150 Rin­dern nach Usbekistan

Die Ableh­nung der Geneh­mi­gung eines Tier­trans­por­tes in die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on ist zu Recht erfolgt, wenn nicht mit hohem Wahr­schein­lich­keits­grad sicher­ge­stellt wer­den kann, dass dort Ver­sor­gungs­stel­len für Rin­der wäh­rend des Tier­trans­por­tes vor­han­den sind und genutzt wer­den können.

150 Rin­dern nach Usbekistan

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter in dem hier vor­lie­gen­den Fall einen Eil­an­trag abge­lehnt, mit dem sich der Antrag­stel­ler gegen die Ableh­nung der Geneh­mi­gung eines Trans­ports von 150 träch­ti­gen Rin­dern nach Usbe­ki­stan gewandt hat­te. Den Antrag hat ein Vieh­han­dels­un­ter­neh­men aus dem Kreis Stein­furt gestellt.

Bei einem Trans­port in Dritt­län­der gel­ten bei Haus­rin­dern die ein­schlä­gi­gen euro­pa­recht­li­chen Vor­schrif­ten, die bei einer Beför­de­rungs­dau­er von maxi­mal zwei­mal 14 Stun­den vor­se­hen, dass die Tie­re ent­la­den, gefüt­tert und getränkt wer­den und eine Ruhe­zeit von min­des­tens 24 Stun­den erhal­ten müs­sen. Die zustän­di­ge Behör­de am Ver­sand­ort kon­trol­liert hier­zu die in dem vor­ge­leg­ten Fahr­ten­buch gemach­ten Anga­ben und ver­sieht das Fahr­ten­buch mit einem Stem­pel, wenn das Ergeb­nis der Kon­trol­len zufrie­den­stel­lend ist.

Abge­lehnt wor­den ist der geplan­te Rin­der­trans­port mit Bescheid vom 22. Mai 2020. Nach Auf­fas­sung des Antrags­geg­ners müs­se nach Aus­kunft der zustän­di­gen Stel­len in der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass Ver­sor­gungs­stel­len für Rin­der wäh­rend des Tier­trans­por­tes durch die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on nicht zur Ver­fü­gung stün­den bzw. der­zeit nicht in Betrieb sei­en. Dage­gen hat sich der Vieh­han­dels­un­ter­neh­mer mit sei­nem Eil­an­trag gewehrt.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter aus­ge­führt, dass die Antrag­stel­le­rin kei­nen Anord­nungs­an­spruch auf Ver­pflich­tung des Antrags­geg­ners zur Abfer­ti­gung des Trans­ports nach Usbe­ki­stan, Abstem­pe­lung des Fahr­ten­buchs sowie Abzeich­nung durch einen Amts­ve­te­ri­när habe. 

Nach Mei­nung des Ver­wal­tungs­ge­richts habe die Antrag­stel­le­rin jeden­falls nicht mit dem hier­für erfor­der­li­chen hohen Wahr­schein­lich­keits­grad glaub­haft gemacht, dass auf dem Gebiet der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on die nach der geplan­ten Rou­te erfor­der­li­che zwei­te Ver­sor­gungs­sta­ti­on in der Regi­on Sama­ra zur Ver­fü­gung ste­he und die ent­spre­chen­den Anfor­de­run­gen erfül­le. Es erschei­ne zwar als mög­lich, dass die Ver­sor­gungs­sta­ti­on benut­zungs­be­reit zur Ver­fü­gung ste­he. Es erschei­ne aber eben­falls als mög­lich, dass bereits dies nicht der Fall sei. In dem Bericht über die Rei­se deut­scher Tier­ärz­te in die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on im August 2019 und in der Aus­kunft des Föde­ra­len Diens­tes für vete­ri­när­recht­li­che und phy­to­sa­ni­tä­re Über­wa­chung der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on wür­den noch andau­ern­de und einer Nutz­bar­keit ent­ge­gen­ste­hen­de Bau­ar­bei­ten an der Ver­sor­gungs­sta­ti­on genannt. 

Außer­dem hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter bemän­gelt, dass in dem gericht­li­chen Antrag auch kei­ne kon­kre­ten Daten für die beab­sich­tig­te Durch­füh­rung des Rin­der­trans­ports nach Usbe­ki­stan ange­ge­ben sei­en. Aus die­sem Grund kön­ne das Ver­wal­tungs­ge­richt nicht beur­tei­len, ob an den Ver­sor­gungs­sta­tio­nen an kon­kret zu benen­nen­den Tagen frei­er Platz für die trans­por­tier­ten Rin­der bestehe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 5. Juni 2020 – 5 L 446/​20