (bei wel­cher Fest­set­zung der belie­fer­te Teil der zuerst genann­ten Quo­te nicht mit­ge­rech­net wür­de). Viel­mehr wird die vom vor­ma­li­gen Betriebs­in­ha­ber gelie­fer­te Milch­men­ge im Rah­men der Abga­ben­be­rech­nung für den Über­neh­mer berück­sich­tigt und ist für die Höhe der Refe­renz­men­ge ohne Bedeu­tung. Es ergeht kein drit­ter Bescheid über die Refe­renz­men­ge des Über­neh­mers, wel­che ihm im dem Jahr der Über­nah­me nach­fol­gen­den Milch­wirt­schafts­jahr zusteht und für wel­che die Lie­fer­men­gen des vor­ma­li­gen Betriebs­in­ha­bers kei­ne Bedeu­tung haben kön­nen. Dass der Betriebs­über­neh­mer auf sei­ne Quo­te nur inso­weit Milch abga­be­frei lie­fern kann wie nicht ein ande­rer (der vor­ma­li­ge Betriebs­in­ha­ber) auf sie in dem­sel­ben Milch­wirt­schafts­jahr Milch gelie­fert hat, ist nicht die Rechts­fol­ge eines ein­ge­schränk­ten Über­gangs der Quo­te bzw. einer Auf­spal­tung der zunächst ein­heit­li­chen Quo­te. Dies ergibt sich viel­mehr aus der Rechts­na­tur der Quo­te als des Rechts zu einer ent­spre­chen­den abga­be­frei­en Milch­lie­fe­rung in einem Milch­wirt­schafts­jahr, wel­ches ver­braucht ist, wenn es in Anspruch genom­men wor­den ist. Durch die Belie­fe­rung einer Quo­te fällt die­sel­be also nicht weg (so dass sie nicht mehr auf den Erwer­ber über­ge­hen könn­te, wenn sie bereits belie­fert wor­den ist) und es ist auch anläss­lich des Über­gangs kei­ne neue, ent­spre­chend klei­ne­re Quo­te zu bil­den, wenn auch die Quo­te als das abs­trak­te Lie­fer­recht in dem­sel­ben Milch­wirt­schafts­jahr nicht ein zwei­tes Mal “genutzt” wer­den kann, son­dern inso­weit ver­braucht ist. Die­se Zusam­men­hän­ge hat der Bun­des­fi­nanz­hof im Übri­gen bereits in sei­nem Beschluss vom 31.03.2009 erläu­tert, auf den zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen ver­wie­sen wird.

§ 8 Abs. 4 Milch­AgV i.d.F. von 2007, wonach eine Quo­te nur inso­weit über­ge­hen kann, als sie nicht belie­fert ist (die­se belie­fer­te Men­ge “gel­te” als erst für den fol­gen­den Zwölf­mo­nats­zeit­raum über­tra­gen), ist im Streit­fall noch nicht anzu­wen­den und betrifft im Übri­gen nicht das Sal­die­rungs­ver­fah­ren, son­dern die von die­sem zu unter­schei­den­de Abga­ben­be­rech­nung anhand des § 7 Nr. 1 Milch­AbgV 2007.

Eine kon­se­quen­te Umset­zung der Grund­ent­schei­dung, über­ge­gan­ge­ne Quo­ten bei der Sal­die­rung zu berück­sich­ti­gen, bie­tet kei­nen Anlass, vom vor­ma­li­gen Betriebs­in­ha­ber gelie­fer­te Milch­men­gen zu ermit­teln und in dem ihnen ent­spre­chen­den Umfang die Quo­te für Zwe­cke der Sal­die­rung zu kür­zen. Eine sol­che Sal­die­rungs­pra­xis wür­de die Betei­li­gung an der Sal­die­rungs­mas­se (Sum­me der Unter­lie­fe­run­gen) nicht von der Betriebs­grö­ße, die sich in der Grö­ße der Milch­quo­te spie­gelt, son­dern davon abhän­gig machen, ob die Quo­te in dem Milch­wirt­schafts­jahr frü­her oder spä­ter über­ge­gan­gen ist und ob der vor­ma­li­ge Betriebs­in­ha­ber das in ihr ver­kör­per­te Milch­lie­fer­recht gleich­sam über Gebühr aus­ge­schlach­tet oder nur ent­spre­chend der ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Nut­zungs­zeit oder sogar unter­pro­por­tio­nal in Anspruch genom­men hat. Es erschließt sich jedoch nicht, war­um etwa ein Milch­er­zeu­ger, der spät im Wirt­schafts­jahr einen Betrieb nach Aus­schöp­fung der Quo­te des­sel­ben über­nom­men und in der ihm ver­blei­ben­den Zeit die über­ge­gan­ge­ne Quo­te (auf­grund der wei­te­ren Nut­zung der über­nom­me­nen Betriebs­mit­tel, ins­be­son­de­re des Milch­viehs, des­sen Milch er not­ge­drun­gen ver­wer­ten muss) über­lie­fert hat, vor einer Milch­ab­ga­be­zah­lung im Wege der Teil­nah­me am Sal­die­rungs­ver­fah­ren (vor­be­halt­lich aus­rei­chen­der Sal­die­rungs­mas­se) nicht bewahrt wer­den soll, wäh­rend er davor bewahrt wür­de, wenn er den Betrieb vom Anfang des Milch­wirt­schafts­jahrs an bewirt­schaf­tet hät­te.

Die Abga­ben­be­rech­nung im Streit­fall hat die­sen Grund­sät­zen nicht Rech­nung getra­gen und ist daher rechts­wid­rig. Es ist nichts dafür vor­ge­tra­gen oder sonst ersicht­lich, dass die Berück­sich­ti­gung der gesam­ten über­ge­gan­ge­nen Quo­te im Streit­fall ent­spre­chend dem vom EuGH im letz­ten Satz des drit­ten Ent­schei­dungs­sat­zes for­mu­lier­ten Vor­be­halt aus­schei­den müss­te, ganz abge­se­hen davon, dass es an einer rechts­staat­li­chen Anfor­de­run­gen genü­gen­den Grund­la­ge dafür feh­len dürf­te, dem Klä­ger die Betei­li­gung an der Sal­die­rung nach Maß­ga­be der unge­schmä­ler­ten, über­ge­gan­ge­nen Quo­te etwa in der Besorg­nis eines Miss­brauchs des Sal­die­rungs­ver­fah­rens- zu ver­sa­gen. Es bedarf in die­sem Ver­fah­ren kei­ner Erör­te­rung, ob z.B. dann anders zu ent­schei­den wäre, wenn eine bereits völ­lig oder weit­ge­hend belie­fer­te Quo­te über­ge­gan­gen ist und als­bald nach Beginn des neu­en Milch­wirt­schafts­jahrs an den frü­he­ren Inha­ber oder einen Drit­ten zurück­fällt, so dass offen­sicht­lich ist, dass die Quo­te nur zu dem Zweck über­tra­gen wur­de, einen grö­ße­ren Sal­die­rungs­vor­teil zu erlan­gen.

An die­sem Ergeb­nis der recht­li­chen Wür­di­gung ver­mag die dem Klä­ger von der Land­wirt­schafts­be­hör­de erteil­te Beschei­ni­gung über den Über­gang der Refe­renz­men­ge nichts zu ändern (die im Übri­gen eher auf dem vom erken­nen­den BFH für rich­tig gehal­te­nen Ver­ständ­nis der Quo­te zu beru­hen scheint). Die­se Beschei­ni­gung ist zwar ein für das Haupt­zoll­amt ver­bind­li­cher Grund­la­gen­be­scheid, soweit sie fest­stellt, wel­che Milch­quo­te dem frü­he­ren Betriebs­in­ha­ber zuge­stan­den hat und folg­lich in dem Sin­ne auf den Klä­ger über­ge­gan­gen ist, dass er sie jeweils in einem (ins­be­son­de­re einem künf­ti­gen) Zwölf­mo­nats­zeit­raum belie­fern kann. Sie bezif­fert also die über­ge­gan­ge­ne Milch­quo­te. Wie gege­be­nen­falls eine Sal­die­rung vor­zu­neh­men ist und wel­che Bezugs­grö­ßen dabei anzu­set­zen sind, will die Beschei­ni­gung indes nicht und hier­über hat­te die Land­wirt­schafts­be­hör­de als eine Fra­ge der Abga­ben­er­he­bung auch nicht zu ent­schei­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. Mai 2012 – VII R 23/​08

Betriebsübergang im Milchwirtschaftsjahr