Betriebsaufgabe bei einem landwirtschaftlichen Betrieb

Es entsprich ständi­ger Recht­sprechung, dass ein Betrieb der Land- und Forstwirtschaft nicht durch die bloße Ein­stel­lung der Eigen­be­wirtschaf­tung aufgegeben wird.

Betriebsaufgabe bei einem landwirtschaftlichen Betrieb

Wenn die wesentlichen Betrieb­s­grund­la­gen erhal­ten bleiben, so dass die Möglichkeit beste­ht, den Betrieb selb­st oder durch die Erben wieder­aufzunehmen1, hängt die Annahme ein­er Betrieb­sauf­gabe, ins­beson­dere in Ver­pach­tungs­fällen, let­ztlich von den Absicht­en des Steuerpflichti­gen ab2.

Nach ständi­ger Recht­sprechung des Bun­des­fi­nanzhofs liegt ins­beson­dere im Falle der unent­geltlichen Über­tra­gung eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs wed­er eine Ent­nahme noch eine Betrieb­sauf­gabe vor. Der Betrieb wird vielmehr steuer­rechtlich unverän­dert durch den Recht­snach­fol­ger fort­ge­führt3. Dieser ist an die Buch­w­erte des Rechtsvorgängers gebun­den (§ 7 Abs. 1 ESt­DV bzw. § 6 Abs. 3 EStG). Aus den BFH, Urteilen vom 29.03.20014; und vom 20.04.19895 ergibt sich insoweit nichts anderes. Denn diese Urteile betrafen den ent­geltlichen Erwerb eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs.

Aus Beweis­grün­den kon­nte die Absicht der Betrieb­se­in­stel­lung auch schon vor Ein­führung des § 16 Abs. 3b EStG grund­sät­zlich nur bei ein­er entsprechen­den unmissver­ständlichen Erk­lärung des Steuerpflichti­gen angenom­men wer­den6. Dies hat der Bun­des­fi­nanzhof auch bere­its für Ver­an­la­gungszeiträume vor 1988 entsch­ieden7. Der Umstand, dass die Finanzver­wal­tung vor der Veröf­fentlichung des BFH, Urteils in BFHE 152, 62, BSt­Bl II 1988, 260 die Auf­fas­sung vertreten hat­te, bei ein­er parzel­len­weisen Ver­pach­tung eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs sei (auch ohne aus­drück­liche Auf­gabeerk­lärung) eine Betrieb­sauf­gabe anzunehmen8, ver­mag heute keine Auswirkung mehr zu begrün­den.

Bun­des­fi­nanzhof, Beschluss vom 11. Mai 2017 — VI B 105/16

  1. s. BFH, Urteile vom 15.10.1987 — IV R 91/85, BFHE 151, 392, BSt­Bl II 1988, 257, und in BFHE 152, 62, BSt­Bl II 1988, 260; in BFHE 167, 19, BSt­Bl II 1992, 521, sowie BFH, Beschluss vom 14.11.1990 — IV B 129/90, BFH/NV 1991, 591 []
  2. BFH, Urteil in BFH/NV 1996, 110 []
  3. z.B. BFH, Urteile in BFHE 152, 62, BSt­Bl II 1988, 260; vom 06.04.2016 — X R 52/13, BFHE 253, 359, BSt­Bl II 2016, 710; und vom 21.12 2016 — IV R 45/13, BFH/NV 2017, 459 []
  4. BFH, Urteil vom 29.03.2001 — IV R 88/99, BFHE 195, 267, BSt­Bl II 2002, 791 []
  5. BFH, Urteil vom 20.04.1989 — IV R 95/87, BFHE 157, 365, BSt­Bl II 1989, 863 []
  6. BFH, Urteile vom 23.02.1989 — IV R 63/87, BFH/NV 1990, 219; in BFHE 167, 19, BSt­Bl II 1992, 521, und BFH, Beschluss in BFH/NV 1991, 591 []
  7. s. BFH, Urteil in BFH/NV 1996, 110, m.w.N. []
  8. s. koor­dinierte Erlasse der ober­sten Finanzbe­hör­den des Bun­des und der Län­der vom 28.12 1964, BSt­Bl II 1965, 5; und vom 17.12 1965, BSt­Bl II 1966, 34 []