“Grüne Zentren” der Entwicklungshilfe

Die Bundesregierung will mit ihren Plänen zur Einrichtung sogenannter „Grüner Zentren” in Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit die Ernährungssicherung auf lokaler und nationaler Ebene fördern.

"Grüne Zentren" der Entwicklungshilfe

Die Entscheidung zum Ausbau von Grünen Innovationszentren zur Steigerung agrarischer Wertschöpfung fußt auf der Erkenntnis, dass Innovation im Laufe der letzten Jahrzehnte weltweit zur treibenden Kraft einer umweltverträglichen Produktionssteigerung in der Landwirtschaft geworden ist. Längst ist es nicht mehr der wachsende Einsatz etwa von Fläche, Wasser und Dünger, sondern das Wissen um deren effizienten und effektiven Einsatz.

Die Initiative sieht vor, die kleinbäuerlichen Betriebe und die nationale Agrarund Ernährungswirtschaft über bestehende Strukturen zu fördern, d. h. auch über bestehende Ausund Weiterbildungszentren. Die Auswahl geeigneter Institutionen oder Netzwerke erfolgt im Zuge der größtenteils noch durchzuführenden Prüfungen in den Ländern.

Die Förderung der Ernährungssicherung auf lokaler und nationaler Ebene und der ländlichen Entwicklung ist das Hauptziel des Vorhabens. Die Wirkungen, die durch die Förderung von Innovationsprozessen entlang ausgewählter Wertschöpfungsketten und durch die bessere Zusammenarbeit mit Dienstleistern der beruflichen Bildung und Beratung entstehen, tragen zur Entwicklung der ländlichen Regionen bei. Das Vorhaben baut auf den bisher erreichten Wirkungen der bestehenden bilateralen und regionalen Vorhaben in den Partnerländern auf. Erprobte Ansätze der Förderung und Optimierung von landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten, zur besseren Zusammenarbeit zwischen Anbietern von Dienstleistungen und kleinbäuerlichen Betrieben sowie Unternehmen der nationalen Agrarund Ernährungswirtschaft werden aufgegriffen, um deren Breitenwirksamkeit zu erhöhen.

Die Konzeption der Grünen Zentren wird seit Beginn der Initiative auch mit entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen, die Erfahrungen in den Bereichen ländlicher Entwicklung, Landwirtschaftsförderung und Ernährungssicherung aufweisen, sowie Institutionen der deutschen und internationalen Entwicklungsforschung diskutiert und gemeinsam konkretisiert. Das Angebot zur Zusammenarbeit richtet sich an alle entsprechenden Nichtregierungsorganisationen, die im „Arbeitskreis Welternährung“ mitwirken.

Entscheidende Auswahlkriterien für die Staaten, in denen Grüne Zentren etabliert werden sollen, sind eine entsprechende Bedarfslage im Land und Interessenlage bei der dortigen Regierung, Anschlussfähigkeit an bestehende Ausund Weiterbildungszentren sowie Anbindungsfähigkeit an bereits laufende Programme der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Eindeutiger regionaler Schwerpunkt der Initiative zum Aufbau der Grünen Zentren ist Afrika. Der Aufbau weiterer Grüner Zentren außerhalb Afrikas ist nicht ausgeschlossen, sofern hierfür ein besonderer entwicklungspolitischer Nutzen erkennbar ist und die genannten Auswahlkriterien erfüllt sind. Derzeit wird die Möglichkeit eines solchen Aufbaus in Indien geprüft.

Von den afrikanischen Ländern, die die Bundesregierung in die engere Wahl für den Aufbau Grüner Zentren gezogen hat, haben gemäß Welthungerindex 2013 Äthiopien, Burkina Faso und Sambia einen „sehr ernsten“ Schweregrad des Hungers, die Länder Benin, Malawi, Nigeria, Mali, Kamerun, Kenia und Togo einen „ernsten“ Schweregrad des Hungers. In diesen Ländern wird die Innovationsförderung einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherung leisten. Darüber hinaus ist der Aufbau der Grünen Zentren nur einer von insgesamt sechs Handlungsschwerpunkten der Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“. Komplementär zur Hungerbekämpfung durch Förderung von agrarischer Innovation werden in den Handlungsfeldern „Ernährungssicherung“ und „Resilienzsteigerung“ sehr gezielt Maßnahmen zur Bekämpfung von Unterund Mangelernährung in Ländern mit hohen Hungerindices ergriffen.

In Kooperation mit den Partnerländern wurden Länderkurzkonzepte erarbeitet, die eine Grundlage für die Projektprüfungen bilden. Die Konzepte bauen auf den Strategien und Konzepten der Partnerregierungen für ihren Landwirtschafts-, Ernährungsund Bildungssektor für den ländlichen Raum auf. Die Kurzkonzepte wurden der deutschen Zivilgesellschaft am 25. Juli 2014 zur Verfügung gestellt.

iele Länder, vor allem in Afrika, haben enorme Potenziale zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion jedes einzelnen bäuerlichen Betriebes. Ziel ist es, dass der Strukturwandel nicht allein den Kernsektor der landwirtschaftlichen Produktion erfasst, sondern zum Aufbau einer umfassenden Agrarund Ernährungswirtschaft und darüber hinaus zur Diversifizierung und Belebung der gesamten Wirtschaft des ländlichen Raumes führt. Eine beabsichtige schrittweise Verlagerung der Beschäftigung aus dem landwirtschaftlichen Kernsektor heraus hin zu vorund nachgelagerten Bereichen in der agrarischen Wertschöpfungskette (z. B. Verarbeitung und Handel) sowie außerhalb der Agrarund Ernährungswirtschaft (z. B. Handwerk und Dienstleistungen) wäre vielerorts ein großer Entwicklungsfortschritt und wichtige Voraussetzung für einen dauerhaften Sieg über Armut und Hunger.

In vielen Ländern erfährt die unmittelbare Produktion von Nahrungsmitteln und sonstigen Agrargütern keine oder nur sehr geringe gesellschaftliche Wertschätzung. „Landwirt“ ist häufig kein wirklicher qualifizierter Beruf, sondern eine aus purem Überlebenszwang und großer Not heraus ausgeübte Tätigkeit. Das Bildungsund Ausbildungsniveau in der Landwirtschaft ist in der Regel sehr gering. Die deutsche Entwicklungspolitik verfolgt das Ziel, dass die in der Landwirtschaft tätigen Menschen qualifiziert sind, wirklich „professionell“ zu arbeiten: Sie sollen über Wissen, Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen, die sie in die Lage versetzen, mit einem möglichst geringen Ressourceneinsatz eine möglichst große Menge marktfähiger Agrarprodukte als Grundlage einer gesunden, ausgewogenen Ernährung der Bevölkerung in Stadt und Land herzustellen.

Insgesamt sind 13 Länder für eine Prüfung des Aufbaus Grüner Zentren vorgesehen. Hierzu sind konkrete Prüfmissionen vorgesehen

  • Äthiopien
  • Benin
  • Burkina Faso
  • Ghana
  • Kamerun
  • Kenia
  • Malawi
  • Mali
  • Nigeria
  • Sambia
  • Togo
  • Tunesien
  • Indien